ADFC fordert Verbesserungen

Fahrradklimatest zeigt: Radfahrer in Neu-Isenburg nicht zufrieden

+
Städte investieren in Fahrradinfrastruktur

In Sachen Radverkehr besteht weiterhin Handlungsbedarf. Das geht aus dem Fahrradklimatest des ADFC hervor, bei dem die Stadt sich leicht verschlechtert hat. Der ADFC fordert, nicht nur von einer Förderung des Radverkehrs zu sprechen, sondern diese auch umzusetzen.

Neu-Isenburg – „Mit einer Schulnote von 3,8 möchte niemand das Abitur abschließen. Das ist kurz vor nicht bestanden.“ Mit diesen Worten kommentiert Franz Drews für den ADFC das ernüchternde Ergebnis des Fahrradklimatests, an dem sich 86 Neu-Isenburger beteiligten. Wenn man diese Note bei der Beurteilung des Radverkehrs bekomme, sei das für die meisten Parlamentarier in Neu-Isenburg kaum bedenklich, kritisiert Drews.

Hessenweit liegt die Hugenottenstadt lediglich auf Platz 18 der 34 teilnehmenden Kommunen und rutscht im Vergleich zum Test 2017 von 3,6 auf 3,8 ab. Positiv bewertet wurden die Öffnung von Einbahnstraßen, die Erreichbarkeit des Stadtzentrums oder die Radmitnahme im Öffentlichen Nahverkehr. Negativ kommen unter anderem die Führung an Baustellen, der Raddiebstahl, der Winterdienst sowie die Falschparkerkontrolle auf Radwegen an. Mit der Note 3,4 wird die Radförderung in jüngster Zeit in der Stadt etwas besser gesehen.

Doch da legt Drews den Finger in die Wunde. „Man redet hier viel von der Förderung des Radverkehrs.“ Es höre sich alles gar nicht schlecht an, wenn von zwei Radstraßen die Rede sei. „Man muss es auch umsetzen“, fordert der ADFC-Vorsitzende. Seit der Verabschiedung des Radverkehrskonzepts 2015 seien ein paar Schutzstreifen markiert, ein paar Radständer errichtet, eine funktionierende Fußgängerampel an der Goetheschule installiert, eine Ampelschaltung verbessert und in diesem Jahr ein Minikreisel installiert worden. „Sonst ist nicht viel zu sehen. Das reicht bei Weitem nicht aus, um den Radverkehr auf eine vernünftige Ebene in Neu-Isenburg zu heben“, moniert Drews. Wenn die Förderung weiterhin soll schleppend verlaufe, werde es in Bezug auf das Birkengewann und das Stadtquartier Süd einen Verkehrskollaps geben.

Auch das lasche Vorgehen gegen Falschparker auf Radwegen wird von den Teilnehmern des Fahrrad-Klimatests als besonders negativ empfunden (Note 4,9). Das Parken auf dem Bürgersteig verhindert das Vorankommen. „Auch die Ampelschaltungen generell lassen das Herz des Radfahrers nicht gerade jubeln“, führt der ADFC-Vertreter aus und verweist auf die Note 4,6 in diesem Bereich. Da werde ausschließlich an den Autoverkehr gedacht. Der Radfahrer komme erst dann, wenn man sonst nichts mehr verbessern könne, übt Drews heftige Kritik. „Anstatt einen Radweg herzurichten, wird der Weg einfach in einen Fußgängerweg mit dem Zusatzschild Radfahrer frei umgewidmet.“ Damit tue man niemandem einen Gefallen. „Solange das so weitergeht, wird sich das Fahrradklima in Neu-Isenburg nicht ändern und die einst so ehrgeizigen Ziele von der Verdoppelung des Radverkehrs sind nicht einmal mit dem Fernglas zu erkennen“, äußert sich Drews enttäuscht.

Die alleinige Teilnahme am aktuell laufenden Stadtradeln reiche da nicht aus. Man müsse dann auch auf die radelnden Bürger hören. Für den ADFC ist es deshalb ein Anliegen, mehr Aufmerksamkeit für die Kampagne „Mehr Platz fürs Rad“ zu gewinnen.

Infos gibt es im Netz unter fahrradklima-test.de

Von Holger Klemm

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare