Supermarkt gerettet

Neu-Isenburg: Nahversorgung langfristig gesichert

In die Zukunft der Nahversorgung investiert: Die Gewobau hat das Gebäude gekauft, um den Menschen im Westend langfristig die Einkaufsmöglichkeiten zu sichern.
+
In die Zukunft der Nahversorgung investiert: Die Gewobau hat das Gebäude gekauft, um den Menschen im Westend langfristig die Einkaufsmöglichkeiten zu sichern.

Eine ältere Dame schiebt ihren Einkaufswagen mit den Dingen für das tägliche Leben durch die hell beleuchteten Gänge des Nahkaufs in der Bahnhofstraße. Zwei Jungs im Teenageralter laufen mit Cola und Chips unterm Arm zur Kasse. Am Donnerstagnachmittag herrscht viel Betrieb in dem Einkaufsladen. Seit mehr als 40 Jahren wird im Westend eingekauft. Zuvor war in dem Gebäude mit der Hausnummer 133 ein Kino untergebracht, später folgten Lebensmittelläden unter dem Namen Latscha, dann Minimal, HL oder Rewe.

Neu-Isenburg – Am 12. November feiern die Brüder Georgios und Petros Grigorakis den fünften Geburtstag ihres Nahkaufs, den sie selbstständig mit der logistischen Unterstützung der Rewe-Gruppe führen. Beinahe wäre es gar nicht mehr zu diesem kleinen Jubiläum gekommen: „Wir hatten wirklich große Bauchschmerzen, den Laden noch vor diesem fünften Geburtstag zu verlieren“, sagt Petros Grigorakis. Als sie den Mietvertrag für das Gebäude mit rund 570 Quadratmetern Ladenfläche im Jahr 2015 unterschrieben, gehörte er noch einem älteren Ehepaar.

Vor einem Jahr wurde das Haus, in dem nur der Supermarkt mit zusätzlich rund 150 Quadratmetern Nebenflächen für Sozialräume und Lager untergebracht ist, an eine Immobiliengesellschaft verkauft. Schnell wurde klar: Der neue Eigentümer hat andere Pläne mit dem Grundstück. Die Rede war von Abriss und einem Neubau mit Wohnungen. „Wir wären damit natürlich raus gewesen“, so Petros Grigorakis. Für die Brüder ein herber Rückschlag im Aufbau ihres Unternehmens: In dem Laden, der ein so wichtiger Nahversorger für das Isenburger Westend ist, steckt viel Herzblut.

„Es war unser erster Laden, es ist bis heute unser Lieblingsladen. Er wird sehr gut angenommen, wir haben einen guten Draht zu den Kunden und arbeiten sehr gerne in Neu-Isenburg“, sagt Georgios Grigorakis. Viel Handhabe hatten die Brüder, die in den vergangenen fünf Jahren drei weitere Läden in Frankfurt-Liederbach, in Wiesbaden-Dotzheim und seit drei Monaten den vierten Nahkauf in Wiebaden-Biebrich betreiben, nicht. Sie berichten, dass sie sich beinahe schon mit dem Verlust ihres Isenburger Nahkaufs abgefunden hätten.

Aber Bürgermeister Herbert Hunkel hat auch noch ein Wörtchen mitzureden. Der Rathauschef bekommt die Wohnungsbau-Pläne des neuen Eigentümers auf den Schreibtisch. Ihm ist es ein Anliegen, die wichtige Einkaufsmöglichkeit der Isenburger in der Bahnhofstraße zu erhalten. „Dort leben viele ältere Menschen, die nicht einfach mit dem Auto losfahren können. Der Verlust des Ladens war keine Option, wir mussten eine gute Lösung finden“, erzählt Hunkel.

Er holt Stephan Burbach, Geschäftsführer der Isenburger Wohnungsbaugesellschaft Gewobau, ins Boot. Stadtverwaltung und Gewobau verhandeln mit der Immobiliengesellschaft – und unterschreiben in der vergangenen Woche einen Kaufvertrag für das Gebäude. „Wir haben schon Döner-Läden und Friseure in unserem Bestand, an der Frankfurter Straße ist in den Gewobau-Häusern ja öfter mal Gewerbe untergebracht. Einen Supermarkt haben wir bisher aber noch nicht in unserem Portfolio“, sagt Burbach mit einem Schmunzeln. Natürlich seien Gewerbeflächen nicht die Kernkompetenz des Unternehmens, die liege nach wie vor bei Wohnimmobilien. „Aber die Erhaltung der Nahversorgung ist natürlich ein wichtiges Thema in der Stadt. Wir sind froh, dass wir sie mit dem Ankauf des Gebäudes langfristig sichern können“, sagt Burbach.

Der nahkauf in Neu-Isenburg ist erstmal gerettet.

Zum 1. Januar 2021 ist die Gewobau der neue Eigentümer der Bahnhofstraße 133. Das Unternehmen habe so verhandelt, dass es wirtschaftlich kein Drauflege-Geschäft für die Gewobau und die Stadt ist und auch die notwendigen Modernisierungen an dem Gebäude realisiert werden können, betont Herbert Hunkel, dass sich der Nahkauf tragen wird.

Die Frankfurter Kaufleute bekommen dann im neuen Jahr einen neuen Mietvertrag. „Wir haben uns schon auf eine Laufzeit von zehn Jahren geeinigt, mit der Option, noch einmal zwei mal fünf Jahre zu verlängern“, teilt Burbach mit.

Da fällt auch den Brüdern Grigorakis ein Stein vom Herzen. „Wir sind sehr froh und dankbar, dass sich die Stadt so für den Laden engagiert hat, dass es jetzt so gekommen ist.“ Auch weil sie für rund zwölf bis 15 Mitarbeiter, darunter drei Festangestellte, ein Azubi und mehrere Halbtagskräfte, Verantwortung tragen. Die Vorbereitungen für die Geburtstagswoche rund um den 12. November mit Losen mit spannenden Gewinnen für die Kunden können also starten. (Von Nicole Jost)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare