In Politik und Verein engagiert

Maria Sator-Marx: Achtfach-Oma mit unendlich viel Energie

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Ein seltener Moment der Ruhe: Maria Sator-Marx strickend am heimischen Terrassentisch. Es wird ein Eintracht-Jäckchen für das Kind von Freunden. Heute feiert die engagierte Jubilarin im Kreis der Familie.

Was verbindet Maria Sator-Marx mit der großen 70? „Eigentlich nur ein Wort: alt!“, sagt die engagierte Kommunalpolitikerin und muss dann selbst lachen. Heute feiert sie diesen runden Geburtstag – anders als geplant – nicht mit einer großen Küchen- und Gartenparty.

Neu-Isenburg – Sondern aufgrund der Corona-Krise nur zu siebt, mit ihrem Mann Günther und ihrer Tochter und deren Familie, die alle unter einem Dach leben. „Die gute Marx’sche Grüne Soße wird es aber wie geplant geben“, kündigt Maria Sator-Marx an.

Und nein – alt ist die Jubilarin ganz und gar nicht. „Ok, ein neuer Versuch mit der 70: Die Hälfte dieser Zeit bin ich Mitglied im Neu-Isenburger Stadtparlament und gehöre damit, was die Nachhaltigkeit des dort Sitzens und auch die Jahre, die ich zum Inventar gehöre, betrifft, zu den ausdauerndsten Vertretern“, berichtet sie mit einem Augenzwinkern.

Die Politik, natürlich insbesondere die grüne Politik, begleitet Sator-Marx mehr als die Hälfte ihres Lebens. Wie bei so vielen Menschen in der Region war es die Startbahn West, die sie einst dazu brachte, sich für die Region und ihre Menschen politisch zu engagieren. Seit 1981 lebt die gebürtige Offenbacherin in der Hugenottenstadt und trat gleich bei den Grünen ein. Schnell hat sie sich heimisch gefühlt: „Und nicht erst in der Politik habe ich gemerkt, dass diese Stadt etwas Besonderes ist. Das spüre ich bis heute in der parlamentarischen Arbeit. Wir haben eine gute Kultur des miteinander Umgehens, wir können uns in der Sache gut streiten und können, obwohl wir alle sehr genau wissen, warum wir in der jeweiligen Partei sind, gute Kompromisse finden“, sagt die Kommunalpolitikerin.

Das habe, das ist ihr durchaus bewusst, auch mit der guten wirtschaftlichen Situation von Neu-Isenburg zu tun. Die Politik hat aufgrund der guten finanziellen Ressourcen die Option, auch weiche Faktoren entscheidend mit zu beeinflussen. Sator-Marx ist stolz, einige Entwicklungen selbst mit angestoßen zu haben: „Das ist der ganze Finanzierungsschlüssel zur U3-Betreuung, das flächendeckende Tempo 30, das Radfahren entgegen der Einbahnstraße oder die Wohnbebauung im Stadtquartier Süd“, zählt die Kommunalpolitikerin auf. Eine Ausgabe des „Grünen Blättchens“ aus dem April 1990 beweist, dass sie schon damals von der Straßenbahn bis Dreieich sprach. „Manchmal braucht es Geduld, die dicken Bretter zu bohren“, räumt sie ein, „Ich weiß auch noch genau, als es hieß, die RTW fährt 2010 und ich dachte: Mein Gott, dann bist du schon 60“, erzählt sie lachend.

Aber genau das ist auch der Grund, warum sie auch mit 70 kein bisschen müde ist, weiter politisch mitzureden: „Ich will noch RTW und Straßenbahn fahren.“ Auch im Kreistag ist Sator-Marx aktiv, saß ab 1994 sogar eine Legislaturperiode für ihre Partei im Hessischen Landtag.

Auf eine mögliche Kandidatur als Bürgermeisterin bei der nächsten Wahl im Jahr 2021 angesprochen, reagiert sie erst mit Zurückhaltung. „Nein, das schließe ich aus“, sagt sie dann schmunzelnd.

Die Isenburgerin ist aber so viel mehr als Politikerin: Ganz oben steht die Familie. Mann Günther, mit dem sie seit 36 Jahre verheiratet ist, die vier Kinder (drei Söhne, eine Tochter) und seit Sonntag auch acht Enkelkinder (fünf Mädchen, drei Buben) plus Familienhund Ante (benannt nach Eintracht-Stürmer Ante Rebic).

Das jüngste Familienmitglied konnte sie bislang nur über eine Videoschalte bewundern. „Aber bestimmt können wir sie bald persönlich kennenlernen“, hofft die frisch gebackene Achtfach-Oma.

Sator-Marx war 45 Jahre im Schuldienst, als Sonderschulpädagogin zuletzt Schulleiterin der Wallschule in Frankfurt und hat auch im Staatlichen Schulamt entscheidend dazu beigetragen, dass die Weichen von einer Schule als reine Wissensvermittlung hin zu einem Lern- und Lebensort für Kinder gestellt werden. Seit sie 2016 in Pension ging, kümmert sie sich in Isenburg um die Organisation der Speisekammer in St. Josef: „Eine sehr erfüllende Arbeit. Und außer der Tatsache, dass wir etwas sehr sinnvolles tun, wenn wir Menschen mit Lebensmitteln versorgen, ist es auch toll, in einem Team von 40 Ehrenamtlichen zu arbeiten und es zusammenzuhalten.“ Sie bedankt sich auch für die Unterstützung von den Lebensmittelhändlern, den Isenburger Firmen, die großzügig spenden – und von der Verwaltung, die helfe, wo sie kann.

Wenn denn neben Politik und den anderen Ehrenämtern noch Zeit ist, liebt es Sator-Marx, ein gutes Buch zu lesen, mit ihrem Ehemann regelmäßig zu tanzen, im Garten zu arbeiten – und am allerliebsten geht sie auf Reisen mit dem familieneigenen Wohnmobil. Mit den Enkeln nach Italien, an einen italienischen Binnensee, wo sie seit 30 Jahren ihre Ferien verbringen („Das ist wie Zuhause ankommen“), oder auch gerne kürzere Städtetrips.

„Ich habe auch noch ganz viel vor“, kündigt das Geburtstagskind an: „Politik, mit meinem Mann verreisen, gesund bleiben und Zeit mit der Familie und unserem großen Freundeskreis verbringen. Ich freue mich drauf.“

Nein, alt ist Maria Sator-Marx wirklich noch kein bisschen.

VON NICOLE JOST

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