Kriminalstatistik weist deutlichen Rückgang der Fallzahlen auf

Neu-Isenburg gibt rote Laterne ab

In fast allen Straftatenobergruppen lässt sich für Neu-Isenburg für 2020 ein Rückgang feststellen. Die Zahl der festgestellten Delikte sank von 2285 im Jahr 2019 auf 2024. grafik:Polizeipräsidium
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In fast allen Straftatenobergruppen lässt sich für Neu-Isenburg für 2020 ein Rückgang feststellen. Die Zahl der festgestellten Delikte sank von 2285 im Jahr 2019 auf 2024. grafik:Polizeipräsidium

Der positive Trend bei der Kriminalstatistik für den Kreis Offenbach lässt sich auch in Neu-Isenburg feststellen. Die Abwärtsbewegung bei den Fallzahlen der vergangenen fünf Jahre setzt sich fort. 2020 gab es insgesamt 2024 Delikte. 2019 waren es noch 2285 und 2018 2376. Gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von 59,6 auf 63,3 Prozent.

Neu-Isenburg - Bei der Häufigkeitszahl, der Anzahl der registrierten Fälle errechnet auf 100 000 Einwohner, gibt es einen Rückgang von 6066 auf 5312. Anhand dieser Zahl ist ein Vergleich mit anderen Städten möglich. Und da hat Neu-Isenburg die rote Laterne im Kreis an Heusenstamm mit einer Häufigkeitszahl von 5513 abgegeben.

„Wir haben den tiefsten Stand an Fallzahlen in Neu-Isenburg seit dem Entstehen des Polizeipräsidiums Südosthessen 2001“, betont Henry Faltin, Sprecher der Polizei. Hinzu komme, dass Neu-Isenburg mit 38 105 noch nie so viele Einwohner hatte. Generell lasse sich sagen, dass die Fallzahlen umso höher sind, je mehr Menschen auf engem Raum leben. „In Städten gibt es einfach mehr Tatgelegenheiten als auf dem Land“, betont er. Deshalb wiesen Städte wie Offenbach und Hanau, aber auch Neu-Isenburg mit dem Isenburg-Zentrum und seinen zahlreichen Geschäften mehr Fälle als kleinere Kommunen auf.

Umso erfreulicher sei der Rückgang, der sich in Neu-Isenburg in fast allen Bereichen wie bei den Diebstählen mit und ohne erschwerende Umstände feststellen lässt. Sie sanken von 427 auf 323 beziehungsweise von 361 auf 332. Gestiegen ist dagegen die Zahl der tagsüber verübten Wohnungseinbrüche von 19 auf 26. Das sei abweichend vom Trend, da angesichts von Corona die Zahl der Einbrüche eher rückläufig ist, da viele im Homeoffice arbeiten.

Während der klassische Betrug angesichts von Corona sinke, haben Verbrecher neue Betätigungsfelder im Internet gefunden – auch pandemieabhängig. Faltin führt – nicht nur auf Neu-Isenburg bezogen – als Beispiele zu Beginn der Pandemie Maskenangebote zu überhöhten Preisen an. Dann seien es minderwertige und völlig überteuerte Desinfektionsmittel gewesen, und aktuell würden Ganoven im Netz die Möglichkeit von Impfungen in Aussicht stellen.

Einige Rückgänge ließen sich aber auch darauf zurückführen, dass die Ordnungskräfte im vergangenen Jahr vor allem mit der Kontrolle der Corona-Vorgaben zu tun gehabt hätten. Schwarzfahrer in Bussen und Bahnen hätten davon profitiert. Das zeigt die Rubrik Leistungserschleichung, in der die Fallzahl von 204 auf 56 sank.

Eine Steigerung von 206 auf 258 gab es in Neu-Isenburg dagegen bei den Rauschgiftdelikten, die unter den Straftaten gegen strafrechtliche Nebengesetze fallen. In anderen Städten seien diese rückläufig gewesen, da es weniger Kontrollen gegeben habe. Fast konstant bleibt die Zahl bei den Rohheitsdelikten mit 237 statt 236.

In einem anderen Bereich lässt sich der Einfluss von Corona aber nicht ablesen, so Faltin. So gehen Experten von einer Zunahme der häuslichen Gewalt aus. Doch anhand der Zahlen lasse sich das nicht erkennen. Das könnte mit dem Lockdown und geschlossenen Schulen und Kindergärten 2020 zu tun haben. Kinder und Frauen, die geschlagen werden, könnten so weniger erkannt werden. Wenn eine Frau in der kalten Jahreszeit bei Bewölkung eine Sonnenbrille trägt, während sie ihr Kind in die Kita bringt, lasse dies schon einige Rückschlüsse zu. Doch das sei bei geschlossenen Einrichtungen und der fehlenden sozialen Kontrolle eben nicht möglich.

Von Holger Klemm

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