„Die schwebende Jungfrau“

Herrliche Heulsusen

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Sehenswerte Mimen auf der Huha-Bühne, allen voran Thorsten Wszolek (links) als Profi-Fremdgeher Hugo Masselbach.

Neu-Isenburg - Gelogen und gelacht, was das Zeug hält, wurde am Wochenende in der Huha: Thorsten Wszolek ist seiner Linie treu geblieben.

Heißt: Mit jedem Stück, das er mit dem Mund-Art-Theater auf die Bühne bringt, eine Steigerung der Angriffe auf die Lachmuskulatur seiner Fans. Da macht die „Schwebende Jungfrau“ keine Ausnahme.  Seit 20 Jahren unterhält das Ensemble mit seinem Gründer und Intendanten Wszolek nun die Zuschauer, und wenn das diesmal gewählte Stück auch nicht unbedingt Neuland ist, was die Bühnenpräsentation betrifft, so ist Wszoleks Fassung doch einmalig. Nicht nur, dass der kreative Bühnenartist das ganze Stück „uff hessisch“ offenbart, vielmehr ist es auch die Natürlichkeit der mitwirkenden Schauspieler, die die Geschichte aufblühen lässt. „Ei des könnt´ ja aach bei uns Dehaam sei“, entfährt es da auch mal einer Zuschauerin. „Ich maan im Prinzip“, fügt die Frau schnell hinzu, um bloß keinen Bezug zum Inhalt herzustellen. Denn die verworrenen Fäden der Handlung spinnen sich ums Fremdgehen und ums Lügen und so. Im Mittelpunkt steht Profi-Fremdgeher Hugo Masselbach, dessen Rolle Wszolek denn auch gleich selbst übernimmt. In den Augen seiner Frau Ida (Gisela Wolf) gilt er als Mustergatte. Um die tragende Rolle, die vom Regisseur und Arrangeur in gewohnter Perfektion repräsentiert wird, scharen sich Laienschauspieler, die in ihren Rollen förmlich aufgehen. Da ist allen voran Therese Stegmann, Ida´s Schwester, zu nennen, die von Corinna Weiß verkörpert wird.

Wer sie aus dem persönlichen Umfeld kennt, der kann sich nur über die Wandlungsfähigkeit wundern. Aus der jungen und immer fröhlich-netten Frau von nebenan ist eine Dame geworden, die alle Facetten einer strengen Herrscherin auf die Bühne bringt. Ihre Erregtheit über das Treiben ihres Mannes ist bis in die letzten Reihen des Publikums zu spüren. Überraschend schnell hat sich auch ihr Bruder Tobias Weiß ins Ensemble eingelebt, sein Auftritt als „Schwieschersohn“ überzeugt. Dies trifft auch auf Simone Lindenberger zu, die mit Leichtigkeit die Tochter der Hausherrn spielt. Theodor Stegmann, der von Horst Becker gespielt wird, begeistert ebenfalls. Wie köstlich umgesetzt die Situation, als er bei seinem „Häschen“ um Vergebung bitten will und einen Strauß Mohrrüben überreicht. Noch ein Höhepunkt: Der Heulsusenauftritt des Männertrios Thorsten Wszolek, Tobias Weiß und Horst Becker. Eine Crash-Rolle hat Karl-Heinz Müller übernommen, der den erkrankten Fritz Lorz als Detektiv von Pieskow nicht nur vertritt, sondern auch recht gut darstellt. Und Stefanie Hehn überzeugt als mondäne Varieté-Künstlerin Sonja Grabowska – die schwebende Jungfrau in einem Hamburger Etablissement – sowieso.

Theater Total im Gewächshaus

„Theater Total“ im Gewächshaus

Bleibt noch der Hingucker-Auftritt von Fritz Himmighofen als „Nescherpoxer“ und eifersüchtiger Liebhaber der Grabowska. Zuerst macht er Stegmann beinahe zu Hackfleisch, dann bringt er Licht ins Dunkel des Verwirrspiels. Wie schön, als sich am Ende alle Paare reumütig in die Arme fallen und erkennen, selbst nicht fehlerfrei zu sein. „Das war wieder klasse, man braucht sich keine großen Gedanken zu machen und Thorsten Wszolek ist es wieder gelungen, mit seinen Mitspielern eine tolle Show zu liefern“, spricht Maria Sator-Marx für viele Zuschauer.

(lfp)

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