Konkurrenzkampf zwischen Kommunen

Erziehermangel macht Kitas zu schaffen

Neu-Isenburg - Ihren Segen gegeben haben die Stadtverordneten am Mittwoch auch zum vom Fachbereich Kinder und Jugend vorgelegten Bedarfsplan für Kindertageseinrichtungen in Neu-Isenburg für 2018/19, der jährlich fortgeschrieben werden soll.

Dabei stehen zwei Themen im Fokus: Einerseits soll insbesondere der Ausbau von Plätzen für Kinder unter drei Jahren in Kindertagespflege und Kitas weiter vorangetrieben werden. Und zweitens die Tatsache, dass sich der hessenweite Erziehermangel auch auf Isenburg auswirkt. „Das Hauptproblem ist, dass es derzeit 13 freie Stellen für Erzieher gibt, die nicht besetzt werden können – drei bei der Stadt, zehn bei den anderen Trägern“, berichtet Bürgermeister Herbert Hunkel. „Die Herausforderung ist, die Erzieher dauerhaft zu binden.“ Was auf einem leer gefegten Arbeitsmarkt aber mittlerweile ziemlich kompliziert ist; längst toben da Gehaltskriege zwischen Trägern und Kommunen. So werbe zum Beispiel die Stadt Frankfurt mit höherer Einstufung qualifiziertes Personal ab.

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Diesem Fachkräftemangel möchte Neu-Isenburg mit einem Maßnahmenpaket zur Personalbindung und -gewinnung für den Bereich der Kitas begegnen. „Wir müssen uns bei der Tarifgestaltung an der Stadt Frankfurt orientieren, die bereits jetzt übertariflich bezahlt“, sagt Hunkel. „Außerdem wollen wir noch mehr in die Fort- und Weiterbildung sowie die Qualifizierung unserer Mitarbeiter investieren.“ Der Personalschlüssel liege über dem vorgeschriebenen – für zusätzliche Vorbereitungszeit und eine bessere Personalausstattung in der Gruppe. „Auch im Bereich der Ausbildung haben wir attraktive individuelle Angebote, wie zum Beispiel die berufsbegleitende Ausbildung für Erzieher“, ergänzt der Rathauschef. „Hier wird sogar die Schulzeit als Arbeitszeit angerechnet und vergütet, was hier im Kreis einzigartig ist.“

In Neu-Isenburg steigen seit Jahren die Bevölkerungszahlen, und auch die Anzahl der Kinder wächst – und damit der Bedarf an Betreuungsplätzen. Der aktuelle Stand laut Bedarfsplan:

SCHULKINDBETREUUNG

Im vergangenen Betrachtungsjahr konnten im Bereich der Schulkindbetreuung laut Bericht alle Kinder entsprechend ihres Bedarfes versorgt werden. Insgesamt wurden 1025 Betreuungsplätze angeboten, was einer Betreuungsquote von 74,5 Prozent entspreche. Das sei die höchste im ganzen Kreis Offenbach. Die bisherigen Schulstrukturen müssten weiterentwickelt werden – so fehlten etwa Essens- und Betreuungsräume.

KITA - BETREUUNG

Im Bereich der Betreuung der Drei- bis Sechsjährigen stehen nach Angaben des Magistrats aktuell 1321 Plätze zur Verfügung, was einer Versorgungsquote von 105,8 Prozent entspricht. Lege man die prognostizierten Kinderzahlen bis zum Jahr 2020/21 zugrunde, liege die Versorgungsquote bei 100,5 Prozent. Perspektivisch „müssen hier bauliche Maßnahmen geschaffen werden, um den Bedarf auch weiterhin decken zu können“. Ein besonderes Augenmerk müsse aber auf der Personalsuche liegen.

U3 - BETREUUNG

Für Kinder unter drei Jahren standen 244 Plätze in den Kitas zur Verfügung und weitere 64 in der Kindertagespflege. Damit liege die Versorgungsquote derzeit bei 40,7 Prozent, „Ziel sind 45 Prozent“, so Hunkel. Dazu soll einerseits die Zahl der Plätze in den Kitas aufgestockt werden. Auch diesbezüglich zeige sich übrigens derzeit, dass durch den Fachkräftemangel die in den vorhandenen Räumen baulich zur Verfügung stehenden Plätze tatsächlich nicht alle besetzt werden konnten.

Zum anderen sollen mehr Betreuungsplätze in der Kindertagespflege geschaffen werden. „Wir wollen insbesondere im Bereich der Tagespflege Voraussetzungen schaffen, um den Beruf attraktiver zu gestalten.“ (hov)

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Rubriklistenbild: © dpa

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