Notizbuch der Woche

Kommentar: Auf in die nächste Runde

Ring frei! Der Kampf ums Hallenbad ist eröffnet. Die Kontrahenten haben ihre Positionen deutlich dargelegt und auch schon den einen oder anderen Seitenhieb auf den Gegner losgelassen. Von Katrin Diel

Die FDP ist als erstes in den Ring gestiegen und hat ihre Vorschläge bereits bei den Diskussionen zum Nachtragshaushalt 2009 ins Spiel gebracht: Auf die Sanierung des Hallenbads verzichten, stattdessen ein finanziell günstigeres überdachtes Trainingsbecken im Freibad bauen, kombiniert mit einer Zusammenarbeit mit Dreieich. „Interkommunal“ lautet das Stichwort. Erster Stadtrat Herbert Hunkel (parteilos), als sparsamer und vorsichtiger Kämmerer bekannt, will die Sanierung aufgrund der schwierigen finanziellen Lage lieber noch etwas aufschieben und hat dafür im Haushaltsentwurf 2010/2011 keine Mittel veranschlagt. Das fordert den CDU-Stadtrat und Sportdezernenten Theo Wershoven heraus, der für eine möglichst baldige Sanierung des maroden Bades eintritt. Ihm folgt die SPD in den Ring und holt sogar noch ein bisschen weiter aus, will für eine „große Lösung“ mit Sauna und Rutschen streiten. Rückendeckung für Wershoven kommt auch von den Grünen, die zur Bekräftigung ihres Standpunkts eine detaillierte Mängelliste aufgestellt haben. Daraufhin rüstet sich die FDP erneut zum Gegenschlag gegen das „Renovierungstriumvirat“.

Sicherlich kein besonders populärer Vorschlag

Wer den Kampf für sich entscheidet, ist offen. Die nächste Runde wird mit den Haushaltsberatungen im Februar eröffnet. Ob die FDP diese mit ihrer Position für sich entscheiden kann, scheint fraglich. Aber ist der Vorstoß für eine interkommunale Zusammenarbeit und ein gemeinsames Betreibermodell wirklich so „absurd“, wie von der SPD dargestellt? Dieser Weg wird mittlerweile auch an anderen Stellen beschritten, beispielsweise vom Friedhofszweckverband oder vom Dienstleistungsbetrieb. Und ist es von den Isenburgern wirklich zuviel verlangt, den etwas weiteren Weg ins benachbarte Sprendlingen auf sich zu nehmen? Die Offenthaler oder Buchschlager haben es auch nicht näher. Und für jene Bürger, die nicht mobil sind, ließe sich eine Buslinie einrichten.

Das ist sicherlich kein besonders populärer Vorschlag. Die Dreieicher sind für den Erhalt ihres Freibades seinerzeit zum Protestieren auf die Straße gegangen. Aber falls diese Lösung im Endeffekt tatsächlich zu einer erheblichen finanziellen Einsparung führen sollte, muss es zumindest erlaubt sein, über eine solche Möglichkeit nachzudenken. Die Frage ist, ob in Zeiten knapper werdender Kassen tatsächlich jede Kommune im Kreis Offenbach ihr eigenes Frei- und Hallenbad braucht. Vielleicht ist das ein Luxus, den man sich in Zukunft nicht mehr unbedingt leisten kann und sich vielleicht auch nicht unbedingt leisten muss.

Rubriklistenbild: © op-online

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare