Kultur

Stadtbibliothek in Neu-Isenburg: Neue Leiterin zieht Bilanz

Ich hoffe, dass wir nach den Sommerferien zu regulären Öffnungszeiten zurückkehren können.
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Ich hoffe, dass wir nach den Sommerferien zu regulären Öffnungszeiten zurückkehren können.

Hohes Niveau gehalten – das ist in aller Kürze das Fazit zum zurückliegenden Jahr in Neu-Isenburgs Bibliothek. Vor allem die Onleihe und die Veranstaltungen waren Zugpferde.

Neu-Isenburg: Als Krimi taugt die neue Bilanz der Stadtbibliothek sicherlich nicht. Aber sie ist wichtig. Für die Institution, weil sich daran sowohl der Erfolg des Angebots als auch Stellschrauben für Anpassungen an die Nutzerbedürfnisse unmittelbar erkennen lassen. Und damit auch für die Besucher.

„Für mich ist entscheidend, dass wir das hohe Niveau der Bibliothek auch 2019 erhalten haben“, sagt Kulturdezernent Theo Wershoven bei der Bilanzvorstellung. Das sei nicht selbstverständlich, wenn ein Leitungswechsel erfolge – da könne es durchaus auch Brüche geben. „Aber hier bei uns läuft es gut“, freut sich Wershoven zu berichten. Bekanntlich war die langjährige Leiterin Jutta Duchmann Ende 2018 in den Ruhestand gegangen, Dr. Annette Wagner-Wilke hatte übernommen.

Und die neue Leiterin kann für ihr erstes Jahr 2019 durchaus beachtliche Zahlen präsentieren: Die Besucherzahl liegt mit mehr als 153 000 weiter auf einem hohen Niveau. Auch wenn die Zahlen damit zwar geringfügig unter denen von 2018 lagen, ist statistisch betrachtet jeder Isenburger rund vier Mal in der Bibliothek und ihren Zweigstellen gewesen, um Medien auszuleihen, die Angebote vor Ort zu nutzen, zu lernen oder Veranstaltungen zu besuchen.

„Die Stadtbibliothek ist nach wie vor ein beliebter barrierefreier Lern- und Begegnungsort“, heißt es im Jahresbericht, der jetzt dem Ausschuss für Kultur, Sport und Weiterbildung vorliegt.

Mit insgesamt 355 500 Ausleihen – 162 363 an Printmedien und 133 960 an Nonbooks – wurden umgerechnet knapp neun pro Einwohner erreicht. Leider sei „der bundesweit zu beobachtende Trend des Rückgangs der Ausleihe physischer Medien bereits seit zwei Jahren auch in Neu-Isenburg zu bemerken“. Die Ausleihen der Belletristik für Erwachsene, der Kinder-und Jugendbücher, die 61 337 Mal entliehen wurden, und der Zeitschriften blieben im Vergleich zu 2018 konstant. „Im Sachbuchbereich hingegen dauert die Talfahrt aufgrund veränderten Informationsverhaltens und stärkerer Internet-Nutzung weiterhin an.“

Der gute Medienetat (er lag 2019 bei 100 000 Euro) ermöglichte der Bibliothek eine Bestanderneuerungsquote von neun Prozent. Die Ausleihe über die Onleihe mit ihren rund 239 000 Medien zum Download ist um sieben Prozent gestiegen. „Rasant entwickelt“ habe sich vor allem die Nutzung des Musikstreaming-Dienstes Freegal, den die Bibliothek seit August 2018 im Angebot hat. Hier wurden mehr als 17 000 Logins, also Streamings und Downloads, gezählt.

Mit rund 10 000 Besuchern waren die insgesamt 549 Veranstaltungen gut frequentiert. Dabei stand auch 2019 die gezielte Leseförderung im Mittelpunkt der Angebote für Kinder und Jugendliche. „Dazu gehören auch die vielen Besuche von Kitas und Schulen in den Zweigstellen im Westend und in den Stadtteilbibliotheken in Gravenbruch und Zeppelinheim“, sagt Wagner-Wilke. Allein das Team der Westend-Bibliothek stemmte 150 Einführungen für Schüler, Vorlesestunden, Bilderbuchkinos, Autorenlesungen für Schulklassen und mehr.

