Neu-Isenburg

Geringe Resonanz für Autokino-Festival: „Das Beste daraus gemacht“

Kleine Parkplatz-Partys: Vor den Autos hatten sich am Freitagabend mehrere Gesellschaften gemütlich eingerichtet.
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Kleine Parkplatz-Partys: Vor den Autos hatten sich am Freitagabend mehrere Gesellschaften gemütlich eingerichtet.

Die Alternative zum Open Doors-Festival im Autokino findet in Neu-Isenburg nicht die erhoffte Resonanz.

Neu-Isenburg – Wie große, pink-grüne Glühwürmchen flirren die Leuchtstäbe in den Händen der Besucher am späten Samstagabend im Dunkeln über den Parkplatz. Aus den Boxen kommt 90er-Jahre-Musik. Die Autodisko mit dem Frankfurter DJ-Duo Buffalo & Wallace hat durchaus Charme. Die Leute, die da sind, feiern in, am oder auch mal auf dem Auto. Manche Freunde haben es sich in kleinen Gruppen gemütlich gemacht – mit Klapptisch, Popcorn und Getränken. Und auch schon am Abend zuvor, dem Auftakt-Freitag, hatten gut 100 Autos bereits eine doch recht ansehnliche Kulisse für den Auftritt der Gypsys geboten. Keine Riesen-Resonanz (möglich wären gut 300 Autos pro Show gewesen), aber mal was anderes und irgendwie eine schöne Atmosphäre auf dem Gravenbrucher Autokino-Gelände.

Trister sieht es bei den Konzerten am Samstagnachmittag aus, wo es zu hell ist, um mit der großen Leinwand Wirkung zu erzeugen. Wer glaubte, die Zahl von 29 Fahrzeugen, die zum Vor-Event von Ryffhuntr, dem Auftritt der Newcomer-Band Vellocet, gekommen waren, würde sich merklich steigern, sah sich getäuscht. Beim Gig einer Band wie Ryffhuntr, wo zu normalen Open Doors-Zeiten in der City an der Kreuzung von Friedrich- und Frankfurter Straße kein Durchkommen war, wenn sie einheizten, tummelt sich jetzt gerade mal ein Dutzend Zuhörer vor der Bühne.

Die Stadt und Open-Doors-Macher Michael Kercher mit seiner Event-Agentur 12 Löwen hatten sich auf das Abenteuer „Festival in Corona-Zeiten“ eingelassen: Um nicht ganz auf das Event verzichten zu müssen, das sonst Jahr für Jahr die Hugenottenstadt zum Mekka der Musikfans macht und an drei Tagen bis zu 50. 000 Besucher in die Innenstadt lockt, hatte man es diesmal wegen der Pandemie in abgespecktem Rahmen im Autokino organisiert.

Der Name blieb, aber sonst war dieses Jahr fast alles anders: Die 28. Auflage des Musikspektakels Open Doors ging in abgespeckter Form im Autokino über die Bühne, hier der Gig der Gypsys am Freitagabend.

Sicherheit und Rücksichtnahme werden dabei groß geschrieben. Immer wieder sind sechs Verhaltensregeln zu hören. Neben „Abstand halten“ – das kennt man mittlerweile – kommt in diesem Fall noch „Bitte keine Hupkonzerte“ hinzu, um Anwohner nicht über Gebühr zu belasten. Das scheint funktioniert zu haben: Bis Sonntagmorgen zumindest lagen Bürgermeister Herbert Hunkel keine Beschwerden von Gravenbruchern wegen Lärmbelästigung vor.

Was bleibt, ist ein Blick zurück mit Licht und Schatten. „Es war mal was ganz anderes, eine schöne Atmosphäre, wenn auch natürlich nicht vergleichbar mit dem Festival, wie man es sonst kennt, aber alle haben das Beste daraus gemacht“, sagt Hunkel. „Für Neu-Isenburg ist es eine wichtige Botschaft an alle, dass wir versucht haben, die Reihe dieser besonderen – und in den vergangenen Jahren auch immer überaus erfolgreichen – Veranstaltung nicht zu unterbrechen und trotz Beachtung aller Corona-Auflagen dennoch fortgeführt haben“, findet der Rathauschef. Zumal das Festival ja wesentlich von Sponsoren abhängig sei. Auch Landrat Oliver Quilling lobt das große Engagement des Organisationsteams, trotz aller ungünstigen Umstände nichts unversucht gelassen zu haben, um Open Doors auch in diesem Jahr zu realisieren.

Der Name blieb, aber sonst war dieses Jahr fast alles anders: Die 28. Auflage des Musikspektakels Open Doors ging in abgespeckter Form im Autokino über die Bühne.

„Wenn die sich schon solche Mühe machen, dann sollte man das auch mal mit seinem Erscheinen honorieren“, meinen Elke, Annette, Thomas und Matthias, die am Freitagabend aus Götzenhain gekommen sind. „Für Isenburger sollte es doch geradezu eine Pflicht sein, diese tolle Veranstaltung gerade in diesen Zeiten zu unterstützen“, findet Andreas Schwirner, der bei Ryffhuntr zuhört.

Solcher Unterstützer in Corona-Zeiten hätte es freilich mehr bedurft. Denn finanziell wird diese 28. Festival-Auflage – trotz erstmals erhobenem Eintritt, um die enormen Kosten zu decken – „ein komplettes Desaster“, wie es ein hörbar enttäuschter Michael Kercher gestern in einem ersten Fazit formuliert. „Das Ganze kostet uns so viel Geld, dass es uns als Agentur an die Existenz geht.“  lfp

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