Motiv-Krawatte und Etikette

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Matthias Politycki bei seiner Lesung.

Neu-Isenburg - (nb) Auf eine Reise mit einem Kreuzfahrtschiff ganz ohne die Gefahr von Piratenüberfällen und die Unannehmlichkeiten einer Seekrankheit haben sich zahlreiche Zuhörer bei einer Lesung in der Stadtbibliothek vom Schriftsteller Matthias Politycki entführen lassen.

„In 180 Tagen um die Welt“ heißt das Buch des Autors, der zwar noch nie in Neu-Isenburg eine Lesung veranstaltete, eigener Aussage zufolge aber trotzdem einen Bezug zur Hugenottenstadt hat, da ein ehemaliger Lektor aus Neu-Isenburg kam.

Zu der „Lesung mit Seegang“ hatten die Stadtbibliothek und der Verein für Geschichte, Heimatpflege und Kultur (GHK) zum Jahresauftakt eingeladen. Der Andrang war so groß, dass noch zusätzliche Sitzgelegenheiten organisiert werden mussten.

GHK-Vorsitzender und Erster Stadtrat Herbert Hunkel verweist zu Beginn auf die „erfreuliche Nachricht“, dass die Ausleihzahlen der Bibliothek im vergangenen Jahr um 4,5 Prozent gestiegen sind und die Besucherzahlen gar um 20 Prozent zunahmen. Auch die Zahl der GHK-Mitglieder sei erfreulicherweise gestiegen; und die dritte gute Nachricht sei, dass man an diesem Abend den renommierten Autor Politycki begrüßen dürfe.

Dieser hat sich für seine Geschichte von einer tatsächlichen Kreuzfahrt inspirieren lassen. Er betont aber, dass es „nicht autobiografisch“ sei: „Es ist kein Tatsachenroman, eher das Gegenteil davon.“

Allerdings seien einige Begebenheiten, Personen oder andere Details der Reise entnommen, überspitzt dargestellt oder karikiert. Man müsse „immer mit einem zwinkernden Auge zuhören. Es ist alles erstunken und erlogen, mit einem Körnchen Wahrheit.“

Anschaulich und abwechslungsreich liest Politycki die Geschichte von Johann Gottlieb Fichtl vor - ein Beamter beim Finanzamt München („Da habe ich jahrelang meine Steuererklärung abgegeben“), der mit seiner Tippgemeinschaft die Kreuzfahrt gewinnt und ausgelost wird, diese anzutreten. Bedingung ist, dass er ausführlich ein Bord-Tagebuch schreibt, um den anderen Mitgliedern der Tippgemeinschaft von der Reise zu erzählen.

Mit seinen Motiv-Krawatten und einer Kleider-Ausstattung, die nicht immer der strengen Etikette eines Luxusdampfers entspricht, „macht er nicht ganz die Figur, die man auf einem Kreuzfahrtschiff macht.“

Von allerlei absurden Reisedetails wie begehbaren Kleiderschränken, als Latenight-Snack getarnten Currywürsten und der Benimm-Fibel für Deck   4 weiß Johann Gottlieb Fichtl in seinem „Logbuch“ zu berichten.

„Wer so daneben ist, muss ein ganz großer sein“, so Matthias Politycki über seinen Helden. Die Zuhörer bekommen einen Einblick in die Fachgespräche über das beste Rezept bei Seekrankheit: Wasser, Brandy, Kaffee, gar nichts zu sich nehmen oder Bananen, „denn die kratzen nicht beim Kotzen“.

Jutta Duchmann, Leiterin der Stadtbibliothek, zeigte sich zufrieden mit der Resonanz: „Es waren mehr Leute da als erwartet und alle waren begeistert. Viele haben nach der Lesung auch das Buch gekauft.“ „Mir gefällt das Buch jetzt noch einmal so gut, nachdem er daraus vorgelesen hat, denn die Lesung war sehr lebendig moderiert“, freut sich Jutta Duchmann.

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