Filmfans fahren aufs Autokino ab

Das Autokino in Neu-Isenburg darf wieder öffnen - Erster Abend war sofort ausverkauft

In Zeiten des Coronavirus ist das Autokino eine beliebte Alternative. In Neu-Isenburg war die Vorstellung am Montag ausverkauft.

  • Das Autokino in Neu-Isenburg öffnet wieder
  • Wegen des Coronavirus gelten auch im Autokino strenge Regeln
  • Das Autokino in Neu-Isenburg war für vier Wochen geschlossen

Neu-Isenburg – Nach einem knappen Monat unfreiwilliger Pause öffnet das Autokino Gravenbruch wieder – natürlich unter Auflagen. Dass die Menschen sich auf die Wiedereröffnung als eine willkommene Abwechslung freuen, zeigt folgende Nachricht: Schon am Mittag ist der Montagabend ausverkauft. Das freut Heiko Desch natürlich. Der Theaterleiter macht indes keinen Hehl daraus, dass er sich über die lange Dauer der Schließung ärgert, „die Stadt Neu-Isenburg ging auf unsere Hinweise und Vorschläge mit keinem Wort ein. Man verwies nur auf die Corona-Verordnung des Landes“.

Desch hatte der Stadt nach eigener Auskunft schon von Anfang an vorgeschlagen, was nun seit gestern gilt: Eine Abendkasse gibt es nicht. Mit Frei- und Zehnerkarten kommt zur Zeit niemand rein. Elektronische Tickets werden bei geschlossenem Autofenster gescannt. Im Auto dürfen nur zwei Erwachsene sitzen – es sei denn, es handelt sich um eine Familie, wenn die zwei eigenen Kinder klar erkennbar unter 14 Jahre alt sind. Außerdem verkaufe man übers Internet nur maximal ein Viertel des sonstigen Kontingents.

Neu-Isenburg: Im Autokino droht keine Corona-Gefahr

Und noch ein paar Dinge sind vorübergehend anders. Normalerweise verleiht das Autokino Heizlüfter oder Ersatzradios für jene, die kein Autoradio haben, über das sich der Ton empfangen lässt. Dieser Service fällt derzeit weg – wie alles, was Menschen irgendwie miteinander in virologisch relevanten Kontakt bringen könnte. So ist auch die Snackbar vorerst geschlossen; Knabbereien sollte man also derzeit von daheim mitbringen. Bleib die Toilettenfrage. Desch betont, hier achte ein Wachmann darauf, dass sich möglichst nur eine Person im WC-Haus aufhält, nie mehr als zwei.

„Drive In“ aus Starnberg betreibt neben dem ältesten deutschen Autokino in Gravenbruch, dessen 60. Geburtstagsfeier vor kurzem der Krise zum Opfer fiel (wir haben berichtet), unter anderen Dependancen in Essen und Kornwestheim. „Das eine hatte nur drei Tage zu, das andere nur zwei“, erklärt Heiko Desch. Die dortigen Behörden hätten verstanden, dass es im Autokino zur Zeit nicht nur weit ungefährlicher zugehe als im Supermarkt, sondern die Ansteckungsgefahr auch viel geringer sei als auf einem Autobahnparkplatz, „dort fahren die Leute vor, um auszusteigen, bei uns, um sitzen zu bleiben“. Unter den Umständen liege die Wahrscheinlichkeit, sich in einem Autokino draußen anzustecken, nach allem, was Wissenschaftler erzählten, quasi bei Null.

Neu-Isenburg: Vorstellung im Autokino schnell ausverkauft

Desch ärgert sich, dass er bei der Stadt wie gegen eine Mauer gelaufen sei, „ich hätte mich argumentativ ja gerne überzeugen lassen, da kam aber nichts“. Niemand habe sich die Zeit nehmen wollen, um sich das Konzept vor Ort erklären zu lassen, „eine moderne Behörde darf so nicht reagieren“.

An den anderen Standorten habe man beobachten können, wie diszipliniert sich die Besucher an die Weisungen des Personals hielten, „da turnt niemand draußen herum“. Als Beispiel nennt der Theaterleiter das Autokino in Köln-Porz, wo am Samstag kein Film lief. Stattdessen spielte die beliebte Kölner Mundart-Band Brings. Die sechs Jungs standen mit ausreichend Abstand auf der Bühne, gaben über anderthalb Stunden ein Konzert, das der WDR übertrug. Man habe fast damit gerechnet, dass die Leute nach der letzten Nummer aussteigen, um Zugabe zu fordern und die Band zu beklatschen, „aber es passierte nichts dergleichen, alle blieben in ihren Autos sitzen“.

Die erste Vorstellung in Gravenbruch nach der Pause war nach sehr kurzer Zeit schon ausverkauft. Auf dem Programm im „Drive In“ stand gestern um 21.15 Uhr „Nightlife“ mit Elyas M’Barek, Palina Rojinski und Frederick Lau. Heute Abend gibt es zur gleichen Zeit „Die Känguru-Chroniken“.

VON STEFAN MANGOLD

In der Corona-Krise sind Autokinos die letzte Bastion der Unterhaltungsindustrie: Nach Angaben der Bundesnetzagentur gibt es derzeit so viele Anträge auf die Erteilung entsprechender Frequenzen wie nie zuvor. 

Derweil haben die Azubis des Kempinski-Hotels in Gravenbruch mit einer Idee in der Corona-Krise einen Volltreffer gelandet: Sie bieten ab sofort einen Drive-Through für Eiskugeln an. 

Rubriklistenbild: © picture alliance/Andreas Arnold/dpa

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