Planungsbüro sucht nach Lösungen

Begehrte Parkplätze: Angespannte Situation in Gravenbruch

+
Die Parksituation in der nächtlichen Meisenstraße erkundeten Patricia R. Baumeister (links) und Katalin Saary (Planungsbüro Büro Mobilitätslösung). Beide waren zu verschiedenen Zeiten in Gravenbruch unterwegs. 

Begehrte Parkplätze in Neu-Isenburg: Die angespannte Situation in Gravenbruch lässt das Planungsbüro aktiv werden.

Neu-Isenburg – Es ist schon dämmerig, die meisten Bewohner von Gravenbruch sind in ihren Häusern und Wohnungen. Zwei Frauen gehen durch die Straßen, werfen prüfende Blicken über Zäune und notieren Zahlen.

Es sind die Verkehrsplanerin Katalin Saary und Patricia R. Baumeister, Studentin an der Hochschule Rhein-Main in Wiesbaden, die auf diesem Gebiet ihre Masterarbeit schreiben will. Doch nicht nur abends, sondern auch in den Morgenstunden und am Nachmittag gingen die beiden durch die Straßen und hielten ihre Beobachtungen fest. „Nur so gibt es eine realistische Einschätzung vom zur Verfügung stehenden Parkraum, wie dieser genutzt wird – und auch von wem“, erläutert Saary im Ortsbeirat.

Immer wieder kommt zu Beschwerden der Gravenbrucher, dass kein Parkraum mehr vorhanden ist, aber auch viel zu oft falsch geparkt wird. Zudem sollen in der Siedlung viele Fahrzeuge stehen, die dort nicht hingehören. Deshalb gab die Stadt eine Bestandserhebung in Auftrag. Zudem sollen Vorschläge für Lösungen erarbeitet werden. Das Planungsbüro für Mobilitätslösung um Geschäftsführerin Katalin Saary ist in Neu-Isenburg nicht unbekannt. Saary hatte im Buchenbusch eine Lösung für die ungeliebten „Elterntaxis“ gefunden und auch der Schulwegplan Gravenbruch stammt aus ihrer Feder. Dort gibt seit rund einem Monat eine „Elternhaltestelle“, die jedoch noch nicht so intensiv genutzt wird, wie es wünschenswert wäre.

Gravenbruch wurde in fünf Gebiete aufgeteilt, um mögliche Unterschiede besser erfassen zu können. „Wir haben auch Kennzeichen erfasst, um so die Wechsel der dort zu diesem Zeitpunkt stehen Fahrzeuge dokumentieren zu können“, so die Verkehrsplanerin. In der Bilanz stehen in Gravenbruch 2797 „sichtbare“ Stellplätze zur Verfügung. „Insgesamt dürften es aber rund 4 000 sein. Das ist geschätzt, weil wir nicht die Grundstücke betreten haben und so nicht alle Ecken einsehen konnten, aber auch die Anzahl von Tiefgaragenplätzen nicht genau verifizieren konnten“, erklärt Saary. Die Zahl der Stellplätze wurde mit den Zulassungszahlen verglichen. Diese weisen für Gravenbruch an die 3 500 zugelassene Pkws und weitere 125 Liefer- und Nutzfahrzeuge aus. Nicht immer waren Grundstückbesitzer auskunftsfreudig, von den angeschriebenen 120 Liegenschaftseigentümern kamen nur 20 Antworten zurück.

„Es müsste also noch Platz vorhanden sein“, glaubt Saary angesichts der Zahlen. Aber wieso funktioniert es dann nicht? Die Ursachen seien unterschiedlich. Bei einer Begehung wurden allein 43 Falschparker registriert, da standen Fahrzeuge vor Zufahrten oder an Stellen, wo sie den Verkehr behinderten. In einer ersten Bilanz liest sich das so: Es gibt noch rund vier Prozent freie Plätze, doch um diese zu finden, müssten die Autofahrer das gesamte Gebiet „abklappern“. Es wurde aber auch eine Fehlnutzung von bis zu 22 Prozent festgestellt. In manchen Bereichen wurde gar eine Belegungsquote von 99 Prozent erreicht. „Besonders eng ist es zu jeder Tages- und Nachtzeit um den Dreiherrnsteinplatz“, so Baumeister.

Saary schlug eine weitere Begehung vor, um noch einmal die „Brennpunkte“ zu betrachten. „Wir sind immer noch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen“, bittet die Verkehrsplanerin darum, sich weiter aktiv einzubringen. Als schnelle Lösung ohne großen Aufwand schlägt Saary eine geänderte Parkordnung an manchen Stellen vor. Sie wird in Kürze eine Dokumentation erstellen, in die erste Erkenntnisse eingeflossen sind.

Eine mögliche Lösung konnte der Bau einer großen Tiefgarage mit zwei Parkebenen unter dem Dreiherrnsteinplatz sein. Doch wer wird dort parken, wenn es Geld kostet? Zudem ist ein solches Projekt aus dem Stadtsäckel nicht zu finanzieren.

Ein Workshop zum Thema beginnt, wie berichtet, am Freitag, 1. November, um 18 Uhr im KIZ, Dreiherrnsteinplatz 3. Anmeldungen unter der Telefonnummer 06102 241621, Jana-Alin.Larisch@Stadt-Neu-Isenburg.de. (lfp)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare