Ärger in Gravenbruch

Busfahren als Glücksspiel: Linie 50 fährt in Gravenbruch nur sehr unregelmäßig

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Die Menschen in Neu-Isenburg sind verärgert denn: Der Bus der Linie 50 fährt so selten, dass das Busfahren sich fast schon wie ein Glücksspiel anfühlt (Symbolbild).

Die Menschen in Neu-Isenburg sind verärgert, denn der Bus der Linie 50 fährt so selten, dass das Busfahren sich fast schon wie ein Glücksspiel anfühlt.

Neu-Isenburg - Angelika Bernhardt ist sauer. In der vergangenen Woche hat sie mehrfach vergebens an der Bushaltestelle auf die Linie OF-50 gewartet. Der Bus fährt von Gravenbruch aus zum Frankfurter Südbahnhof und ist laut RMV-Plan im Halb-Stunden-Takt unterwegs. „Wir haben das jetzt nicht zum ersten Mal. Offensichtlich ist beim Betreiber Viabus ein Fahrer ausgefallen und es ist nur ein Bus auf der Schleife unterwegs. Wir könnten uns ja fast darauf einstellen, wenn wir wüssten, ob der Bus zur vollen oder zur halben Stunde kommt, aber auch das ist das reinste Glücksspiel“, so die Gravenbrucherin genervt. Dabei ist sie nicht die Einzige, die sich an dieser Unzuverlässigkeit stört: In den sozialen Netzwerken beschweren sich etliche Nutzer der OF-50 über den nicht funktionierenden Pendelverkehr.

Mit dem vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) beauftragten Unternehmen Viabus gab es in der Vergangenheit schon öfter Schwierigkeiten. Erst im Oktober liefen die Drähte heiß, weil es auf der Linie zwischen dem Neu-Isenburger Stadtteil und Frankfurt ständig zu Ausfällen kam. Das Speyerer Busunternehmen meldete bekanntlich Mitte September 2019 Insolvenz an – hatte aber zugesichert, die laufenden Verträge noch bedienen zu wollen. Der Betrieb sei durch das Insolvenzgeld und die vertraglichen Abschlagszahlungen des RMV sichergestellt.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund erklärte erst im Dezember per Pressemitteilung, dass „Zuverlässigkeit für die Fahrgäste das A und O“ sei. Auch für den RMV „ist Zuverlässigkeit das oberste Kriterium eines qualitativ hochwertigen Nahverkehrs“, ließ Professor Knut Ringnat, RMV-Geschäftsführer, vermelden. Aus diesem Grund freue er sich, dass es gelungen ist, gemeinsam mit Viabus das Angebot im Sinne der Fahrgäste fortzuführen.

Das gelingt in Gravenbruch offensichtlich derzeit nur bedingt. Für Angelika Bernhardt ist es dabei besonders ärgerlich, dass es ihr noch nicht einmal möglich sei, sich ordentlich zu beschweren. Nach Anfrage dieser Zeitung beim RMV sei Viabus dafür verantwortlich, Beschwerden entgegen zu nehmen, Fahrgäste könnten aber auch die Online-Plattform des RMV nutzen und bekämen dort auch immer eine Antwort. Den Speyerer Busunternehmer zu erreichen, ist nahezu unmöglich, es sind mehrere Telefonnummern im Umlauf, bei denen allesamt kein Gespräch zustande kommt.

„Insgesamt ist es auch so, dass selbst wenn die Busse fahren, sie in einem extrem schlechten Zustand sind. Es rappelt und klappert, die Fahrer können an manchen Tagen keine Karten verkaufen, weil der Automat kaputt ist, manchmal funktioniert die Heizung nicht und ich hatte beim Aussteigen auch schon einmal einen Griff in der Hand und wäre beinahe auf die Nase gefallen“, berichtet Bernhardt von immer neu auftreten Schwierigkeiten in den Bussen.

Zu Bürgermeister Herbert Hunkel waren die aktuellen Probleme noch nicht vorgedrungen: „Aber die Linie OF-50 war in der Vergangenheit schon mehrfach unser Sorgenkind. Ich werde mich an Professor Ringnat wenden“, sichert der Rathauschef im Gespräch mit unserer Zeitung zu.

Hunkel betont, dass ihm sehr daran gelegen ist, dass die Gravenbrucher zuverlässig und pünktlich nach Frankfurt kommen.

VON NICOLE JOST

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