Ende einer Ära

Bestürzung in Neu-Isenburg: Christmas Village macht dicht

Hinter der festlich beleuchteten Fassade findet sich an der Frankfurter Straße das Weihnachts-Wunderland des Familienunternehmens Schmidt. 
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Hinter der festlich beleuchteten Fassade findet sich an der Frankfurter Straße das Weihnachts-Wunderland des Familienunternehmens Schmidt. 

Das beliebte Christmas Village in Neu-Isenburg ist nach dieser Saison Geschichte. Mutter und Tochter wollen nicht mehr - trotzdem war es keine leichte Entscheidung.

Neu-Isenburg – Etwas mehr als sieben Wochen vor dem Heiligen Abend klingt Mariah Carey aus den Boxen: „All I want for Christmas is you“. Das Christkind und Santa Claus würden sich in diesem rot-gold-silber glitzernden Lichtermeer pudelwohl fühlen. 

Christmas Village: Deko-Traum für die Vorweihnachtszeit

Das Christmas Village in Neu-Isenburg ist ein wahr gewordener Traum für alle Menschen, die ihr Zuhause in ein weihnachtliches Winterwunderland verwandeln möchten. Fertig dekorierte Weihnachtsbäume klassisch in Rot und Gold oder im kunterbunten amerikanischen Zuckerstangen-Stil bieten Inspiration. In unzähligen Regalfächern warten Lichterketten für Wohnzimmer und Garten, und die Auswahl an Kugeln und anderen Anhängern für die prächtige Tanne ist kaum zu überbieten.

Christmas Village in Neu-Isenburg: 300 Quadratmeter Ladenfläche

Auf der rund 300 Quadratmeter großen Ladenfläche an der Frankfurter Straße, wo im Sommer Grills, Gartenmöbel und Kaffeemaschinen verkauft werden, gibt es so ziemlich alles, was die Festtafel, den Christbaum oder die Fenster zum Fest der Liebe so richtig schön macht.

Aus dem ganzen Großraum Frankfurt kommen die Menschen zu Schmidt Ambiente, um ihrer Vorfreude auf das Fest Ausdruck zu verleihen.

Die gute Nachricht: Das weihnachtliche Glitzern hat bereits begonnen – noch dazu sogar mit satten Rabatten. Denn – und das wird bei allen Weihnachtsfans der Region großes Bedauern auslösen – nach zehn Jahren Christmas Village wird das Geschäft Mitte Januar für immer schließen. „Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Das Weihnachtsgeschäft ist das, was meiner Mutter und mir immer am allermeisten Spaß gemacht hat“, erklärt Geschäftsführerin Sandra Schmidt.

Hinter der festlich beleuchteten Fassade findet sich an der Frankfurter Straße das Weihnachts-Wunderland des Familienunternehmens Schmidt. 

Es gibt gute Gründe, warum Mara Schmidt und ihre Tochter diesen Schritt bereits Mitte März besprochen haben: Die Senior-Chefin hat eine schwere Erkrankung, und Sandra Schmidt hat ein Baby bekommen. „Wir sind beide zur gleichen Zeit ausgefallen, das waren sehr harte Wochen im vergangenen Jahr.“ Mara Schmidt wird nächstes Jahr 70, ein Alter, in dem man es auch schon mal etwas ruhiger angehen lassen kann. 

Christmas Village: Weihnacht künftig ohne diese Institution

Sandra Schmidt möchte diese besondere Zeit mit ihrem Kind nicht verpassen, sie will nicht von Montag bis Samstag im Laden stehen und all die Verantwortung tragen. „Natürlich haben uns die Geschehnisse der vergangenen Monate geprägt. Wir haben beide innegehalten. Meine Mutter war zur Ruhe gezwungen und hat jetzt überhaupt erst gemerkt, wie es ist, nicht zu arbeiten“, berichtet Schmidt von dem Prozess der Entscheidungsfindung.

