Starke Resonanz

Mitmachen als Maxime beim „Tag der Hilfsorganisationen“

Die Löschdrachen, die Kinderabteilung der beiden Feuerwehren, in Aktion: Der sechs- bis zehnjährige Nachwuchs zeigte bei einem Theaterstück, welche Maschinerie in Bewegung gesetzt wird, wenn in einem Wohnhaus ein Feuer ausbricht.

Neu-Isenburg - Löschen ist nur der halbe Job: Rund 3000 Besucher informierten sich beim „Tag der Hilfsorganisationen“ in der Sankt-Florian-Straße über die Arbeit von Freiwilliger Feuerwehr, THW, Rotem Kreuz und Deutscher Lebens-Rettungs- Gesellschaft (DLRG).

Dass Neu-Isenburgs Feuerwehr auch am Tag der offenen Tür immer einsatzbereit ist, stellen die Retter am Samstagmorgen bereits um kurz vor 11 Uhr, sozusagen zur Eröffnung der Veranstaltung, unter Beweis: In einem Wohnhochhaus in der Richard-Wagner-Straße haben ein piepsender Brandmelder und Rauchentwicklung die Nachbarn auf den Plan gerufen – unklar ist, ob sich noch Menschen in der betroffenen Wohnung befinden. Die Wehr, die gleich ausrückt und nach wenigen Minuten vor Ort ist, kann allerdings bloß angebranntes Essen auf dem Herd feststellen.

Also zurück in die Sankt-Florian-Straße. Mitmachen ist dort das große Thema bei den Besuchern fast aller Altersklassen beim Tag der Hilfsorganisationen.

Ein schwieriger Balanceakt, an den sich die kleine Julia wagt – aber mit Unterstützung von Mama Magdalene Zuziak gelingt es.

„Wer von Ihnen will denn jetzt selbst mal ran und das Auto aufschneiden?“, fragt Feuerwehrmann Ralph Schrod in Richtung der Menschentraube, die sich auf dem Parkplatz zwischen Feuerwehr und Technischem Hilfswerk rund um das dort aufgebaute Unfall-Szenario versammelt hat. Ausgestattet mit Helm und Schutzjacke macht sich eine Besucherin ans Werk. Mit viel Geschick und Unterstützung von Feuerwehrmann Steffen Schelhasse gelingt ihr in wenigen Minuten der Schnitt am „B-Holm“ auf der Beifahrerseite des Unfallautos – zwischen Beifahrersitz und Rückbank – und sie hält das Metallstück in den Händen. „Das dürfen Sie als Andenken mit nach Hause nehmen“, sagt Schrod.

Raffael hat sich indes auf dem Außenwaschplatz im Feuerwehrhof gerade den Schlauch eines Feuerlöschers gegriffen. Geduldig lässt sich der Sechsjährige von Feuerwehrmann Dominik Büttner erklären, was man damit machen kann, als vor den beiden auch schon der Mülleimer eines speziellen Feuerlöschtrainers in Flammen aufgeht. Es dauert nur wenige Sekunden, da hat Raffael den Brand im Griff. „Ein Fall für die Kinderfeuerwehr“, resümiert einer der staunenden Besucher.

„Es gibt nichts Schlimmeres für eine Feuerwehrfrau oder einen Feuerwehrmann, als untätig zusehen zu müssen, noch schlimmer, wenn kein Platz mehr im Einsatzfahrzeug ist“, beschreibt Udo Bachmann, Leiter der Löschdrachen, der Kinderabteilung der Isenburger Feuerwehren, die derzeitige Situation beim jüngsten Nachwuchs. „Wir haben derzeit 20 Kinder in unserer Nachwuchsorganisation, weitere sechs stehen auf der Warteliste“, erklärt Bachmann. Die Lösung wäre eine weitere Betreuerin oder Betreuer – doch die genau fehlt. Wie groß die Begeisterung beim sechs bis zehn Jahre alten Nachwuchs ist, stellen die Löschdrachen bei einem Theaterstück unter Beweis. Sie zeigen, welche Maschinerie in Bewegung gesetzt wird, wenn in einem Wohnhaus ein Feuer ausbricht und die überwiegend ehrenamtlichen Feuerwehrleute anrücken. „Ganz wichtig ist das Melden des genauen Brandortes und wie die Situation ist“, betont Vanessa Müller, die mit Marion Pehns und Claudia Poths die Löschdrachen betreut. Für die Vorführung gibt es viel Applaus.

