Urteil in Offenbach

Mann sucht immer wieder das Isenburg-Zentrum heim und klaut – der Grund ist eine Sucht

Handschellen Hände
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Ein Mann hat mehrfach im Isenburg-Zentrum in Neu-Isenburg geklaut. Nun wurde er verurteilt.

Ein Mann soll mehrfach im Isenburg-Zentrum gestohlen haben. Grund für die Taten soll seine Kokainsucht gewesen sein.

Neu-Isenburg – Der 46-Jährige M. erscheint in Handschellen. Zuletzt saß er eine vergeigte halbjährige Bewährungsstrafe sowie dreieinhalb Monate Tagessätze einer Geldstrafe ab.

Laut Anklageschrift von Staatsanwalt Alexander Betz betrat M. am 17. August 2017 die Filiale von Peek & Cloppenburg im Isenburg-Zentrum. Ein Kaufhausdetektiv fand in einer Umkleidekabine zwei fachmännisch abgetrennte Sicherheitsmarker. Der Sicherheitsmann sagt aus, er habe den Verdächtigen vor dem Geschäft gestoppt, der seine Tasche vor ihm geöffnet habe, „zwei Boss-Pullover steckten drin“. Der Mann habe besoffen und fahrig gewirkt, „er zitterte sogar“. Dann soll er sich aggressiv gebärdet haben. Als er ihn festhalten wollte, habe der Mann ihm an den Hals gefasst und blutige Kratzspuren hinterlassen. Schließlich sei dem Räuber die Flucht gelungen.

Es ist der einzige Punkt der Anklage, den M. durch seinen Rechtsanwalt René Reissner bestreiten lässt. Der Zeuge ist sich jedoch sicher, „der war es“. Weil M. bei P&C ein längst mit Hausverbot bedachter Bekannter war, habe man ihm ein Bild von ihm vorgelegt. „Ich erkannte ihn zweifelsfrei.“

P&C stattete der Mann ein Dreivierteljahr später wieder einen Besuch ab. Ein anderer Detektiv erzählt, M. habe sich mit drei T-Shirts von Boss und einer Hose von Hilfiger losreißen wollen. Er habe gedroht, ein Messer zu zücken und in seine Tasche gegriffen, „natürlich hatte ich Respekt“. Ein Passant habe ihm geholfen, den Mann bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten, „bis dahin war das keine große Sache mehr“.

Richter Manfred Beck liest aus einem Urteil vom Januar 2020 des Schöffengerichts in Frankfurt vor, das den Angeklagten unter anderem wegen Diebstahls bei P&C auf der Zeil zu vier Monaten Haft verurteilte, die mit dem jetzigen Entscheid eine Gesamtstrafe bilden.

Die Drogensucht von M. begann erst im Alter von 36, als er schon Vater zweier von später drei Kindern war. Die Ehe ging zu Bruch. Zu Peek & Cloppenburg fühlt sich M. scheinbar hingezogen. Am 5. Oktober 2018 ertappte man ihn erneut in der Filiale im Isenburg-Zentrum, diesmal beim Diebstahl eines Pullovers der Marke Joop. Unter dem gleichen Dach klaute er in den folgenden Wochen Parfümflaschen in der Drogerie Müller und bei Douglas. Bei Saturn stahl er ein Smartphone. Laut Urteil muss M. einen Wertersatz von 1015 Euro begleichen.

Staatsanwalt Betz fordert eine Haftstrafe von 37 Monaten. Er konstatiert gewerbsmäßigen Diebstahl, „ob Sucht zugrunde lag, entspringt nur der eigenen Behauptung“. Raub sieht Betz nur in dem Fall, als M. die Flucht geglückt sein soll.

Verteidiger Reissner plädiert „auf eine Haftstrafe nicht über zwei Jahre, die sich zur Bewährung aussetzen lässt“. Der Anwalt betont, „die Taten passierten vor zwei bis drei Jahren“. Er verlangt, den Haftbefehl außer Vollzug zu setzen, „seine Schwester ist hier, die würde ihn aufnehmen“. Das Gefängnis habe M. beeindruckt, „außerdem konnte er dort keine Drogen nehmen“.

Richter Beck und die beiden Schöffinnen sehen einen räuberischen Diebstahl in zwei Fällen, „der Detektiv nahm die Messerdrohung ernst“. Beck spricht jedoch vom typischen Verhalten bei Suchtdruck, „egal was ist, die Betroffenen müssen den Diebstahl durchziehen“. Das Urteil: zweieinhalb Jahre Gefängnis. M. muss in Haft bleiben.

Wohl auch wegen seines marokkanischen Passes sieht Beck Fluchtgefahr. Wiederholungsgefahr befürchtet der Vorsitzende ebenfalls, „ohne Therapie fallen sie draußen in die Sucht zurück“. Anwalt Reissner wird wohl Berufung einlegen. (Stefan Mangold)

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