Computerkurse und mehr speziell für „Offliner“

Chatten mit den Enkeln

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Sie starten im Quartier IV mit (von rechts) EDV-Trainer Justin Düttmann in die Welt von Computer und Internet: Renate Brack (72), Maria Schönwälder (85) und Brigitte Murmann (70).

Neu-Isenburg - Für Jüngere ist das Internet längst selbstverständlich, es hat unsere Welt durchdrungen. Für Ältere gilt das nicht unbedingt: Für Millionen Deutsche über 60 ist das Netz tatsächlich Neuland – sie verbinden es eher mit Angst und Sorge.

Die Stadt fährt nun gleich eine Palette von Angeboten auf, um die Generation der sogenannten „Offliner“ mit PC und Internet vertraut zu machen. „Manche älteren Leute schämen sich, zu erzählen, dass sie so gar keine Ahnung haben von einem Medium, das nun schon seit so vielen Jahren jeder gebraucht.“ Gerlinde Wehner, die Leiterin der Leitstelle Älterwerden im Kreis Offenbach, kann so einiges erzählen von „immer noch großen Hemmschwellen“, die ältere Menschen vor dem Computer haben. „Hier gilt es, Ängste abzubauen und sie kleinschrittig an die Materie heranzuführen. Andere haben bereits ihre ersten Erfahrungen mit elektronischen Medien gemacht, wenden sie jedoch nicht an. Dann gibt es auch noch die Gruppe der Internet-Nutzer, die bei der Anwendung an Grenzen stoßen und ihr Können erweitern wollen.“

Da die Kenntnisse bei der Zielgruppe sich stark unterscheiden, sei ein differenziertes Kursangebot notwendig. Wichtig sei der Leitstelle zudem, „dass auch Menschen, die finanziell benachteiligt sind, an dem Angebot teilnehmen können“. Deshalb bezuschusst die Einrichtung des Kreises das Projekt, mit dem die Stadt Senioren fit am PC machen möchte. Wehner betont, es gehe dabei nicht nur um Spaß – sondern in erster Linie „um die Teilhabe älterer Menschen an der modernen Kommunikationsgesellschaft: Ältere wollen nicht nur Zaungast sein, wenn es um die Nutzung moderner Medien geht.“ Die Stadt fährt nun mit Unterstützung der Leitstelle Älterwerden einiges auf, um den Zugang älterer Menschen zu PC und Internet zu ermöglichen. So hat etwa Carmen Schaaf, die den Fachbereich Soziales leitet, die sozialpädagogische Mitarbeiterin im Treff im Quartier IV beauftragt, „eine Konzeption zu entwickeln und das Projekt umzusetzen“.

Der Treff im Quartier IV wurde dafür von der Stadt mit einem Fairspot mit sicherem W-Lan ausgestattet, der von allen Besuchern und Bewohnern des Betreuten Wohnens kostenfrei genutzt werden kann. In Kürze soll dort außerdem ein Internet-Café für Senioren entstehen. „Naja, das wurde aber auch langsam Zeit, dass wir das endlich kriegen“, habe ein Bewohner ganz trocken die Pläne fürs Internet-Café kommentiert, berichtet Gundula Saurer, die als Sozialarbeiterin im Quartier tätig ist. Als Hardware-Ausstattung wurden fünf Laptops angeschafft, die flexibel eingesetzt werden können. Denn geplant ist, weitere städtische Standorte fürs Projekt mit ins Boot zu holen, wie zum Beispiel die Seniorenwohnanlage I im Pappelweg, den Bürgertreff im Westend und die Stadtteile.

20 Tipps: Sicher surfen und telefonieren

„Mit der Umsetzung des Projektes haben wir bereits im November begonnen“, erzählt Saurer. „Fünf Teilnehmerinnen, 70 bis 83 Jahre alt, starteten mit einem PC-Einsteiger-Kurs, der in fünf 90-Minuten-Einheiten von Justin Düttmann, einem erfahrenen EDV-Trainer, geleitet wurde. Ihm assistierte ein ehrenamtlicher Kursbegleiter, der den Teilnehmerinnen bei der praktischen Anwendung hilft. Zwei Folgekurse schlossen sich schon an.“ Auf die Frage, welche lebenspraktischen Bereiche er den Senioren vermittelt und was sie wissen wollen, antwortet Düttmann: „Es ist vor allem die Kommunikation mit den Menschen um sich herum.“ Das Chatten, Mailen oder Skypen etwa mit Kindern und Enkeln, die weiter weg leben, interessiere seine Kursteilnehmer. Was das Internet sonst noch so alles bietet – ob Einkäufe getätigt, Reisen gebucht oder Fahrpläne konsultiert werden –, davon haben viele Senioren laut Düttmann eine ziemlich genaue Vorstellung. „Wie das aber geht, davon haben sei teils gar keine Ahnung.“

Die Kurse sind für alle älteren Menschen, wobei auch Interessierte der Altersklasse 50 plus zugelassen werden. „Insbesondere hochaltrige Menschen sollen eine Chance zur Teilnahme bekommen“, betont der Magistrat. Der Schwerpunkt liege bei Leuten, die aus gesundheitlichen, kulturellen oder finanziellen Gründen benachteiligt sind. Sie erhalten eine Ermäßigung auf die Kursgebühr. „Da es oft schwerfällt, die eigenen Kenntnisse richtig einzuschätzen, beraten wir Interessierte und bieten an, in Kurse zu schnuppern“, so Düttmann. Auch könne jeder die kostenlose PC-Sprechstunde an jedem dritten Donnerstag im Monat (14 Uhr) im Quartier IV nutzen.

Verschiedene Kurse in Planung

Der nächste Computer-Einstiegs-Kurs für Senioren ohne jegliche Erfahrung startet am 14. April um 15 Uhr. In Planung sind derzeit des Weiteren Computer-Auffrischungs-Kurse sowie solche, die sich speziell auf die Einführung ins Internet oder das Surfen konzentrieren. Weitere Infos bei Gundula Saurer im Quartier IV, Tel.: 25124. Justin Düttmann verweist zudem auf das Schüler-Senioren-Projekt „Jung hilft Alt am PC“, das die Brüder-Grimm-Schule wieder in Kooperation mit dem Quartier IV veranstaltet. Dort gebe es noch freie Plätze.

hov

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