Großes Getümmel herrscht auch in der Fahrzeughalle der Wehr. An Infoständen können sich die Gäste über Rettungsgasse, Rettungskarte, die Mitgliedschaft bei einer der Hilfsorganisationen und die Ausrüstungen von Wehr, Polizei und DRK informieren. Auch die Jugendfeuerwehr wirbt um Nachwuchs – zeigt aber zwischenzeitlich auch das Können der bereits aktiven Jugendlichen bei zwei Übungen. Neue Leute mit Lust auf ein sinnvolles Hobby sind stets gern gesehen. „Wir treffen uns immer montags von 18 bis 20 Uhr“, sagt Jugendfeuerwehrwart Marius Seeger.

Im Falle eines Einsatzes sind sie aufeinander angewiesen, ihre Basisstationen mit den Einsatzfahrzeugen und Gerätschaften liegen nahe beieinander – somit ist es nur logisch, wenn sie auch gleichzeitig ihre Tore öffnen und den Bürgern ihre Einsatzbereitschaft demonstrieren, die Helfer von Wehr und Technischem Hilfswerk. Dazu kommen am Samstag noch das Rote Kreuz und die DLRG-Ortsgruppe. Und rund 3000 Besucher, so schätzt die Wehr, folgten der Einladung.

Bilder: Feuerwehrleute proben Ernstfall unter Atemschutz 

Workshop-Teilnehmer Robin Pientka und Frank Burger im Gespräch mit Ausbilder Lars Gottschalk: Es geht um "Schlauchpakete" und Türkeile.

Im Inneren von Häusern ist ein richtiges "Schlauchmanagement" sehr wichtig.

Wenig Sicht und viel Gerät: Der Einsatz im Inneren eines Gebäudes birgt besondere Herausforderungen für die Helfer.

Freigegeben zur Übung: In der ehemaligen Sozialunterkunft unweit der Isenburger Feuerwache haben die Brandschützer ein geeignetes Objekt gefunden.

Wenig Sicht und viel Gerät: Der Einsatz im Inneren eines Gebäudes birgt besondere Herausforderungen für die Helfer.

Die ehemaligen Sozialunterkünfte sollen bald einer Lärmschutzwand weichen.

Vorbereitung der Einsatzausrüstung.

Mit Nebelmaschinen und einer gasbetriebenen Feuerstelle (Mitte) ließen sich die Szenarien sehr realitätsnah gestalten.

Mit von der Partie ist auch das „Brat-Team“ von der Partnerfeuerwehr aus Weida. Die Gäste haben einige Kilo Original Thüringer Bratwürste mitgebracht, die sich viele Besucher schmecken lassen.

Auch beim THW ist einiges los: Bei der Vorführung der „Pumpengruppe“ zeigen die Mitglieder, wie man mit geringem technischen Aufwand große Mengen Wasser von A nach B pumpen kann. Auch für die Kinder wird es beim THW nicht langweilig. Hüpfburg und Sandkasten laden bei sonnigem Wetter einfach nur zum Spielen ein – die ganz Mutigen nehmen selbst die Schaufel in die Hand und füllen in einer speziellen Vorrichtung Sandsäcke. „Darf ich den jetzt mitnehmen?“, fragt die dabei atemlos gewordene Vanessa. „Die brauchen wir normal bei Hochwassereinsätzen, aber wenn du den packst, dann gerne“, scherzt ein THW-Spezialist.

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