KINDERARZT-GEMEINSCHAFTSPRAXIS Nachfolger für scheidendes Trio gefunden

Lange Suche mit glücklichem Ausgang

Peter Mondon und Ulrike Eckert-Tanzki sind froh, dass die Suche nach Nachfolgern für ihre Praxis zum Erfolg geführt hat. Auf dem
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Peter Mondon und Ulrike Eckert-Tanzki sind froh, dass die Suche nach Nachfolgern für ihre Praxis zum Erfolg geführt hat. Auf dem

Neu-Isenburg – Das Problem brannte der Stadt schon lange unter den Nägeln. Nun konnte eine Lösung gefunden, die Bürgermeister Herbert Hunkel als eine der schönsten Nachrichten des Jahres für Neu-Isenburg bezeichnet. Für die Kinderarzt-Gemeinschaftspraxis konnten Nachfolger für die scheidenden Ärzte Ulrike Eckert-Tanzki, Inge Geyer-Sodemann und Peter Mondon gefunden werden. Die Suche hatte angesichts des Mangels an Kinderärzten in Hessen drei Jahre gedauert.

Die Nachfolger Jörg Brand, Anoosh Esmaeili und Adrian Lieb, die sich über die Arbeit am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Frankfurter Uni-Klinik kennen, übernehmen die Praxis in der Hugenottenallee 120 im Januar. Das Zulassungsverfahren soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein. „Wir sind in einem Alter, noch etwas Neues beginnen zu wollen“, betont Brand. Auch sein Kollege Esmaeili freut sich auf die neue Aufgabe. Das Ziel sei eine ganzheitliche Sicht auf die Kinder und Jugendlichen. „Wir bieten ein innovatives, modernes und an den aktuellen Leitlinien orientiertes Versorgungskonzept“, führt er weiter aus. Das Trio will das Angebot in der Praxis unter anderem um die Gastroenterologie (Magen-Darm-Erkrankungen) und die Palliativmedizin erweitern.

Ulrike Eckert-Tanzki, die zum bisherigen Team gehört, zeigt sich erleichtert, dass die Suche nach Nachfolgern zu einem guten Ende geführt hat. „Wir sind glücklich, dass es einen nahtlosen Übergang gibt und wir so erfahrene Nachfolger gefunden haben.“ Danach hatte es lange Zeit nicht ausgesehen. Weder Gespräche der Kassenärztlichen Vereinigung, an denen sich auch der Bürgermeister beteiligte, noch Anzeigen im Ärzteblatt, Pressemitteilungen und sogar ein Bericht im heute journal des ZDF über die katastrophale Situation der Versorgung mit niedergelassenen Kinder- und Jugendärzten hatten zum Erfolg geführt. Erst eine Information an die Uni-Kinderklinik Frankfurt weckte das Interesse bei den drei Kinderärzten und führte zum Erfolg.

Adrian Lieb, Jahrgang 1980, ist der Jüngste im Team. Er hat den Schwerpunkt Pädiatrische Gastroenterologie und Allergologie. Seit 2016 ist er Oberarzt in der Ambulanz für pädiatrische Gastroenterologie in der Uni-Klinik. Anoosh Esmaeili, Jahrgang 1968, ist seit 2003 Oberarzt in der Klinik für pädiatrische Kardiologie des Zentrums der Kinderheilkunde und seit 2010 Leiter der Abteilung für Kinderkardiologie und angeborene Herzfehler. Der Aschaffenburger Jörg Brand, ebenfalls Jahrgang 1968, ist seit 2002 Arzt in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin mit den Aufgabenschwerpunkten pädiatrische Intensivmedizin und Palliativmedizin sowie in der Notfallmedizin tätig. Jeder der drei ist verheiratet und hat selbst Kinder.

Für Gravenbruch sieht es ebenfalls gut aus mit der kinderärztlichen Versorgung. Melanie Buchacker-Hajduk ist zwar nun im Medizinischen Versorgungszentrum Heusenstamm tätig, bietet aber an drei Tagen Sprechstunden im Stadtteil.

Auch wenn es für Neu-Isenburg ein Happy-End in Sachen Kinderärzten gibt, sieht es bundesweit alles andere als gut. Es gibt einfach zu wenige. Die Situation dürfte sich noch weiter verschlechtern, da bis 2025 schätzungsweise ein Viertel aller niedergelassenen Ärzte in dem Bereich in den Ruhstand gehen. Hinzu kommt die steigende Belastung. Eckert-Tanzki spricht von einem zunehmenden Bürokratieaufwand, der immer mehr Zeit in Anspruch nehme. Darauf reagiere die Kassenärztliche Vereinigung aber nicht. Deshalb würden viele junge Ärzte zunehmend davor zurückschrecken, Praxen zu übernehmen – mit unübersehbaren Folgen für die Zukunft. Viele würden lieber an den Krankenhäusern bleiben.

Von Holger Klemm

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