Mobilität in Neu-Isenburg

Ein Plädoyer für neue Wege

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„Fragwürdiges Ambiente“: Der Umbau der Straßenbahnhaltestelle, die im Hintergrund zu sehen ist, ist in vollem Gange, mit der eingerichteten Ersatzhaltestelle unter der Autobahnbrücke und dem Weg dorthin kann sich nicht jeder Isenburger anfreunden. - Foto: Postl

Neu-Isenburg - Tramprovisorium, Stadtradeln und „praktizierte Kostenwahrheit“: Vorstellungen der Montagsrunde zur künftigen Mobilität in Neu-Isenburg.

Tramprovisorium, Stadtradeln und mehr: Die Montagsrunde hat anlässlich der europaweiten Woche der Mobilität die Verkehrspolitik in Isenburg unter die Lupe genommen und ihre Befürchtungen und aus ihrer Sicht erstrebenswerte Perspektiven zum Thema zu Papier gebracht. Per Pressemitteilung verweist Werner Geiß als Sprecher des Arbeitskreises, dessen Mitglieder sich als Stellwerker für Politikentwicklung sehen, zudem auf die Vorstellungen der Runde zur künftigen Mobilität. .

„Viele Wochen mussten Isenburger Pendler ganz auf die Tram nach Frankfurt verzichten, nun rollt sie wieder, auf sanierten Gleisen; aber nur bis unter die Autobahnbrücke“, schreibt Geiß. Offensichtlich könne sich jedoch nicht jeder „an das fragwürdige Ambiente unter der Brücke und den mühsamen Weg dorthin“ gewöhnen. Dies schließt die Runde aus der Beobachtung, „dass die Bahnen eher gering besetzt sind“. Auf die gewohnte Endhaltestelle müssten die Fahrgäste noch eine Weile warten, denn die aufwendige Erneuerung der Wendeschleife brauche Zeit.

Dass viele Isenburger derzeit bei der Stadtradel-Premiere mit in die Pedale treten, begrüßt die Runde. Allerdings müssten weniger robuste Radler nun die Erfahrung machen, „dass es Nerven kostet, sich im dominanten Isenburger Autoverkehr zu behaupten“, so Geiß. „An kritischen Stellen neigen manche zur Flucht auf den Gehweg. Viele Ampelstopps, die doch nur dem Autoverkehr geschuldet sind, machen den Vorteil des an sich wendigen Radverkehrs zunichte.“

Begrenzte Stadtentwicklung?

Die Montagsrunde, die 1997 aus einem Arbeitskreis der Grünen hervorging, wertet die Sanierung der Tram und die Radler-Initiative als deutliche Zeichen für die Bemühungen um ein regionales Verkehrskonzept. „Solange aber der rollende und ruhende Autoverkehr die Mobilität und das Stadtbild derart prägen, ist das Potenzial der Stadtentwicklung begrenzt“, fürchten sie. „Nur ein geschlossenes Straßenbahnnetz, das alle relevanten Verkehrsströme erfasst, kann die Grundlast des Verkehrs vom Auto übernehmen und damit zugleich die nötigen Freiräume fürs innerstädtische Radeln schaffen.“ Derzeitige Autoverkehrsadern könnte man ihrer Meinung nach dann „zu ansprechenden Boulevards“ umwandeln.

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Auch die Diskussion über eine Tram durch die Frankfurter Straße und bis nach Dreieich will die Runde wieder ins Rollen bringen – als langfristige Perspektive. „Die hervorragend sanierte Strecke, auf der demnächst die Tramlinie 17 in kurzer Fahrzeit den Frankfurter Hauptbahnhof erreichen wird, bietet nun wahrhaftig mehr Kapazität, als die heutige, außerhalb der Stadt gelegene Endhaltestelle erschließen kann. Die Investitionen lohnen erst wirklich, wenn die Linie mindestens bis zum IZ geführt und dort mit der künftigen Regiotram Westtangente verknüpft wird“, so Geiß. „Aber erst mit der Verlängerung beider Strecken würden alle heutigen und künftigen Quartiere ausreichend bedient: die künftige Tramlinie 17 bis Dreieich, um das Gewerbegebiet Mitte und das neue Südquartier zu erschließen; die Westtangente bis zum Gewerbegebiet Ost, wovon auch Bewohner des künftigen Birkengewann profitieren könnten.“

Hoher Bestand an Pkws

Geiß fürchtet jedoch, dass die aufwändig sanierte Wendeschleife als Zeichen gegen eine baldige Weiterführung der Tram zu werten sei. Schon vor einiger Zeit habe die Montagsrunde den zuständigen Behörden vorgeschlagen, auf die Schleife und damit verbundene Kosten zu verzichten und stattdessen das Gleisbild für eine Weiterführung vorzubereiten. Als Antwort habe man zu hören bekommen, Schleife wie Gleisumbau wären nicht sehr kostspielig. „Angesichts der sehr umfangreichen Arbeiten an der Endhaltestelle – ohne bislang absehbares Ende – mag man daran zweifeln“, so die Runde.

Sie bringt eine weitere Forderung ins Spiel: „Grundsätzlich sollte ein Verkehrskonzept auch die Finanzierung einschließen.“ Der Bau von Tramlinien sei zweifellos kostspielig; dies gelte aber auch für die Bereitstellung des öffentlichen Raumes für rollenden und ruhenden Autoverkehr. Isenburg habe einen vergleichsweise hohen Bestand an Pkw, „der überwiegend gratis auf öffentlichen Straßen, Plätzen und Gehwegen untergebracht ist“. Am Rande des Mobilitätsforums Kreis Offenbach sei auf den Schweizer Brauch verwiesen worden, Gebühren für das Parken auf öffentlichem Grund zu erheben – insbesondere fürs Anwohnerparken. Die Montagsrunde könnte sich „eine Anrechnung der Gebühr auf ein Tram-Abonnement“ vorstellen. „Solch praktizierte Kostenwahrheit im Verkehr dürfte sicher eine günstigere Mobilitätsstruktur bewirken: Autofahren und Parken wäre teurer, Bus und Bahn daher besser ausgelastet und weniger defizitär. Und es gäbe mehr Platz für Fußgänger und Radler“, so Geiß.

hov

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