Vorschläge zur Gestaltung des Alten Ortes

Ideen fürs historische Herz

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Die Bürgerinitiative „Alter Ort“ weist auf die Besonderheit dieses Teils der Stadt hin: Wenn es nach (von rechts) Norbert Schniotalla, Werner A. Stahl, Erika Hartmann und Sabine Wunderlich von der BI geht, kann die Aufwertung des historischen Herzes Neu-Isenburgs morgen beginnen, Ideen und Pläne dafür haben sie in der Tasche. Oder, zur besseren Veranschaulichung, zum Ortstermin als Modell mitgebracht.

Neu-Isenburg -  Er ist seit vielen Jahren ihr Zuhause und er liegt ihnen auch am Herzen, weil ihm als Gründungsort der Stadt besondere Bedeutung zukommt: der Alte Ort. Von Barbara Hoven

Die BI schlägt die Herstellung des Grundrisses des alten Rathauses vor: Durch ein „Stumpfmodell“ würde der Marktplatz für den Heimatkundeunterricht und diverse Veranstaltungen sehr flexibel nutzbar. Die angedeuteten Säulen bieten Sitzmöglichkeiten und könnten Fundament für eine flexible Bühne sein.

Diesen in seiner Gesamtheit als Denkmal und Lebensraum behutsam schöner und lebenswerter zu gestalten, ist das Anliegen der Bürgerinitiative „Schöner Alter Ort“. Gemeinsam haben Anwohner nun eine ausführliche und lesenswerte Ideensammlung erarbeitet. Darin wird der Ist-Zustand samt Park- und Verkehrssituation charakterisiert, es werden Probleme benannt und Verbesserungsvorschläge angeboten.
In einem Pizza-Karton gibt es gewöhnlich nicht viel zu sehen, doch bei diesem Exemplar von Werner A. Stahl ist das anders. Als er die Pappschachtel aufklappt, kommt das Herzstück einer offenkundig wohldurchdachten Zukunftsperspektive für den Marktplatz zum Vorschein. Der Bildhauer und langjährige Lehrer, der an eben diesem Marktplatz geboren ist und sein bisheriges Leben hier verbracht hat, hat mit seinen Mitstreitern von der Bürgerinitiative (BI) Alter Ort ein Modell gebastelt.

Die Idee: Auf dem Grundriss des alten Rathauses könnte ein sogenanntes „Stumpfmodell“ in der Platzmitte flexible Nutzungsmöglichkeiten eröffnen. Angedeutete Säulen der einstigen Arkadenhalle könnten Sitzgelegenheiten bieten. Oder bei Bedarf als Sockel dienen für eine flexible Bühne, die man – je nach Anlass – kleiner oder größer aufbauen kann. Eine ganz große Variante könnte so beim Altstadtfest für Stimmung in der Platzmitte sorgen, die halbe Bühne etwa für Jazzkonzerte passen. Und sogar ein Szenario mit Weihnachtsbaum hat Stahl vorbereitet. Auch einen Brunnen würde die BI gerne in das Ensemble einbinden – für die Optik, aber auch zur Freude der Kinder „und als Möglichkeit für Wanderer, etwas zu trinken“, sagt Architekt und Anwohner Norbert Schniotalla.

Nachzulesen sind diese und viele weitere Gedanken in einer Ideensammlung der BI, die die Anwohner nächste Woche den Stadtoberen vorstellen wollen. Auf 13 Seiten gibt das Dokument einen tiefen Blick in die Seele des Alten Orts: Gründlich haben die Anwohner den Ist-Zustand (etwa Kopfsteinpflaster, Parkplatzsituation, Verkehr, Begrünung) charakterisiert; sie nennen Probleme nicht nur beim Namen, sondern machen auch konkrete Verbesserungsvorschläge.