Im vergangenen Jahrzehnt hat sich in den zweieinhalb Monaten vor Weihnachten alles um den Laden gedreht – noch viel stärker als ohnehin das ganze Jahr über. „Das ist der Grund, warum wir nach zehn großartigen, spannenden Jahren das Christmas Village ab 2020 nicht mehr öffnen“, hofft die Unternehmerin auf Verständnis bei den Weihnachtsfans.

Christmas Village in Neu-Isenburg: Erinnerungen an Weihnachtsdorf voller schöner Momente

Die Erinnerungen, die die beiden Frauen seit 2010 an ihr Weihnachtsdorf haben, sind voller schöner Momente und leuchtender Augen: Wie die Stammkundschaft, oft viele Tage hintereinander, immer wieder durch die Regale und die Dekoration stöbert. Der ganz große Dauerbrenner sei dabei die Beleuchtung. Die eigentliche Deko war in der Farbauswahl manchmal von wechselnder Mode geprägt, aber die Klassiker in Rot und Gold haben immer Hochkonjunktur. „Besonders schön ist die Faszination der Kinder. Ein kleiner Junge, der mit seiner Mama immer direkt hier vor der Tür an der Bushaltestelle wartet, zieht sie fast jeden Tag zu uns herein. Die Mutter ist fast schon genervt“, erzählt Schmidt lächelnd.

Ein Trend habe sich in den vergangenen Jahren bemerkbar gemacht: Bei wachsender Achtsamkeit gegenüber dem Klima und der Natur stellen immer mehr Kunden auf künstliche Bäume um. „Erst im letzten Jahr haben wir eine ganze Ladung ganz toller Bäume aus Italien importiert“, sagt Schmidt. Von diesem Großeinkauf, der eigentlich für die kommenden drei Jahre geplant war, können die Kunden jetzt profitieren und vielleicht ein Schnäppchen machen.

Ein wichtiges Standbein, neben dem reinen Verkauf, war der Einsatz als Dekorationsspezialistinnen. „Wir haben Restaurants und Privathäuser weihnachtlich geschmückt. Manche Leute brauchten nur ein bisschen Hilfe, für andere haben wir das ganze Haus inklusive Garten dekoriert. Das wird uns sicher sehr fehlen“, erzählt die 40-Jährige. Schlechte Stimmung gab es übrigens nur bei den Vertretern der strikten Totensonntags-Regel: Ja, es gab auch von manchen Menschen Kritik, die die Eröffnung des Weihnachtsgeschäfts vor dem Totensonntag nicht tolerieren wollten, kann sich Sandra Schmidt erinnern.

Familie Schmidt gibt Schmidt Ambiente an Küchenstudio Großjohann ab

Wie geht es weiter an der Frankfurter Straße? Das Ladengeschäft von Schmidt Ambiente mit den Grills und Kaffeemaschinen, in dem auch das Christmas Village untergebracht ist, gibt die Familie Schmidt im Februar 2020 an das Küchenstudio Großjohann ab, das nur wenige Meter weiter an der Ecke zur Offenbacher Straße das Stammgeschäft hat. Großjohann wird weiterhin Grills und Kaffeemaschinen verkaufen. Wichtig war dem Mutter-Tochter-Team die berufliche Zukunft der drei Mitarbeiter – die sei geklärt, betont die Geschäftsführerin. Die beiden Frauen können mit der Abgabe beruflich kürzer treten. Sie werden dann den Sohn – beziehungsweise Bruder – Christian Schmidt unterstützen, der mit den Gartenmöbeln, Sonnenschirmen und eigener Outdoor-Kissenkollektion mit dem Geschäft in der Frankfurter Straße 42 bis 44 und Filialen in Wiesbaden und an der Bergstraße viel zu tun hat.

Jetzt freut sich Sandra Schmidt aber erst einmal auf ein letztes Christmas Village – mit für die Kunden verlockenden Ausverkaufs-Angeboten.

Von Nicole Jost

Zwei Schüler aus Neu-Isenburg haben das Projekt "No Smog" entwickelt, für das sie jetzt bei Jugend Forscht ausgezeichnet wurden. 

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