Michael Kercher spornt Zuhörer an

Verborgene Talente wecken

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Guck mal, wer da spricht: Vollblut-Musiker und Open-Doors-Organisator Michael Kercher ist auch als Redner erfolgreich.

Neu-Isenburg - Michael Kercher tanzt auf vielen Hochzeiten. Die meisten kennen den rührigen Isenburger als Organisator des Musikspektakels Open Doors. Seit Oktober ist er aber auch als Redner im Top 100-Katalog von Speakers Excellence gelistet. Von Leo F. Postl

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Sein Vortrag mit dem Thema „Das Talent, talentfrei Höchstleistung zu erzielen“, den er auf einzigartige Weise präsentiert, weckt großes Interesse – in der Hugenottenstadt und darüber hinaus. Seine Philosophie lautet: „Man kann Dinge lernen, indem man sie anpackt.“ Aus dem Treffer in der Bahnhofstraße sind höchst bekannte Töne zu hören. Passanten bleiben stehen. „Sag bloß, spielt da die Band Coldplay?“, fragt ein Mann verwundert, weil deren berühmter Song „Viva La Vida“ aus der Kultgaststätte strömt. Doch nur jene, die der Einladung von Michael Kercher gefolgt sind, wissen, was genau da drinnen los ist: Der begnadete Percussion-Artist hat per Playback den Song eingespielt, aber den Drummer ausgeblendet. Dafür setzt er selbst live den Rhythmus – derart exakt und perfekt, dass man durchaus vermuten konnte, die Originalbesetzung wäre „in geheimer Mission“ im Treffer zu Gast.

Was ist es nur, was aus einem ganz normalen Menschen eine erfolgreiche Persönlichkeit macht? Dieser Frage geht Kercher an diesem Abend gründlich nach. Der Isenburger, den man auch als Schlagzeuger der Gypsys kennt, die schon von Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen wurden, ist eben auch ein umtriebiger Veranstaltungskünstler. Über die von ihm gegründete Agentur Rent a Band, die seit dem 1. Januar unter „12 Löwen“ firmiert, kann man nicht nur seine Band, sondern ein ganzes Bündel an Event-Arrangements buchen. „Mit normalen Dingen fangen wir gar nicht an“, so sein Motto – aber auch sein Anspruch.

Ein Multitalent aus Neu-Isenburg

Seine über viele Jahre gesammelten Erfahrungen gibt Michael Kercher nun in speziellen Vorträgen gerne weiter. Und zwar nicht einfach so, als trockener Redner hinter einem Pult, sondern ganz in seinem Element, also mit Musik und Live-Acts. Weil sein Vortrag „Das Talent, talentfrei Höchstleistungen zu erzielen“ so großes Interesse geweckt hat, hält das Multitalent ihn nun auch in Isenburg. „Ich bekomme immer wieder zu hören, dass sich viele nichts Konkretes darunter vorstellen können, deshalb habe ich viele dieser Freunde einfach mal eingeladen, damit sie sich selbst überzeugen können“, erklärt er, wie der Abend zustande gekommen ist. Und der Saal ist proppenvoll.

Kercher nennt das Beispiel einer jungen Frau namens Johanna, die wahrlich Talent hatte, dies aber nicht nutzte, und somit eine einmalige Chance im Leben verpasste. „Als ich Johanna das erste Mal hörte, war ich total begeistert, habe ihr versprochen, ein Drum-Set samt bestem Lehrer zu organisieren. Ich wollte dieses Talent einfach fördern“, schwärmt Kercher heute immer noch. Doch trotz aller Unterstützung blieb Johanna ihrem Weg treu. „Ich habe sie kürzlich wieder gehört, sie ist zwar immer noch so gut wie damals, aber ich bin sicher, sie hat nicht einmal richtig geübt“, bedauert der Förderer das Schicksal.

Video von Open Doors

Mit dem Publikum gibt es dann gezielte Interaktion, schließlich hat Kercher versprochen, dass alle nach seinem Vortrag als „Drummer mit Talent“ nach Hause gehen würden. „Der Rosanna-Schlag ist zwar schon etwas schwieriger, aber wird sind ja jetzt schon fortgeschritten“, baut er auf die vorausgegangene praktische Übung auf. Jeff Porcaro hatte im Song „Rosanna“ der Gruppe Toto diesen Schlagzeuggroove, bei dem eine sogenannte „Ghostnote“, also eine leise gespielte, kaum hörbare, aber deutlich fühlbare Note enthalten ist, bekannt gemacht. „Auch diesen konnte Johanna, doch leider hat es ihr nichts genützt, denn sie hatte anscheinend Angst davor, Erwartungshaltungen nicht erfüllen zu können – und Angst ist ein klarer Feind von Höchstleistungen“, so der Redner.

„Nun zu mir: Alles noch so gute Talent bleibt brotlose Kunst, wenn man sie nicht verkaufen kann“, erklärt Kercher. Einer seiner Mitarbeiter wollte einen Zusatz-Job in einer bekannten Wäscherei für die Messegäste in Frankfurt. „Gut, du kannst den Job machen, wenn du mir die Hinterlassenschaften in den Taschen gibst“, so der Deal mit Kercher. Dabei zielte er nicht auf mögliches Klein- oder gar Großgeld ab, sondern nur auf die Visitenkarten, die Kontakte also. „Ich habe dann die Leute angerufen und auf unsere Begegnung auf der Messe verwiesen – und alle kannten mich plötzlich“, so die überraschende Erkenntnis von Kercher. Denn keiner wollte sich die Blöße geben, sich nicht mehr an eine Begegnung erinnern zu können. Mit einem selbst komponierten Drum-Act setzt der Redner dann den Schlusspunkt. „Seht ihr, so ist das: Der Erfolg besteht zu zehn Prozent aus Inspiration und 90 Prozent Transpiration“, sagt er schmunzelnd und wischt sich die Schweißtropfen von der Stirn.

Open Doors 2013 mit 60 Bands

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