Abseits der geraden Wege

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Waghalsige Sprünge gehören dazu: Robert Busch in Aktion.

Neu-Isenburg - Eisige Pisten, mannshohe Steilrampen und atemberaubende Sprünge kitzeln alles aus ihm heraus. Auf dem Snowboard ist Robert Busch in seinem Element.  Von Nico Wagner

Er lebt für seinen Sport, verbrachte den größten Teil des vergangenen Winters im schweizerischen Davos. „Dort stand nur das Snowboardfahren im Mittelpunkt“, erzählt der 27-Jährige. „Training und chillen mit Kollegen, bis die Sonne untergeht. “.

Der Isenburger beendete die vergangene Saison auf Platz 49 der offenen deutschen Meisterschaftsserie, der „Chill and Destroy Tour“. Als vierzehntbester Deutscher in der „Ticket to Ride“-World Tour wurde er bester Hesse im Slope-Style. Sprünge über Treppen, Hügel oder Geländer und atemberaubende Stunts kennzeichnen diese Disziplin. „Der vergangene Winter war wohl der erfolgreichste meiner Karriere“, meint Busch. In vier von zwölf Qualifikationsläufen erreichte der gebürtige Offenbacher die Top 20. „Die vordersten Ränge belegen Profis. Da habe ich keine Chance.“

Jugendliche profitieren von seiner Erfahrung

Seinen Aufenthalt in Davos ermöglichte sich Busch durch seine Tätigkeit als Snowboardlehrer vor Ort und mit der Unterstützung seines Ausrüsters, dem Isenburger Snowboard- und Fashiongeschäft „Panorama“. Nicht nur in der Schweiz profitieren Jugendliche von seiner Erfahrung. Der 1. Ski-Club Neu-Isenburg ist offizieller Snowboardstützpunkt des DSV, weil Busch die erforderliche Trainerlizenz besitzt. Seine Schützlinge begleiten ihn jeden Januar in die Alpen, auch mehrere Wochenendlehrgänge werden angeboten. „Ich will den Verein auf eine breite Basis stellen“, sagt Busch. „Noch sind wir in einer Art Aufbauphase. Natürlich ist uns bewusst, dass wir das Hochgebirge nicht vor der Tür haben, deshalb sind wir im Winter bei jeder Gelegenheit auch in der Region unterwegs.“

Seine Leidenschaft entdeckte Robert Busch bereits im Alter von zwölf Jahren. „Auf einem Spielplatz in der Nähe meines Elternhauses gab es einen kleinen Hügel. Als eines Tages Schnee fiel, haben wir die Achsen unserer Skateboards abgeschraubt und sind hinuntergerutscht“, erzählt er. Die passenden Vorbilder fanden sich schnell. Mit Danny Davis und Nicolas Müller bewundert er noch heute zwei der weltbesten Snowboardfahrer.

Im Sommer stellt er das Board in den Keller

Busch hat eine ganz besondere Einstellung zu seinem Sport entwickelt: „Er ist mein Lifestyle. In den Boardsportarten fährst du keinen geraden Weg. Auf der Piste schaust du dich ständig um und suchst links und rechts nach neuen Herausforderungen. Es ist ein sehr verspielter Ansatz, die Dinge zu betrachten. Man braucht dadurch länger, entdeckt aber mehr und hat großen Spaß. Du betrachtest die Dinge auch abseits der Piste anders und hinterfragst, ob vorgegebene Wege die richtigen für dich sind.“

Im Sommer kommt das Snowboard in den Keller.

In der warmen Jahreszeit stellt der 27-Jährige sein Snowboard in den Keller. Nach einem Winter voller Nervenkitzel widmet er sich einem zweiten beruflichen Standbein, das wie ein krasses Gegenteil zu waghalsigen Sprüngen auf Pisten im Hochgebirge daherkommt. Selbst die Ausbildung dazu fand in einer anderen Welt, unter Palmen in Costa Rica, statt. Bei 30 Grad und Sonnenschein erwarb Busch vor knapp einem Jahr seine Lizenz als Yoga-Lehrer.

Doch selbst hier geht ihm sein Sport nicht aus dem Kopf: „Die Idee ist, dass man Atem und Körperbewegungen synchronisiert. So kann man Bewegungsmuster aufbrechen. Auf der Piste kann ich den vollen Spielraum meiner Gelenke ausnutzen und besser werden. Gerade die Sommermonate sind entscheidend, um sich die nötige Fitness zu erarbeiten.“ Ein Glück, dass er dazu keinen Schnee in Neu-Isenburg braucht.

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