Planung von Großprojekten in Neu-Isenburg

NABU Neu-Isenburg will Lobby für die Natur stärken

Bei der RTW-Planung gilt es unter anderem zu verhindern, dass ein Schottergleis durch die Wohnbebauung umgesetzt wird.
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Bei der RTW-Planung gilt es unter anderem zu verhindern, dass ein Schottergleis durch die Wohnbebauung umgesetzt wird.

Die NABU-Ortsgruppe Neu-Isenburg hat sich auf vielfältige Art und Weise für die Natur stark gemacht. Das geht aus dem Jahresbericht hervor.

Neu-Isenburg – Zwar hat die Corona-Pandemie auch die Arbeit und geplante Aktivitäten von Neu-Isenburgs NABU-Ortsgruppe ausgebremst. Insbesondere der ausgefallene Tag der offenen Tür auf dem Gelände des DLB habe gefehlt als wichtiger Ort, um die Naturschutz-Arbeit „publikumsnah“ einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Dennoch waren die Aktiven natürlich nicht untätig und brachten sich wieder in vielfältiger Weise in den Naturschutz ein. Das ist dem vom Vorsitzenden Heinz Kapp nun vorgelegten Jahresbericht zu entnehmen. Dieser erzählt unter anderem von den Bemühungen der Naturschützer, in der stark wachsenden Hugenottenstadt möglichst viel sinnvolles Grün sicherzustellen.

Mit der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft Gewobau beispielsweise habe man die gute Zusammenarbeit auch 2020 fortsetzen können, berichtet Kapp – immer wieder werden Nistmöglichkeiten geschaffen. „Vor dem Abriss von der Gewobau gehörenden Gebäuden im Stadtquartier Süd wurden alle möglichen Brutnischen verschlossen, damit man auch in der Brutsaison mit der Beseitigung beginnen konnte“, erklärt Kapp ein besonderes Beispiel. Ersatzweise hat der NABU mit der Gewobau 20 Nistmöglichkeiten an Gebäuden geschaffen, die bestehen bleiben, damit der Vogel- und Fledermausbestand erhalten bleibt. Ein sehr seltenes Vorkommen des Heldbock-Käfers wurde umgesiedelt. „Wir begrüßen besonders die Bemühungen, mehr einheimische Stauden zu pflanzen und Blumenwiesenflächen zu schaffen“, betont der NABU. „Das geht langsam, aber es sollen Erfahrungen gesammelt und keine Ablehnung bei recht ordnungs-liebenden Mietern provoziert werden“, beschreibt Heinz Kapp die angestrebte Balance von Naturschutz-Vorhaben und deren Akzeptanz. So wurde auf so mancher Rasenfläche von Gewo-Gebäuden eine Blumenwiese angelegt, deren Bewuchs zwar „wie Unkrautflora“ für manche Bewohner aussehen mag, jedoch wertvolle Blütenpflanzen für Insekten enthält. Auch auf städtischen Flächen, wie entlang der Carl-Ulrich-Straße oder im Sportpark, wurden solche Insektenoasen angelegt.

Zwischen den Häuserreihen der Gewobau am Calvinplatz wächst „wilde Natur“: Die Anlage von Blumenwiesen soll helfen, Lebensraum für Bienen, Hummeln, Käfer, Schmetterlinge und manche Vogelarten zu schaffen.

Ein großes Lob für die Aufgeschlossenheit gegenüber Umweltfragen zollt Heinz Kapp dem Stadtoberhaupt Herbert Hunkel, aber auch den Stadt-Biologen Markus Bucher und Hildegard Dombrowe. Letztere ist zum Jahresende in den Ruhestand gewechselt. Überhaupt sei die Zusammenarbeit mit der Stadt „wieder gut und vielseitig, wenn auch sehr ausgebremst durch die Corona-Einschränkungen“ gewesen.

Besonders erfreulich ist für die NABU-Ortsgruppe, dass man eine Herzensangelegenheit nun erfolgreich abschließen konnte: In der Arbeitsgruppe Umwelt haben wir ja schon immer für die Baumschutzsatzung und gegen das vorher geltende kosten- und arbeitsaufwändige Baumschutzkataster plädiert. Das ist jetzt erreicht“, freut sich Kapp. Im Februar 2020 beschloss das Stadtparlament die Änderung.

