Gericht

Hilfsaltenpflegerin nimmt Seniorin aus

Immer wieder müssen Gerichte darüber entscheiden, wann Arbeitnehmer Anspruch auf Leistungen der Unfallversicherung haben. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/dpa-tmn
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Eine Hilfsaltenpflegerin soll eine Seniorin um ihr Geld gebracht haben. Nun saß die Angeklagte vor Gericht. (Symbolbild)

Am Donnerstag saß eine Hilfsaltenpflegerin vor dem Schöffengericht. Die Anklage warf ihr vor, die Bewohnerin eines Neu-Isenburger Altenheims am Bankautomaten um 5000 Euro erleichtert zu haben.

Neu-Isenburg – Die halbherzig leugnende Angeklagte kassierte eine zur Bewährung ausgesetzte Haftstrafe. Den Schaden muss sie erstatten. Staatsanwältin Sylvia Erdelt wirft der 34-Jährigen aus Neu-Isenburg vor, zwischen dem 22. September und dem 25. Oktober 2019 sechsmal die Bankkarte der Bewohnerin eines Isenburger Altenheims entwendet und damit in Summe 5000 Euro abgehoben zu haben. Die PIN-Nummer habe sich in der Handtasche der Geschädigten im damals nicht abschließbaren Schrank neben der Karte befunden.

Für die Angeklagte spricht Pflichtverteidiger Ulf Köper, der erklärt, seine Mandantin streite nicht ab, mehrfach abgehoben zu haben, „das geschah jedoch auf Wunsch der Bewohnerin“. Im Anschluss will die Angeklagte den Betrag stets übergeben haben.

Das wundert Richter Manfred Beck. Schließlich habe sie als Altenpflegehelferin doch in erster Linie Reinigungsarbeiten ausgeführt, „wie gelang es Ihnen, zur Frau H. ein Vertrauensverhältnis aufzubauen?“ Die Frage nutzt die Angeklagte nicht, um eine Version zu liefern, die das Gefühl hinterlassen könnte, „möglich, dass es so war“. Die Antwort geht nicht über „sie hat mich gefragt, ich habe das gemacht“ hinaus.

Später wird eine Vorgesetzte der entlassenen Angeklagten erklären, jedes Jahr habe es eine schriftliche Mitteilung an alle Mitarbeiter gegeben, dass es verboten sei, Geld anzunehmen oder Botengänge zu erledigen. Anwalt Köper hatte erklärt, die Angeklagte habe von der Direktive nichts gewusst.

Die frühere Chefin der Angeklagten berichtet, diese habe sechs Jahre in dem Heim gearbeitet, „sie war voll integriert, freundlich und hilfsbereit und hat sich nie auch nur irgendwas zu Schulden kommen lassen“. Hätte das Kollegium etwas von finanziellen Problemen gewusst, „hätten wir ihr alle zusammen Geld geliehen“.

Bewohnerin H. meldete damals nach Blick auf die Bankauszüge die unerklärlichen Abbuchungen bei der Heimleitung. H. erklärte, sie verdächtige die nun angeklagte Mitarbeiterin, die habe ihr gegenüber einmal in überraschtem Zustand fadenscheinige Gründe genannt, warum sie ihre Handtasche in der Hand halte. Ihre EC-Karte habe in der Zeit zweimal auf dem Boden gelegen. H. betonte gegenüber der Polizei, sie habe auch kein Bargeld für irgendwelche Zahnarztbesuche gebraucht, wie die Angeklagte es behauptet hatte. Prinzipiell kann Letztere nicht abstreiten, mit der Karte abgehoben zu haben, wie Fotoaufnahmen des Geldinstituts beweisen.

Die Angeklagte kann nicht hoffen, die Aussagen der Geschädigten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht erscheinen kann, ließen sich in Frage stellen. Neben der früheren Chefin der Frau erklären eine Polizistin und deren Kollege, die 83-Jährige sei vollkommen klar.

Staatsanwältin Erdelt spricht von „einer besonders verwerflichen Tat“. Es gebe keine Zweifel an der Schuld, „für welche Ausgaben hätte Frau H. im Heim in einem Monat 5000 Euro in bar verwenden sollen?“ Die Angeklagte sei nicht vorbestraft, weshalb sich die geforderten zwei Jahre Gefängnis zur Bewährung aussetzen ließen. Die 5000 Euro seien einzuziehen, 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit abzuleisten.

Rechtsanwalt Köper erklärt, „das ist so ein Fall, in dem sich nicht viel entgegensetzen lässt“. Leider habe sich seine Mandantin keine Quittungen geben lassen. Der Verteidiger stellt die Strafe ins Ermessen des Gerichts.

Richter Beck und die beiden Schöffen verhängen 20 Monate auf Bewährung, „es dürfte sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt haben“. Beck tippt, dass sich die Mutter eines Kleinkindes in Geldnot befand. Sie muss 5000 Euro begleichen und 100 Sozialstunden ableisten. Das Urteil nimmt sie an. Von Stefan Mangold

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