Jugendorchester

Die Misstöne sind nun verklungen

Neu-Isenburg - Wie der unschöne Streit um ein einst heimatloses Jugendorchester ein Happy End fand, von dem gleich mehrere Gruppen profitieren. Von Enrico Sauda

Es ist ruhig geworden um die gut 20 Musiker. Während sich andere darüber Sorgen machen würden, sind die Mädchen und Jungen, die unter der Leitung von Konstantin Falahati im Gebäude der ehemaligen Brüder-Grimm-Schule an der Hugenottenallee proben, ziemlich froh drum. Es waren, wie berichtet, aber auch ziemlich turbulente Monate, bis das Orchester, das ursprünglich sein Domizil in der Goetheschule an der Offenbacher Straße hatte, ein neues Dach über dem Kopf fand. Die Musiker hatten sogar bei den Isenburger Schützen Unterschlupf gefunden.

Doch das ist jetzt mehr als ein Jahr her und das Orchester ist nun Teil der Philharmonischen Gesellschaft der Stadt Neu-Isenburg. Deren Chef Werner Castrian „kannte mich, weil sie für das Kammerorchester einen Kontrabass suchten und ich mich gemeldet hatte“, berichtet Falahati. Es kam zu einem Treffen im Februar und „wir sprachen die Alternative einer Fusion mit der Philharmonischen Gesellschaft an“. Gesagt, getan.

„Das ist eine Situation, aus der beide Seiten Vorteile ziehen“, so Falahati. Denn die Philharmoniker seien schon ältere Semester und täten sich nicht leicht, bei der Jugendarbeit Fuß zu fassen. „Jetzt ist alles super. Wir haben einen ‘Dachverband‘, der uns viel Freiraum lässt, der uns in unserer Kreativität keine Grenzen aufzwingt.“ Es sei alles „viel einfacher als früher“. Und die Nachwuchsmusiker profitieren ihrerseits vom Erfahrungsschatz der Älteren. „Außerdem ist das Kammerorchester eine gute Perspektive für unsere motivierten Jungmusiker“, weiß Falahati. „Die Hemmschwelle, etwa dem Kammerorchester beizutreten, die bestand, ist viel geringer geworden.“

Aktuell helfen zwei Geigerinnen beim Jugendorchester aus und zwei Musiker des Jugendorchesters unterstützen das Kammerorchester. „Es hat sich alles sehr gut gefügt“, findet Falahati. „Und wir ergänzen uns sehr gut.“ Auch außerhalb der Musik. „Wir versuchen, neue und frische Ideen einzubringen, helfen, wenn es was bei der Homepage zu tun gibt“, zählt er einige Punkte auf. Ein Gitarrist der Juniorphilharmonics, wie sich das Jugendorchester seit Neuestem nennt, sitzt sogar als Beirat im Vorstand der Philharmonischen Gesellschaft. „Das ist alles sehr eng verzahnt mit Werner Castrian und dem Rest des Vorstands – alles funktioniert super unkompliziert“, erklärt Falahati, der musikalische Leiter der Juniorphilharmonics. Der Vorstand halte sich, was die musikalische Arbeit betrifft, sehr zurück, „das ist gut, denn so bewahren wir unsere Identität. Das ist sensationell“.

Aber die Mädchen und Jungen treffen sich nicht nur zum Üben – „der gesellschaftliche und der gesellige Aspekt dürfen nicht zu kurz kommen“. Deshalb stellen sie unter anderem auch DVD-Abende auf die Beine. „Das ist auch einer der vielen Gründe dafür, dass das Projekt so lange durchgehalten hat, auch als die Zeiten viel, viel schwieriger waren“. Es sei eben mehr als eine bloße Pflichtveranstaltung, sondern ein offenes Angebot, „aber nicht ohne Anspruch“.

Von den Qualitäten der Musiker können sich Interessierte im Juni ein Bild machen, dann treten die Juniorphilharmonics erstmals gemeinsam mit dem Kammerorchester auf. Und zwar in der Marktplatzkirche. Bis dahin heißt es noch viel üben.

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