„Signifikante Verschlechterung“:

Initiative wehrt sich gegen Wegfall der Buslinie 661

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Gemeinsam für eine verbesserte Busanbindung kämpfen wollen die Mitstreiter der Initiative „Buslinie 661“, die sich am Samstag erstmals offiziell getroffen hat.

Neu-Isenburg - Bislang sind Proteste der Bürger gegen den Wegfall der Buslinie 661 vor allem in Dreieichenhain laut geworden, nun formiert sich mehr und mehr auch die Kritik aus Gravenbruch. Denn viele Bewohner des Stadtteils fühlen sich abgehängt in Sachen Busanbindung.

Nicht nur die neue Initiative „Buslinie 661“, sondern auch die Stadt macht dem RMV Dampf und fordert den Verbund auf, dringend wieder ein adäquates Angebot zu schaffen. Es brodelt schon seit dem Fahrplanwechsel. Viele Bürger kritisieren, dass sich seit dem Wegfall der Buslinie 661 diverse Verschlechterungen bei der ÖPNV-Versorgung des Stadtteils Gravenbruch ergeben hätten. Insbesondere sei es zu Einschränkungen im Schülerverkehr von Gravenbruch nach Sprendlingen und bei der Anbindung des Ärztezentrums in der Friedhofstraße in Isenburg, das von Bürgern aus Gravenbruch überwiegend zur ärztlichen Grundversorgung aufgesucht wird, gekommen.

Um ihrem Unmut Luft zu machen und sich dem Protest der Initiative „IG Dreieichenhain pro Bus 661“ hörbar anzuschließen, hat sich nun auch eine Initiative „Buslinie 661“ formiert, bestehend aus Gravenbrucher Bürgern und Mitgliedern des Ortsbeirats. Am Samstagabend gab es ein erstes offizielles Treffen der Initiative, die sich bisher vor allem über Facebook formiert hatte, im Eiscafé Barista 51.

„Die Keimzelle der Initiative liegt in der Gravenbruch-Gruppe bei Facebook mit aktuell 754 Mitgliedern, die sich als virtuelles Schwarzes Brett für den Stadtteil versteht – und dort kam auch das Thema Busverbindungen auf“, erklärt Alexander Jungmann. Als Administrator habe er das Thema aufgegriffen und kanalisiert. Insbesondere der Wegfall der Linie 661 wird dort diskutiert. „Bei einer Umfrage unter allen Mitgliedern in der Gruppe, wer vom Wegfall der Linie 661 negativ betroffen ist, meldeten sich immerhin knapp 60 Personen“, berichtet Jungmann am Abend nach dem ersten Treffen der Initiative. Dieses habe man angesetzt, um ein gemeinsames Vorgehen abzustimmen. Es kamen 20 Leute, darunter Ortsvorsteher Edgar Fischer (CDU) und weitere Vertreter aus dem Ortsbeirat. Und auch Bürgermeister Herbert Hunkel und Kirk Reineke, der Geschäftsführer der Stadtwerke, kamen dazu und informierten über den Sachstand ihrer Bemühungen.

Ebenso wie die „IG Dreieichenhain pro Bus 661“ verfolgen die Gravenbrucher das Ziel, die besagte Buslinie wieder herzustellen oder für adäquaten Ersatz zu sorgen. Denn im Wegfall der Linie sehen die Initiatoren „eine signifikante Verschlechterung der ÖPNV-Versorgung des Stadtteils Gravenbruch“, wie es Jungmann formuliert.

„Als Ergebnis unseres Treffens wurde ein Brief verfasst, der die Anstrengungen zur Verbesserung der Situation durch die Kreisverkehrsgesellschaft, die Stadtwerke Neu-Isenburg und den Bürgermeister gegenüber dem RMV flankieren und bekräftigen soll“, beschreibt der Administrator der Initiative die erste Aktion, die die Gruppe aufs Gleis gesetzt hat.

Denn der Bürgermeister hat sich bereits vor Wochen in diversen Gesprächen mit den Gravenbruchern und bei Ortsterminen ein Bild von der Situation gemacht und setzt sich dafür ein, die Busanbindung für den Stadtteil zu verbessern. Übrigens (wie berichtet) auch in Zusammenarbeit mit Dreieichs Erstem Stadtrat Martin Burlon, dessen Kommune bekanntlich ebenfalls betroffen ist. Gemeinsam haben Hunkel und Burlon am 8. Februar in einem Schreiben an Professor Knut Ringat, Geschäftsführer des Rhein-Main-Verkehrsverbundes, einen dringenden Appell formuliert, wieder ein adäquates Busangebot für die Bürger zu schaffen. Durch den Wegfall der 661 seien Bürger Neu-Isenburgs und Dreieichs „sehr stark in ihrer Mobilität betroffen“, heißt es darin.

Bus, Bahn und Tram -Metropolen im Test

„Für Neu-Isenburg betrifft dies die Bürger des Stadtteils Gravenbruch durch den Wegfall der direkten Anbindung an das Fachärztezentrum in Neu-Isenburg und das Gewerbegebiet Ost sowie die starke Beeinträchtigung der direkten Anbindung an die Kernstadt“, vom viertelstündlichen Takt auf einen halbstündlichen. Insbesondere in ihrer Mobilität eingeschränkte Personen seien von diesen Maßnahmen unzumutbar betroffen. „Die von Ihrem Haus vorgenommene Bewertung dieser Situation als zumutbar und ‘in einem ÖPNV-Netz als gängige Praxis’ können wir nicht teilen und auch nicht akzeptieren“, schreiben Hunkel und Burlon an Ringat.

In einem anderen Schreiben, das Hunkel in dieser Sache bereits eine Woche zuvor an den RMV geschickt hatte, macht der Rathauschef dem Verbund auch folgenden Vorschlag: „Falls Sie die dringend notwendige Rücknahme der Verschlechterung nicht realisieren können, wäre für uns auch eine Lösung denkbar, in der die Stadtwerke Neu-Isenburg den Wegfall der Leistungen durch zeitlich begrenzte Verstärkungsfahrten der Linie 51 werktags in der Zeit von 7 bis 12 Uhr von Gravenbruch über das Gewerbegebiet Ost und das Fachärztezentrum wenigstens zeitweise kompensieren und die dadurch entstehenden Kosten von Ihrem Haues übernommen werden“.

Eine solche Maßnahme könne man sich „als Test bis zum nächsten Fahrplanwechsel“ vorstellen.

Für Gesprächsstoff sorgen dürfte das Thema auch bei der Sitzung des Ortsbeirats am Donnerstag, 22. Februar (19.30 Uhr, Seniorenhaus Meisenstraße). Ortsvorsteher Fischer hat dazu einen Vertreter der Kreisverkehrsgesellschaft und Stadtwerke-Chef Reineke eingeladen. (hov)

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