Als Umweltverband in der AG Umwelt habe der NABU sich bei den Planungen zum Standquartier Süd eingebracht und Anregungen und Bedenken zu den Planungen der Regionaltangente West abgegeben. „Hier gilt es unter anderem zu verhindern, dass ein Schottergleis durch die Wohnbebauung umgesetzt wird“, betont der NABU. „Wir fordern ein bewachsenes Gleis, das die Geräusche dämpft.“ Zudem wünschen sich Kapp und seine Mitstreiter „eine substanzielle Eingrünung der Frankfurter Straße. Weil der Raum eng ist, eben mit vertikaler Begrünung gegebenenfalls im Privatbereich gefördert. Wählt man Kletterpflanzen, die eine Rankhilfe benötigen, kann man das Grün in unerwünschten Bereichen begrenzen.“

Dem Dienstleistungsbetrieb verdanke der NABU immer wieder konkrete Hilfe, vor allem in der technischen Umsetzung von Amphibienzäunen. „Und wir danken insbesondere Christiane Dröll für ihre Unterstützung um unsere Naturoase“, so Kapp.

Überhaupt freuen sich die Naturschützer besonders über die Entwicklung der Naturoase, welche 2017 auf einer Fläche der Stadtwerke an der Ecke Dornhof- und Odenwaldstraße eingerichtet wurde. Diese sei zu einem Ort geworden, den Menschen – etwa jene aus den umliegenden Büros in der sommerlichen Mittagspause – und Tiere gleichermaßen genießen. „Wichtig war es uns, für die Vögel Brut- und Singplätze und Versteckmöglichkeiten zu schaffen, sowie Wasser und Futterpflanzen anzubieten. Vielfältige Strukturen, heimische Bepflanzung und gerade ein bisschen Unordnung sind beste Voraussetzungen, um vielen Tieren ein Zuhause zu bieten, auch wenn das manche Bürger nicht sofort verstehen. Es ist bei den erschreckend abnehmenden Insekten- und Vogelzahlen dringend notwendig“, betont Kapp. Die Hauptpflege der Naturoase obliegt jetzt dem DLB, aber insbesondere Inge Böhm kümmere sich zusätzlich um die Fläche.

Immer wiederkehrende Aufgaben der Naturschützer im Jahresablauf sind Pflegemaßnahmen am Gehspitzweiher und anderen unter besonderem Schutz stehende Flächen der Hugenottenstadt. Aber auch die Frühjahrswanderung der Amphibien stellt die Naturschützer alljährlich vor eine Herausforderung, wenn sie – meist frühmorgens – die Frösche, Kröten und Lurche an den Amphibienschutzzäunen einsammeln und zu ihren angestammten Laichgebieten bringen. Trotz Corona müssen solche Arbeiten auch 2021 übernommen werden.

Was die heimische Vogelwelt betrifft, freut sich Heinz Kapp vor allem über mehrere Brutpaare von Falken und über gar zwei Sperber-Paare in der Stadt. „Im Volksmund Spatzenhabicht genannt, jagen Sperber insbesondere kranke und schwache Kleinvögel, aber auch kleine Säuger. So können sich Krankheiten wie das, besonders letztes Jahr, Blaumeisen befallende Bakterium Suttonella ornithocola, nicht so stark ausbreiten“, erklärt Kapp. Die Sperber segeln in zweifacher Haushöhe und schlagen wie ein Blitz zu. Genauso schnell sind sie wieder weg. „Zuletzt bekamen wir die Meldung von einem Sperber, der eine Ratte geschlagen und verzehrt hat“, bestätigt der Naturschützer.

Heinz Kapp NABU-Vorsitzender

Bei den Bemühungen vor Ort freut sich der NABU für 2021 unter anderem auf die Umsetzung des Projekts „Naschgärten und Foto-Nistkästen“ für Isenburger Kitas. Möglich macht dies, wie berichtet, auch eine 5000-Euro-Spende des Energieversorgers Eprimo.

Mit dem Infoschreiben zum Jahresbericht hofft der NABU auch, neue Mitstreiter zum Mitmachen anzuregen. Was die Planungen für 2021 betrifft, stehen die Termine teils noch unter Corona-Vorbehalt. Bereits angesetzt ist aber für Samstag, 13. Februar, ein Pflegeeinsatz im Naturschutzgebiet Gehspitzweiher, und für Sonntag, 16. Mai, eine vogelkundliche Führung in der Feldgemarkung Baierhansenwiesen, die die Isenburger gemeinsam mit Sprendlinger Engagierten organisieren. Außerdem hofft der NABU, dass der Tag der offenen Tür beim DLB am Sonntag vor Muttertag, 8. Mai, stattfinden kann. (lfp)

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