Andrea Mansfeld neue Geschäftsführerin

Bestattungskultur im Umbruch

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Die 49-jährige Andrea Mansfeld ist seit Anfang Juli neue Geschäftsführerin des Friedhofszweckverbands, der für die Grabfelder in Neu-Isenburg und Dreieich zuständig ist.

Neu-Isenburg - Der Friedhofszweckverband hat eine neue Chefin: Andrea Mansfeld hat am 1. Juli die Nachfolge des langjährigen Geschäftsführers Peter Viehmann übernommen. Von Barbara Hoven 

Die 49-Jährige will ihr Wirken auch nach den Veränderungen in der Bestattungskultur ausrichten und die acht Friedhöfe in Neu-Isenburg und Dreieich zukunftssicher machen. Unterstützung kommt dabei auch von Neu-Isenburger Naturschützern.
Nicht nur das Leben, auch der Tod ist dem Wandel unterzogen. Oder, genauer: die Bestattungsformen sind es. In einer Zeit, in der sich immer mehr Menschen für alternative Bestattungsformen interessieren, hat nun Andrea Mansfeld ihren Job als neue Geschäftsführerin des Zweckverbands für das Friedhofs- und Bestattungswesen in Neu-Isenburg und Dreieich angetreten. Ihr Vorgänger Peter Viehmann hatte die Geschicke des Verbands mehr als 40 Jahre lang geleitet, bevor er sich nun in den Ruhestand verabschiedete.

Die Naturschützer Oliver Scheufler (links) und Heinz Kapp von der NABU-Ortsgruppe wollen unter anderem mehr Blüten für Bienen und Insekten auf das Waldfriedhof-Areal bringen.

Bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger sei man recht schnell mit Mansfeld im Gespräch übereingekommen, „dass das passen könnte“, erzählt der Verbandsvorsitzende Oliver Gröll. „Wir sind froh, dass wir mit Frau Mansfeld eine kompetente Nachfolgerin gefunden haben, die sowohl über fundierte kaufmännische Kenntnisse verfügt als auch mit den sensiblen Aufgaben des Friedhofszweckverbands bereits vertraut ist.“ Ein großes Dankeschön richten Gröll und Bürgermeister Herbert Hunkel auch an Viehmann, „der mit viel Sachverstand über viele Jahre die Friedhöfe weiterentwickelte und aktuellen Anforderungen anpasste“.

Mansfeld, die jahrelange kaufmännische Erfahrung in der Geschäftsleitung im elterlichen Betrieb gesammelt hat, ist in Isenburg natürlich keine Unbekannte: Nach einer Kinderpause hat die 49-jährige Mutter von zwei inzwischen erwachsenen Kindern seit 2005 zehn Jahre lang im städtischen Fachbereich Sport gearbeitet, bevor sie im Jahr 2015 beim Friedhofszweckverband neue Aufgaben übernahm. Dort war sie zunächst für den Personal- und Buchhaltungsbereich zuständig und wurde gleichzeitig die Stellvertreterin des Geschäftsführers.

Sie freue sich auf die Herausforderungen, die der Posten mit sich bringe, sagt Mansfeld, die sich als Teamplayerin bezeichnet. Ihr Augenmerk liege auf einer guten Zusammenarbeit mit allen Mitarbeitern. Und sie schildert, dass ein Friedhof mehr für sie sei als ein Ort der Trauer: „Er ist auch ein Ort der Erinnerung und ein Ort der Erholung“, erklärt Mansfeld, die unter anderem in dem neuen „Park der Poesie“ (wir haben berichtet) und einer engen Zusammenarbeit mit der NABU-Ortsgruppe einen Weg sieht, der genau in diese Richtung führe.

Wie werde ich Trauerredner/in?

Denn die Friedhöfe seien im Umbruch: In Zeiten, da das klassische Familiengrab immer mehr ausstirbt und es immer mehr Urnen gibt, müsse die Friedhofsverwaltung umdenken. So gebe es etwa immer mehr Freiflächen, die gepflegt werden müssen. „Die Vorhalteflächen, die vor 20 oder 30 Jahren gekauft wurden, werden wohl nicht mehr gebraucht“, so Mansfeld. Also gelte es, auf diese Entwicklung zu reagieren und Wege zu finden, diese Areale „günstig und gut“ zu gestalten und zu pflegen.

Zudem werden Orte wie der idyllisch gelegene Waldfriedhof über die Bestattungen hinaus für viele Leute immer wichtiger auch als ein Ort der Ruhe, „wo sie sich etwas Zeit nehmen, um an Verstorbene zu denken, in Erinnerungen zu schwelgen – eben einen Augenblick der Besinnung finden“, hat Heinz Kapp von der Isenburger Ortsgruppe des Naturschutzbundes (NABU) beobachtet.

Auf entsprechend offene Ohren stieß Oliver Scheufler, der sich ebenfalls aktiv im NABU engagiert, beim Verband mit seinem Vorschlag, auf dem Waldfriedhof Maßnahmen für mehr Artenschutz zu starten. Zu den konkreten Vorschlägen, die die Naturschützer um Scheufler und Kapp machten, gehörte unter anderem das Aufhängen von Nistkästen, die nur alle ein bis zwei Jahre gesäubert werden müssen. „Freibrütende Vögel finden Geäst zum Brüten, aber Höhlenbrüter brauchen morsche alte Bäume“, erklärt Kapp. Da die jedoch in der Regel aus Gründen der Wegesicherung beseitigt werden, um Unfällen vorzubeugen, seien Nist-Hilfen für die Tiere wichtig. Und letztlich brächten mehr Vögel dem Areal auch Vorteile in Sachen Pflanzenschutz: „Neben dichten Hecken, besonders solchen mit Dornen, haben Höhlen erhebliche Bedeutung für die Ansiedlung von Vögeln und sind letztlich biologische Schädlingsbekämpfung.“ Ein Meisenpaar vertilge mit seiner Nachkommenschaft in einem Jahr 75 Kilo lebende Insekten – „das sind locker drei Putzeimer voll“.

Bestattung auf Britisch

Kapp ist froh, dass der Zweckverband „eine stattliche Summe“ von 2000 Euro zur Verfügung gestellt hat, mit dem Geld kann der NABU nun Artenschutzmaßnahmen aufs Gleis setzen. So wurden bereits zu Beginn der Brutsaison erste Nistkästen am Waldfriedhof aufgehängt; insgesamt sollen es 50 verschiedene Nistplätze werden. Darunter sollen etwa elsternsichere Halbhöhlen für Rotschwänzchen und Rotkehlchen sein; für die nächtliche Insektenbekämpfung sollen Fledermausquartiere sorgen und Eulenkästen für die Mäusebekämpfung. Eine Greifvogelstange für Mäusebussard und Turmfalke zu platzieren, ist ebenfalls geplant.

Gespräche führen Friedhofsverwaltung und Naturschützer auch über weitere Ideen – etwa das Anlegen einer Bienenweide auf dem Friedhof in Dreieichenhain.

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