„Die Nachfrage nach einem öffentlichen Lern- und Begegnungsort ist groß. Aber der aus den 1970er Jahren stammende Bibliotheksbau an der Frankfurter Straße entspricht keinem modernen Standard mehr und bietet zu wenig Fläche für eine ansprechende Medienpräsentation, für Rückzugsmöglichkeiten, zum Schmökern, Arbeiten und Lernen“, resümieren Wershoven und Wagner-Wilke. Umso wichtiger sei es, dass das Stadtparlament im Februar den Grundsatzbeschluss gefasst habe, „die Umgestaltung im Gesamtkomplex künftig als Kultur- und Bildungszentrum planerisch und konzeptionell weiter zu entwickeln“ – und damit nicht nur eine bloße Sanierung, sondern auch inhaltlich Neues zu schaffen. „Für uns ein wichtiger Schritt, um die Einrichtung auch künftig für ein großes Publikum attraktiv zu halten“, sagen Wershoven und Wagner-Wilke. Mittlerweile, so ergänzt der Dezernent, habe die Stadt unter anderem eine Unternehmensberatung aus München beauftragt, Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Er gehe davon aus, dass bis Ende des Jahres konkretere Planungen auf dem Tisch liegen. Allein: Wann genau die Pläne dann zu finanzieren und umzusetzen sind, dazu kann und will derzeit – auch angesichts der völlig ungewissen Corona-Folgen auf den Stadtetat – niemand eine Prognose äußern. „Aber wir bleiben dran“, betont Wershoven.

Als Kämmerer ergänzt Erster Stadtrat Stefan Schmitt, dass man mitten in der Pandemie natürlich als Stadt mit vielen Fragezeichen in die Zukunft blicke. Covid-19 treffe Isenburg mit fast 60 Prozent Gewerbesteueranteil im Jahreshaushalt besonders hart. „Wir hatten dieses Jahr mit 83 Millionen Euro Gewerbesteuer geplant, derzeit gehen wir von 55 Millionen Einnahmen aus. Mit den gerade verkündeten Hilfen von Land und Bund würden wir voraussichtlich 25 Millionen Euro Unterstützung erhalten.“ Diese Mittel aus der Staatskasse wären eine erhebliche Erleichterung: „Damit wäre das Schlimmste für 2020 abgewendet“, so Schmitt. „Aber für 2021 habe ich in der Tat noch viele Fragezeichen.“ Aber natürlich wisse die Stadt um die Notwendigkeit, die Sanierung beziehungsweise Neugestaltung des Gebäudekomplexes Hugenottenhalle und Bibliothek anzugehen. Aber auch da gelte natürlich: Corona hat alles schwieriger gemacht.

Eine Aussage, die man so auch für den Bibliotheksbetrieb nehmen kann. Der läuft derzeit ebenfalls unter Corona-Bedingungen. Als eine der ersten öffentlichen Institutionen hatte die Bibliothek Ende April wieder aufgemacht und sich viel einfallen lassen, um die Isenburger trotz Pandemie mit Lesestoff zu versorgen. Mittlerweile ist dies wieder etwas einfacher möglich, aber nach wie vor gibt es Einschränkungen: etwa Abstandsgebot, viele abgesperrte Sitzplätze, Listen. Einen Teil der PC-Arbeitsplätze bietet das Team inzwischen wieder an, berichtet Wagner-Wilke. Auch wenn das viel Arbeit bedeute, da nach jeder Nutzung desinfiziert werden muss. Die Leiterin hofft übrigens, „dass wir nach den Sommerferien zu regulären Öffnungszeiten zurückkehren können.“  hov

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