Machbarkeitsstudie zur Regionaltangente West

Das RTW-Ziel: Mobilität modern denken

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Die planerische Fantasie für die Brache östlich des Baugebiets Birkengewann: Die rot markierte Fläche zeigt den vorgeschlagenen Standort der Mobilitätsstation mit vier Ebenen und Platz für knapp 300 Autos und 90 Fahrräder. Das Gebäude ist parallel zum vorgesehenen RTW-Bahnsteig auf der Friedhofstraße (unten) angeordnet. Die Zufahrt zum Parkhaus soll über die Offenbacher Straße (rechts) erfolgen.

Mit einer möglichen Verlängerung der RTW bis in den Osten der Stadt müsste auch zeitgemäße Infrastruktur her, um Autofahrern den Umstieg auf die Bahn schmackhaft zu machen. Eine Machbarkeitsstudie zeigt nun, wie eine Mobilitätsstation mit rund 300 Pkw- und 90 Fahrradabstellplätzen, Kiosk und mehr am Birkengewann aussehen könnte.

Neu-Isenburg – Die Planungen für die Regionaltangente West (RTW) nehmen gerade richtig Fahrt auf; am 22. Mai werden die Stadtverordneten wohl eine richtungsweisende politische Entscheidung für dieses Großprojekts fällen. Logisch, dass nun auch das Drumherum immer mehr in den Blick rückt. Denn die neue Bahnverbindung, so sie denn kommt, erfordert auch eine zeitgemäße Infrastruktur: „An den Schnittstellen, wo unterschiedliche Verkehrsangebote aufeinander treffen, werden heute Mobilitätsstationen benötigt, die die variablen Anforderungen der Verkehrsteilnehmer erfüllen“, formuliert es der Magistrat. Radler brauchten überdachte Abstellanlagen, Autofahrer Parkplätze, wenn sie auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen wollen. Heißt im nächsten Schritt: Käme die – bekanntlich umstrittene – Verlängerung der RTW bis ins Birkengewann, würde auch dort am Ortsausgang ein Schnittpunkt entstehen, an dem aus Sicht der Stadt eine Mobilitätsstation mit Park-and-Ride-Anlage sinnvoll wäre.

Jetzt hat das damit beauftragte Darmstädter Planungsbüro „StetePlanung“ eine Machbarkeitsuntersuchung für eine solche Mobilitätsstation angefertigt und dem Bauausschuss vorgestellt – eine städtebauliche Betrachtung also, was möglich wäre, was passen würde, wie man die Fläche optimal nutzen könnte. Diese Untersuchung soll im weiteren Verfahren gemeinsam mit dem Gutachten zur Potentialabschätzung die Grundlage sein für die Baurechtschaffung und die gemeinsame Realisierung mit der RTW GmbH.

Standort östlich des Baugebiets Birkengewann

Als Standort – das ist nicht neu – haben Stadt und Planer das Areal östlich des Baugebiets Birkengewann ausgeguckt, auf einem Teil der ehemaligen Rinderwiese und dem ehemaligen DLB-Kompostplatz; direkt an der Friedhofstraße also, wo derzeit noch der Kinderzirkus Wannabe seine Übergangsbleibe hat. Die eigentliche Mobilitätsstation, eine Art modernes Parkhaus mit 291 Pkw-Stellplätzen auf vier Ebenen, positionieren die Planer direkt vorne parallel zur Friedhofstraße. Das Gebäude ist parallel zum vorgesehenen RTW-Bahnsteig angeordnet, sodass der barrierefreie Zugang zum Bahnsteig im Osten mit Hilfe eines Stegs über die Friedhofstraße gewährleistet wäre. Auf der Westseite soll die bereits vorhandene Unterführung für die Anbindung an Bahnsteig und Bushaltestellen genutzt werden.

Die vorhandene Unterführung am östlichen Ende der Friedhofstraße soll für die Anbindung an den Bahnsteig genutzt werden.

Die Zufahrt zum Parkhaus würde „aus verkehrstechnischen Gründen“ über die Offenbacher Straße erfolgen. Neben den knapp 300 Auto- sehen die Planer auch 90 Fahrradabstellplätze vor. Auch Platz für einen Kiosk mit Ticketverkauf soll geschaffen werden. Außerdem sind aus ihrer Sicht „ein gastronomisches Angebot beziehungsweise ein Bäcker im Parkhaus oder in der Nähe der Unterführung an einem Platzbereich denkbar und wünschenswert“, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.

Neu-Isenburg: Neubaugebiet wächst

Luft nach oben sehen sie beim Erscheinungsbild der Unterführung: Das stelle sich, so heißt es in der Studie, „heute auf der Südseite durch die angrenzende Bebauung besser dar als auf der Nordseite, wo aktuell keine soziale Kontrolle gegeben ist“. Sie empfehlen, „die zukünftige Beleuchtung sollte so natürlich wie möglich erfolgen und die Unterführung und die angrenzenden Bereiche möglichst belebt werden“. Belebt werden wird diese Ecke der Stadt ohnehin bald. Gleich neben dem hier beplanten Areal haben die Arbeiten für den Bau des Lidl-Marktes begonnen, das Neubaugebiet wächst und wächst ebenfalls täglich.

„StetePlanung“ hat auch den im Bebauungsplan vorgesehenen Sportplatz berücksichtigt – im Entwurf eingezeichnet mit Standard-Fußballfeld und 400-Meter-Laufbahn sowie Extra-Bolzplatz. Theoretisch, so konkretisieren die Fachleute, wäre es bei einem Parkhaus mit vier Stockwerken sogar möglich, noch einen drauf zu setzen und „die Parkhauswand auf der dem Sportfeld zugewandten Seite für alternative Sportangebote wie eine Kletterwand zu nutzen“.

Hier am Stadteingang, wo derzeit noch der Kinderzirkus Wannabe seine Bleibe hat, sollen die Mobilitätsstation und die Sportanlage entstehen.

Es gilt aber natürlich, Gewolltes, Mögliches und Bezahlbares auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Die Planer gehen davon aus, dass eine Mobilitätsstation in dieser Größenordnung mit vier Ebenen in der einfachsten Ausführung rund 4,2 Millionen Euro (brutto) kosten würde – „davon rund drei Millionen Euro (netto) für das Parkhaus“. Etwaige Zusatzkosten für Straßen und ähnliches könne man indes in dieser frühen Planungsphase noch nicht beziffern.

Zur Finanzierung sollen verschiedene Fördermöglichkeiten auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene aus geschöpft werden.  

hov

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