Kunstbühne Löwenkeller

Swingende Streiche und Legenden

+
Chansonette Gabriele Kentrup

Neu-Isenburg - Die Kunstbühne Löwenkeller hat sich etabliert und über Neu-Isenburg hinaus Freunde gefunden. Mit hohem Niveau geht’s nun ins Finale der vierten Spielzeit. Von Barbara Hoven 

Die vierte Spielzeit ist inzwischen in vollem Gange, und es ist der Kunstbühne Löwenkeller gelungen, sich in ihrer Nische der besonderen Art wohlig zu etablieren. Nur 57 Plätze gibt es vor der Kellerbühne, 444 zahlende Gäste hat die private Kulturinitiative bei ihren zehn Veranstaltungen im vergangenen Jahr gezählt, „das sind 80 Prozent Auslastung“, rechnet Wolfgang Lamprecht zufrieden vor. Damit die Sitzreihen im Kellertheater in der Löwengasse 24 auch im neuen Jahr gut gefüllt sein werden, haben Lamprecht und seine Mitstreiter Edith Reitz und Nick Timm nun für die Monate Januar bis Mai wieder ein abwechslungsreiches Programm mit sechs Veranstaltungen vorgestellt, stets getreu dem Motto „Kleine Bühne – große Kunst“.

Auch Blues samt so noch nie gehörter Vertonungen von Wilhelm Buschs berühmten Texten über Max und Moritz und ein Wiedersehen mit Moritz Stoepel, der bereits zum dritten Mal Gast im Löwenkeller ist, erwartet die Kulturfreunde. Und all das bis Ende Mai, da im Juni die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien läuft – ein Termin, mit dem die Initiatoren der Kleinkunstbühne nicht konkurrieren möchten.

Geringe Resonanz in Zeppelinheim

Lesen Sie auch:

Kleine Bühne, große Kunst

Nicht wiederholen wollen sie zudem das Gastspiel im Bürgerhaus Zeppelinheim. „Es war ein Versuch“, sagt Nick Timm. Doch die Resonanz sei zu gering, der Werbeaufwand zu groß gewesen. Zum Start ins neue Jahr präsentiert die Kunstbühne am nächsten Samstag, 18. Januar, 20 Uhr, eine musikalischen Erinnerung an die Cabaret-Königin des alten Berlin: Claire Waldoff. Ihr Name war mit dem Beginn des deutschen Kabaretts vor 100 Jahren eng verknüpft, sie galt als komische Nudel, als stimmgewaltige Krawallschachtel, als Ur-Berlinerin. Die Chansonette Gabriele Kentrup lässt die frechen Lieder dieser Sängerin mit dem erfrischenden Humor und Sprachwitz der Berliner wieder lebendig werden – und stellt dabei ihre ausdrucksstarke Stimme und ihr komödiantisches Talent unter Beweis. Begleitet wird Kentrup im Löwenkeller vom Pianisten Wolfgang Wiechert von der Oper am Rhein in Düsseldorf.

Ein Wiedersehen mit Moritz Stoepel gibt es am Samstag, 15. Februar. „Und verführe mich in Versuchung…“ ist sein Abend diesmal überschrieben, er bringt Prosatexte, Gedichte und Szenen aus der erotischen Literatur mit – umrahmt mit Chansons d´amour.

Waschechte Hymne

So, wie das Huub Dutch-Duo sie am Donnerstag, 13. März, präsentiert, hat man Wilhelm Buschs „Max und Moritz“ wohl noch nie gehört. „Max und Moritz got the Blues – Swingende Streiche, fabelhaft vertont“ ist der Abend überschrieben. Huub Dutch und Chris Oettinger schleifen ihr Publikum durch viele musikalische Genres mit einem großen Geschick für die Wendungen und atmosphärischen Veränderungen der Bubengeschichten von Witwe Bolte zu Schneider Böck und Lehrer Lämpel: Hier swingt es, dort kommen marschartige Elemente zum Einsatz, um gleich danach einer waschechten Hymne Platz zu machen, die dann wieder von bluesigen Motiven verdrängt wird. Dabei macht das Duo aus einem umgedrehten Zementkübel mit Besenstiel und Wäscheleine Schlagzeug und Bass.

Weiter geht es am Samstag, 12. April, mit Achim Barrenstein und Waltraut Bartl, die Gedichte und Grotesken zum 100. Todestag von Christian Morgenstern mitbringen. „Wenn ein Butterbrotpapier zu denken anfängt, ein Herr von Korf in ein böhmisches Dorf reist und Palmström sich eine Geruchs-Orgel baut, dann kann Morgenstern nicht weit sein“, heißt es in der Ankündigung. Achim Barrenstein, studierter Schauspieler und Ensemblemitglied zahlreicher Staatstheater, erweckt mit seinem schauspielerischen Können die Figuren zum Leben – begleitet von der Pianistin Waltraut Bartl.

Zwei Veranstaltungen zum Schluss

Das Halbjahresprogramm endet im Mai mit zwei Veranstaltungen: Am Samstag, 3. Mai, lässt das Duo Graceland einen Abend lang das legendäre Folk-Rock-Duo Simon & Garfunkel lebendig werden, das in den 1960- und 70-er Jahren unvergessliche Song-Klassiker wie „The Sound of Silence“ und „Bridge Over Troubled Water“ geschaffen hatte.

Zum Finale gibt es dann am Samstag, 31. Mai, „Mathias Tretter möchte nicht Dein Freund sein“, eine „kabarettistische Zertretterung des digitalen Wahnsinns“. Tretter ist mittlerweile einer der großen deutschen Kabarettisten, in allen maßgeblichen Fernsehsendungen wie „Neues aus der Anstalt“, „Scheibenwischer“, „Mitternachtsspitzen“ oder „Ottis Schlachthof“ war er schon zu sehen. In seinem aktuellen Solo-Programm fürchtet er um unser aller Privatsphäre – und fragt sich, „wie es nur soweit kommen konnte, dass aus aufrecht gehenden Mitbürgern lauter autistische Wesen wurden, die in gekrümmter Köperhaltung kleine technische Fetische anbeten und wie ferngesteuerte Jünger einem iGott huldigen“.

Der Vorverkauf für die Veranstaltungen im Löwenkeller, der in der Löwengasse 24 zu finden ist, läuft über das Ticketcenter in der Hugenottenhalle, das unter s  06102 77665 zu erreichen ist. Zu haben sind die Karten im Vorverkauf jeweils für 18 Euro.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare