Starkes Comeback der Kunstbühne

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Das in Teilen neue Team der Kunstbühne Löwenkeller (von links): Miruna Costa, Edith Reitz, Nick Timm und Oliver Gröll haben mit großem Engagement ein interessantes Programm für 2015 zusammengestellt.

Neu-Isenburg - Mit einem Freitag als Paukenschlag meldet sich an einem Samstag die Kunstbühne Löwenkeller zurück: Kabarett-Urgestein Thomas Freitag, der als Vorkämpfer der Kleinkunst in Deutschland gilt, tritt am 7. Februar im Löwenkeller unter dem Stadtmuseum auf. Von Barbara Hoven 

Er wird dem Isenburger Publikum sein Programm zu seinem 40-jährigen Bühnenjubiläum mitbringen. Es folgen im Alten Ort weitere Veranstaltungen aus Kabarett, Literatur und Musik, die sich sehen lassen können.

Seit 2010 gibt es im Löwenkeller große Kunst auf kleiner Bühne – eine erfolgreiche Kulturinitiative, die bekanntlich aus einer alles andere als alltäglichen großen Koalition hervorgegangen war – nämlich dem Engagement der vier Stadtverordneten Wolfgang Lamprecht (SPD), Edith Reitz (FDP), Oliver Gröll (CDU) und Nick Timm (Grüne). Saison für Saison präsentierte die Initiative als eine Sparte des Forums zur Förderung von Kunst und Kultur seither diverse gut besuchte Veranstaltungen mit Künstlern aus ganz Deutschland. Dass es jedoch in den vergangenen Monaten etwas ruhiger geworden war um die Kunstbühne, lag nicht etwa daran, dass die Lust am Engagement verloren gegangen wäre. Es galt jedoch, sich neu aufzustellen, nachdem sich mit Wolfgang Lamprecht ein Motor der Initiative aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen musste.

Ihm gilt gestern beim Pressegespräch zur Vorstellung des neuen Programms denn auch der große Dank aller Weggefährten. „Es ist eine Sache, dass wir uns vor Jahren in eine Idee gestürzt haben. Dass dieser Idee Leben eingehaucht wurde und wir sie kontinuierlich am Leben halten konnten, das ist der Verdienst von Wolfgang“, betont Nick Timm. Ganz verloren gehe Lamprecht der Gruppe jedoch nicht: Er wird ihr auch weiterhin beratend zur Seite stehen.

Neues Gesicht im Team

So gilt es gestern, nicht nur ein neues Programm, sondern auch ein neues Gesicht im Team vorzustellen: Miruna Costa hat die künstlerische Leitung übernommen und damit die Nachfolge von Lamprecht angetreten. Die gebürtige Rumänin Costa, Jahrgang 1968, hat lange Zeit selber auf der Bühne gestanden als Schauspielerin, Musikerin und Bandleaderin.

Das in Teilen neue Team der Kunstbühne Löwenkeller (von links): Miruna Costa, Edith Reitz, Nick Timm und Oliver Gröll haben mit großem Engagement ein interessantes Programm für 2015 zusammengestellt.

Ihre Vita liest sich spannend. „Ich mache Musik, seit man mir mit sechs Jahren eine Gitarre in die Hand gedrückt hat“, erzählt die fröhliche Frau, die nach der rumänischen Revolution 1989 zur ersten Ansagerin des ersten freien rumänischen Fernsehprogramms wurde – „ich wurde einfach dazu gemacht, weil ich gut mit der Kamera umgehen konnte“. Auch Filme hat sie gedreht, war beispielsweise 1989 in „Kilometer 36“ zu sehen. Als sie 1990 nach Deutschland kam und laut Arbeitsamt „was Anständiges“ lernen sollte, machte sie eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei Karstadt. Doch bald darauf habe es sie wieder auf die Bühne verschlagen – in verschiedenen Stationen. Seit 1998 trat sie als Frontfrau der Band Silverwood auf, räumte diverse Branchenpreise ab und tourte durch Amerika.

2005 schließlich habe sich ihr Leben erneut von Grund auf verändert, erzählt Costa. Umzug nach Frankfurt „der Liebe wegen“, Hochzeit, „Mama geworden 2007“. Doch das Bühnenfieber ließ ihr keine Ruhe, vor fünf Jahren gründete sie das Mirulytheather in Isenburg, eine Theaterschule für Kinder.

Viel Lob für neue Aufgabe

Kein Wunder also, dass Kulturdezernent Theo Wershoven bei der Suche nach einer neuen Intendanz für die Kunstbühne Löwenkeller auf Miruna Costa zuging. Die sagte zu, und ist nun voll des Lobes über ihre neue Aufgabe: „Ich fühle mich sehr gut aufgenommen, es ist eine tolle Gruppe.“ Ein Kompliment, das die Gruppe gern zurückgibt. Vor allem freue sie sich, „dass die Frauenquote jetzt bei 50 Prozent liegt“, sagt Reitz und schmunzelt.

Das neue Programm der Kunstbühne Löwenkeller setzt neue Akzente, ist aber nach wie vor voll von dem Anspruch „Kleine Bühne – große Kunst“ getragen. Auf der nur etwa 60 Plätze umfassenden Kunstbühne im Löwenkeller stehen nach Thomas Freitag in diesem Jahr auch die Sängerin Joyce Lyle (21. März), der Wiener Kabarettist Severin Groebner (16. Mai), Holger Paetz (19. September) oder Alfred Mittermeier (28. November). Auch ein „Experiment“ will Costa wagen: Für den 27. Juni ist ein Abend als „Offene Bühne“ geplant. Denn sie sei sicher, „dass es in Isenburg viele Leute gibt, die ein Künstler-Gen in sich tragen“.

Eine wichtige Neuerung: Einlass ist auch künftig ab 19 Uhr, Beginn der Veranstaltungen jedoch „um 20 vor 20 Uhr“. Warum die krumme Zahl? „Weil wir uns vorgenommen haben, vor der Aufführung immer eine Überraschung fürs Publikum zu veranstalten.“

Mit großem Engagement und finanzieller Unterstützung der Stadt von 10.000 Euro pro Jahr hat das Team das neue Programm auf die Beine gestellt. Sie hoffen jedoch, künftig noch Sponsoren gewinnen zu können, denn Künstler kosten Geld – und nur über die 18 Euro Eintritt sei das nicht zu stemmen.

Was das alte Problem der platzraubenden Lüftung im Löwenkeller angeht, macht Wershoven gestern Mut: „Das ist kein Problem mehr; denn was hier angesprochen wird, wird bald gelöst“, verspricht er.

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