Und sie sagen klar, was sie nicht wollen: ein Gebäude in der Platzmitte. Sie wollen lieber den Markt als wichtige Frischluftschneise, als Treffpunkt – einfach als schönen Platz – von Bebauung frei halten. „Der Wiederaufbau des alten Rathauses dort ist immer wieder ein großes Thema in den Medien, aber kein Thema für die Bürger der Altstadt sowie die ansässigen Gewerbetreibenden“, sagt Schniotalla. Die BI stelle sich klar gegen den jüngst von einigen Befürwortern wieder ins Gespräch gebrachten Wiederaufbau: „Denn gerade in Bezug auf die Überhitzung der Innenstadt darf die dringend notwendige Luftschneise auf dem Markt in keinem Fall durch den Bau eines Gebäudes zerstört werden.“

Die BI ist nicht etwa eine, die sich neu gegründet hätte in diesen Tagen, da „Stadtumbau“ in aller Munde ist. Bereits in den 80er Jahren haben sich einige Bewohner des Alten Ortes zu einer Bürgerinitiative zusammengeschlossen, die bis heute aktiv ist. Sie hatten die Idee, den Alten Ort lebenswerter zu gestalten. Über die Jahre haben sie bereits einiges erreicht: Es wurden mobile Geschwindigkeitsmessgeräte angeschafft, ebenso Blumenkübel zur Verkehrsberuhigung; denn eines der Themen, das die Mitglieder nach wie vor beschäftigt, ist der Verkehr.

Im Laufe der Jahre, so schildert Sabine Wunderlich, seien auf Initiative der BI in Zusammenarbeit mit den städtischen Gremien einige Punkte „entschärft“ worden. „Trotzdem bestehen Kernprobleme weiterhin“, sagt die BI.

Eines ist aus Sicht vieler Anwohner die Optik: „Der Alte Ort ist in schäbigem Zustand“, merkt Schniotalla an. Die Platanen etwa bräuchten dringend Gestaltung und ordentliche Pflege. Wunsch der BI sind Platanenanlagen mit schattenspendendem Gründach, ähnlich wie in Frankreich. Auf die zerschnittenen, ungepflegten und abgestorbenen Kugelakazien würden die Anwohner hingegen gerne verzichten. Und statt der „derzeit vier verschiedenen Sorten von Straßenlaternen“ sei eine einheitliche, energiesparende Beleuchtung wünschenswert. Gerne auch in Kombi mit Ladestationen für E-Bikes.

Um die Einfahrten in die Kronen- und Pfarrgasse zu entschleunigen, kann Stahl sich auch Spalierpflanzen und eine Art großen „Rosenbogen“ an den Gassen-Eingängen vorstellen. „Durch diese Maßnahmen wird die Geschwindigkeit durch optische Veränderung herausgenommen“, meint die BI.

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Denn vor allem der viele Durchgangsverkehr und dessen Begleiterscheinungen bereiten den Anwohnern Sorgen. Wunderlich, Stahl und Schniotalla kommen beim Ortstermin immer wieder darauf zu sprechen. Sie berichten von zu schnell fahrenden Autos, von Parkplatzmangel, aber auch von zunehmendem Vandalismus und Verschmutzung der Gassen. Vor allem Pfarr- und Hirtengasse würden oft als Durchgangsstraße missbraucht, „vor allem, wenn die Karlstraße dicht ist“.

Zudem sehen sie Unfallgefahren durch beschädigtes Kopfsteinpflaster. Wichtig wäre der BI, dass der Alte Ort barrierefrei wird, auch für Radler. „Da fällt einem ja das Gebiss raus“, habe neulich ein Radfahrer beim Passieren des Pflasters kommentiert, erzählt Schniotalla.

Der Architekt, der seit zwölf Jahren im Alten Ort wohnt, ist auch einer der Vertreter der BI in der von der Stadt ins Leben gerufenen Lenkungsgruppe „Lokale Partnerschaft“ im Stadtumbau-Programm. Auch dort gibt es, wie berichtet, eine AG Alter Ort, in der auch Vertreter der BI aktiv bei der Ideenfindung für den Alten Ort mitarbeiten.

Werner Stahl ist als Lehrer mit vielen Kindern über den Markt gelaufen, um ihnen die Bedeutung dieses einzigen historischen Kernbereichs der jungen Hugenottenstadt zu verdeutlichen. Es gebe, findet er, eine Verpflichtung, „ein der Bedeutung entsprechendes Ambiente zu schaffen“. Dazu gehören aus Sicht der BI „neben der Beseitigung von Verkehrsproblemen auch alten- und behindertengerechte, radfreundliche, saubere und gepflegte schöne Gebäude, Straßen und Plätze“.

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