Nach wie vor hoch im Kurs

So geht Bibliothek im Digitalzeitalter

Neu-Isenburg - Jutta Duchmann hat gut lachen. Die Leiterin der Stadtbibliothek und ihrer Zweigstellen kann mit ihrem Team auf ein richtig gutes Jahr mit Besucherrekorden zurückschauen.

Das liegt auch daran, dass das Team den sich stark verändernden Nutzungsgewohnheiten Rechnung trägt und in Sachen digitale Medien immer mehr aufrüstet. Für 2018 ist ein Mix aus bewährten und neuen Angeboten angerichtet.
In Isenburgs Bibliotheken stehen Bücher. Viele Bücher. Aber die Inhalte stehen längst nicht mehr nur auf dem Papier. E-Reader haben Konjunktur, auch Zeitschriften und Spiele gibt’s längst digital. Ein Medienmix, der sich als immer wichtiger erweist, um weiter in der Erfolgsschiene Kurs halten zu können, auf der die Stadtbibliothek seit Jahren fährt.

Doch der Reihe nach. Für 2017 gilt: Die Zahlen können sich sehen lassen. Nie zuvor haben mehr Menschen die Stadtbibliothek an der Hugenottenhalle und deren Zweigstellen im Westend, in Gravenbruch und Zeppelinheim besucht. Insgesamt kamen 163.544 Personen „und damit zehn Prozent mehr als im Vorjahr und mehr als jemals zuvor“, berichtet Duchmann. Sie entliehen Medien, lernten vor Ort gemeinsam, nutzten die Internetarbeitsplätze und das freie W-LAN oder besuchten eine der Veranstaltungen.

Auch bei den Ausleihzahlen (429.412 Entleihungen) hat die Bibliothekschefin ein Plus von vier Prozent registriert. Damit sei der Bestand an Medien rund sechsmal umgesetzt worden. Einen erheblichen Anteil daran hatte die sogenannte Onleihe – rund 155.000 E-Medien zum Download. „Das Plus geht überwiegend auf eine Steigerung der digitalen Medien zurück“, sagt Duchmann. „Die Ausleihe der physischen Medien ist hingegen leicht rückläufig, aber damit befinden wir uns leider im allgemeinen Trend.“ Dieser gehe zusehends weg vom Gedruckten.

Um den veränderten Nutzungsgewohnheiten Rechnung zu tragen, müsse man auf die Entwicklung eingehen. Angedacht sei, die greifbaren Medien etwas zu reduzieren, aber das Vorhandene dafür noch gezielter zu präsentieren. Denn die Leiterin beobachtet, dass die Leute auf der Suche nach neuer Lektüre immer öfter auf das zurückgreifen, was das Team auf Medieninseln besonders gut in Szene setzt. „Was da steht, kommt an.“ Seltener geworden seien hingegen die Besucher, die einfach mal durch die Regalreihen stöbern.

Die umschlagstärksten Medientypen sind laut Statistik weiterhin die Hörbücher, gefolgt von den DVDs. Besonders oft ausgeliehen wurden auch Sachliteratur, Kinderbücher und Belletristik für Erwachsene.

In puncto Medienentwicklung will man in ein weiteres Online-Angebot einsteigen: „Wir sind gerade dabei, eine Art Verband zu gründen für die digitale Ausleihe von Filmen“, erzählt Duchmann. „Alleine kann sich eine Bibliothek sowas nicht leisten“.

Alles in allem, so formuliert es Kulturdezernent Theo Wershoven, sei es ein erfolgreiches Jahr gewesen. „Nichtsdestotrotz dürfen angesichts rückläufiger Umsatzzahlen im Buchhandel, einer eklatanten Lesemüdigkeit und Leseinkompetenz unter Kindern und Jugendlichen die Bemühungen um attraktive Medienangebote und die Weiterentwicklung öffentlicher Kultur- und Bildungszentren nicht nachlassen.“

Nicht nachgelassen hatte Wershoven jahrelang im Kampf um eine Stadtteilbibliothek für Gravenbruch, die dann im April 2016 auch wirklich eröffnet wurde. Mit Blick auf die nun erstmals für ein volles Jahr vorliegende Statistik sieht der Dezernent sich bestätigt, dass die Sache sich gelohnt hat.

OP unterwegs auf der Frankfurter Buchmesse 2017

24.000 Besucher kamen 2017. Das seien mehr als doppelt so viele wie in den drei Quartalen des Vorjahres. Die kleine Zweigstelle sei bereits ein lebendiger Lernort – und auf einem guten Weg zur Begegnungsstätte für alle Stadtteilbewohner. „Nur bei den Erwachsenen dürften es gerne noch mehr werden“, sagt Duchmann. Dass diese noch nicht so zahlreich kommen wie der Nachwuchs, könne an der „etwas versteckten Lage“ auf dem Schulgelände der Uhland-Schule liegen. Wer mit Schule nichts am Hut habe, scheue möglicherweise den Gang über den Schulhof.

In diesem Jahr setzt die Bibliothek bewährte Angebote fort. Nächster Termin ist der große Bücherbasar des Freundeskreises am kommenden Samstag (10 bis 14 Uhr) im Foyer der Hugenottenhalle.

Im Frühling gibt es dann erstmals einen Kinderbuch-Sonntag für die ganze Familie: Dafür soll sich die Hauptstelle am 15. April von 14 bis 17 Uhr in eine riesige Leselandschaft verwandeln. Weiteres Novum: Erstmals nimmt die Bibliothek im April an der Aktion „Frankfurt liest ein Buch“ teil. Diesmal steht der antifaschistische Roman „Das siebte Kreuz“ von Anna Seghers im Mittelpunkt. Der Historiker Wilhelm von Sternburg wird über Leben und Werk Seghers sprechen. Schauspielerin Ursula Illert liest Auszüge. (hov)

Rubriklistenbild: © Symbolfoto: dpa

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