Großer Respekt für die Arbeit

Landtagsabgeordnete besuchen die Speisekammer

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Maria Sator-Marx, die Leiterin der Speisekammer, erklärt den Landtagsabgeordneten Mathias Wagner und Hartmut Honka (rechts) die Verteilung der Güter. Norbert Rödder (Zweiter von rechts) ist Empfänger von Lebensmitteln aus der Speisekammer.

Neu-Isenburg - Die Diskussion über den Ausschluss von ausländischen Mitbürgern bei der Verteilung von Lebensmitteln bei der Tafel in Essen hat im ganzen Land Wellen geschlagen.

Wie es wirklich gut ablaufen kann, das wollte Maria Sator-Marx, die Leiterin der Speisekammer, die im Hause der katholischen Gemeinde St. Josef einen verlässlichen Standort hat, unter Beweis stellen. Aus diesem Grunde kontaktierte sie ihren Parteifreund, den Landtagsabgeordneten Mathias Wagner (Grüne), und bat um einen Besuch. Der im Wahlkreis direkt gewählte Landtagsabgeordnete Hartmut Honka (CDU) sollte aber auch dabei sein. „Wir wollen ein Zeichen dafür setzen, wie man die Ausgabe so organisieren kann, dass es trotz des großen Andrangs friedlich zugeht“, erklärt Sator-Marx. „Das gelingt uns seit mehr als zwölf Jahren.“

So kam es, dass beide Landespolitiker der Speisekammer einen Besuch abstatteten. Eingeladen hatten Sator-Marx auch Bürgermeister Herbert Hunkel, Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner sowie ehrenamtliche Helfer und auch Bedürftige. „Ich wollte nicht nur unsere Sicht darstellen, sondern auch jene, die von uns Lebensmittel und Hygieneartikel erhalten“, betonte Sator-Marx.

In der Gesprächsrunde wurde schnell klar, dass bei der Speisekammer nicht nur ein sehr engagiertes Team dafür sorgt, dass jeden Freitag buchstäblich der Tisch gedeckt ist, sondern dass es nur mit einer strammen Organisation so funktioniert, dass alle gleich behandelt werden – und sich auch so fühlen. „Der Typ in Essen hat aus meiner Sicht nur ein organisatorisches Problem; bei uns gelten eindeutige Regeln“, verwies Sator-Marx auf das Kontrollieren der Bedürftigkeit jedes Einzelnen. Zudem wird der Wohnort überprüft.

Wer bei der Speisekammer ankommt und die „Zugangsmodalitäten“ hinter sich hat, zieht eine Losnummer. Nach dieser Reihenfolge wird dann aufgerufen. Weiterhin hat Sator-Marx ein eindeutiges Identifikationsmerkmal für die Anzahl der Familienmitglieder erstellt. „Wer alleinstehend ist, bekommt kein Bändchen, wer in einem Zwei-Personen-Haushalt lebt, erhält ein rotes Bändchen – und wir haben sogar ein Lila-Bändchen für eine sechsköpfige Familie“, erklärt sie den beiden Abgeordneten.

Gesprächsrunde mit Nick Timm (von links), Bürgermeister Herbert Hunkel, den Landtagsabgeordneten Hartmut Honka und Mathias Wagner, Speisekammer-Leiterin Maria Sator-Marx, Stadtverordnetenvorsteherin Christine Wagner und Michael Kaul von der Flüchtlingshilfe.

Da läutet schon wieder ihr Handy, Maria Sator-Marx wirft einen kurzen Blick darauf: „Das ist nur mein Mann, der will wissen, was er noch bei Aldi einkaufen muss.“ Denn bestimmte Lebensmittel wie Konserven oder Hygieneartikel müssen dazu gekauft werden, um eine vollständige Versorgung mit alltäglich benötigten Dingen bieten zu können. „Aber bei uns gibt es keinen Anspruch auf irgendetwas. Wenn ich keinen Joghurt habe, dann gibt es halt keinen“, stellt die Leiterin klar. Für Bedürftige, die aufgrund einer Krankheit mal nicht kommen können, werden eigens entsprechende „Versorgungsboxen“ vom Helferteam gepackt, diese werden dann von städtischen Mitarbeitern ins Haus geliefert. „Ich kann ihnen aber sagen, dass die liebe Omi lieber selbst kommt und hier in ihrer Lieblingsecke einen Plausch halten kann“, schildert Maria Marx.

Dass der ehrenamtliche Dienst der Helfer auch eine entsprechende Anerkennung bei den Bedürftigen findet, bestätigten diese ebenfalls mehrfach. „Ich kann das alles nur ganz groß loben, ohne das, was ich hier erhalte, ginge es mir viel schlechter“, sprach Norbert Rödder nicht nur für sich. Derzeit kommen jeden Freitag durchschnittlich 130 Personen, manchmal sind es auch 150. „Noch können wir alle bedienen, aber wenn es noch mehr werden, müssen wir uns was überlegen“, so Sator-Marx.

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Die Landtagsabgeordneten zeigten sich beeindruckt. „Was wir hier erfahren und auch selbst gesehen haben, ist wahrlich beeindruckend und erfreulich. Aber es sollte für die Politik auch eine Verpflichtung sein, sich dafür einzusetzen, dass die Politik mehr dafür tun muss, dass es den sozial Schwächeren künftig besser geht“, so Mathias Wagner. Und Honka betont: „Dieses Engagement ist unserer vollen Anerkennung wert und ich vermag nicht zu ermessen, wie es in unserer Gesellschaft aussähe, gebe es die Speisekammer und die Tafeln bundesweit nicht“, so der Abgeordnete. (lfp)

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