Alle Ämter niedergelegt

Neu-Isenburg: CDU-Frontmann Gröll wechselt zu den Grünen

Verlagert seinen politischen Wirkungskreis von der CDU zu den Grünen: Oliver Gröll (54).
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Verlagert seinen politischen Wirkungskreis von der CDU zu den Grünen: Oliver Gröll (54).

Paukenschlag in Neu-Isenburg: Einer der wichtigsten CDU-Männer wechselt zu den Grünen.

  • Oliver Gröll wechselt von der CDU zu den Grünen
  • In Neu-Isenburg ist der Wechsel eine echte Überraschung
  • Gröll gibt alle bisherigen Ämter auf

Neu-Isenburg – Paukenschlag in der Kommunalpolitik: Oliver Gröll, einer der CDU-Frontmänner der Hugenottenstadt, wechselt zu den Grünen. Ihm sei die Entscheidung „alles andere als leicht“ gefallen, sagte der 54-Jährige gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, kurz nachdem beide Parteien in zeitgleich verschickten Pressemitteilungen seinen Schritt bekannt gegeben hatten.

Das Besondere an der Entscheidung ist sicher, dass ein Mitglied einer Koalitionspartei zur anderen wechselt. Es habe, betont Gröll mit Blick auf in solchen Fällen übliche Spekulationen, „keinerlei Streit oder Stress“ gegeben mit der CDU. „Ich habe mit den Menschen in der CDU überhaupt kein Problem, im Gegenteil, wir haben ein respektvolles Verhältnis.“ Und er sage – erst recht nach 22 Jahren Parteizugehörigkeit – auch keineswegs, dass alles schlecht sei, was die CDU mache.

Neu-Isenburg: Entscheidung war persönlich bedingt

Ausschlaggebend für die Entscheidung, seinen politischen Wirkungskreis von der CDU zu den Grünen zu verlagern, sei vielmehr seine Entwicklung. Für ihn persönlich habe es nun inhaltlich in wesentlichen Punkten nicht mehr gepasst – als Beispiele nennt Gröll, der schon immer in Neu-Isenburg lebt und vier Kinder und zwei Enkel hat, die Themen Umwelt, Verkehr und Wohnen.

„Überraschend hat der stellvertretende Vorsitzende der Neu-Isenburger CDU, Oliver Gröll, angekündigt, dass er zum 31. Mai sämtliche Ämter, Funktionen sowie sein Stadtverordnetenmandat niederlegen wird“, vermeldete gestern gegen Mittag der CDU-Stadtverband. „Gleichzeitig tritt er zu diesem Termin auch aus der CDU aus.“ Gröll war am 12. November vergangenen Jahres noch von den CDU-Mitgliedern zum stellvertretenden Parteivorsitzenden gewählt worden.

Neu-Isenburg: Gröll hielt zahlreiche Ämter für die CDU

In fast drei Legislaturperioden war Oliver Gröll für die CDU Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und zuletzt Bauausschussvorsitzender sowie Mitglied im Verwaltungsrat des DLB und im Vorstand der Musikschule. Zudem ist er noch Vorsitzender des Vorstands des Friedhofszweckverbandes – eine Funktion, die er ebenfalls sehr schweren Herzens, wie er selbst betont, niederlegen wird.

„Wir bedauern diesen für uns alle absolut überraschenden Schritt sehr, der von Oliver Gröll nun während der Vorbereitungen für die im kommenden Jahr stattfindenden Kommunalwahlen vollzogen wird, für die er wieder fest als Kandidat der CDU eingeplant war. Oliver Gröll betonte mehrfach, dass dieser Entschluss lange in ihm gereift sei“, sagen Stadtverbandsvorsitzender Stefan Schmitt und Fraktionsvorsitzender Patrick Föhl. „Oliver Gröll war über 20 Jahre Mitglied der CDU und in vielen Funktionen und Ämtern für die CDU tätig. Wir bedauern seinen Schritt sehr, über den wir natürlich auch sehr enttäuscht sind, danken ihm für die gemeinsamen Jahre und wünschen ihm für die Zukunft alles Gute und beste Gesundheit“, so Schmitt und Föhl weiter.

Neu-Isenburg: Grüne freuen sich über Zuwachs

Beim Ortsverband der Grünen wird Gröll mit offenen Armen empfangen. „Wir sind über diesen Zuwachs hocherfreut, zollen diesem Schritt aber auch unseren hohen Respekt. Eine solche Entscheidung fällt nicht leicht und ist das Ergebnis eines schwierigen Abwägungsprozesses“, so der Kommentar der beiden Vorstandssprecher der Grünen, Michèle Küchemann und Günther Marx. Oliver Gröll sei den Grünen natürlich hochwillkommen „und wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit ihm“, so Küchemann und Marx weiter. 

„Wir kennen und schätzen ihn aus langjähriger politischer Tätigkeit im Parlament und in den Ausschüssen. Seine tiefe kommunalpolitische Erfahrung ist für uns eine Bereicherung. Besonders freuen wir uns über die Verstärkung in den Themen Stadt- und Verkehrsentwicklung sowie Wohnungspolitik und schätzen hier seinen Weitblick. Mit unserer Zielsetzung, unsere Stadt zukunftsfähig zu gestalten, sind dies für uns Grüne Schwerpunktthemen für den vor uns liegenden Kommunalwahlkampf.“

Neu-Isenburg: Gespräche über Amt beim Friedhofs-Zweckverband

Im persönlichen Gespräch ergänzt Grünen-Fraktionschefin Maria Sator-Marx gestern, sie habe großen Respekt vor dem Schritt von Gröll, der „gerade in einer so überschaubaren Stadt wie Neu-Isenburg ein sehr mutiger“ sei. Hohen Respekt verdient, ergänzt Sator-Marx, habe vor allem auch die Tatsache, dass er kein einziges Mandat mitnehme.

Gröll ist unter anderem einer von derzeit drei stellvertretenden Vorsitzenden des CDU-Stadtverbands. Für die Christdemokraten ergeben sich aus Grölls Schritt natürlich nun Fragen, die die Nachfolge betreffen. Auf Anfrage erläutert dazu gestern der Stadtverbandschef Stefan Schmitt: Für den Vorsitz im Bauausschuss habe der Vorstand sich entschieden, Bettina Blüchardt vorzuschlagen, die auch Vorsitzende des Ortsverbands Zeppelinheim ist. Auf Grölls Platz im Stadtparlament in der CDU-Fraktion soll Robert Strasser nachrücken.

Was den Vorsitz im Zweckverband für das Friedhofs- und Bestattungswesen in Neu-Isenburg und Dreieich betrifft, werde es nun Gespräche zwischen Dreieich und Neu-Isenburg geben. Gröll hatte diesen Posten im Oktober 2017 von Ehrenbürger Walter Norrenbrock übernommen.

VON BARBARA HOVEN

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