Neu-Isenburg

Marie Tischer (21) ist die Nachwuchshoffnung der deutschen Fahrsportszene

Marie Tischer mit ihrem zweifachen Weltmeister Fortino: Der acht Jahre alte Wallach ist das derzeitige Spitzenpferd der Fahrerin. Foto: jost
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Marie Tischer mit ihrem zweifachen Weltmeister Fortino: Der acht Jahre alte Wallach ist das derzeitige Spitzenpferd der Fahrerin. 

Neu-Isenburg – Die Karriere im Fahrsport verwundert im Umfeld von Marie Tischer wohl niemanden.

Ist die inzwischen 21 Jahre alte Studentin der Agrarwissenschaft doch mit den Pferden groß geworden, und ihr Vater Peter Tischer war in den Fahrsport-Arenen der Welt mit seinen Vierspännern überaus erfolgreich an den Leinen. „Für mich war es aber keine Selbstverständlichkeit, anzuspannen. Ich wollte eigentlich mit dem Kutschefahren nichts zu tun haben“, erinnert sich Marie Tischer und schmunzelt.

Zwei niedliche Shetlandponys vor dem Wagen stimmten sie um. Die eigene sportliche Karriere nahm Fahrt auf. Mit dem Wechsel aufs Großpferd kam Dreamgirl in ihr Leben. Mit der Stute fuhr sie großartige Erfolge ein. „Natürlich sind Platzierungen und Siege auf Meisterschaften Motivation“, verrät sie. Schon 2010, mit gerade einmal zwölf Jahren, fährt die Isenburgerin deutsche Jugendmeisterschaften, 2012 gewinnt sie dort ihren ersten Titel. 2016 bringt sie die Silbermedaille von den Europameisterschaften mit nach Hause. Dann bezieht Fortino eine Box der Familie Tischer im Stall auf der Anlage des Isenburger Reit- und Fahrvereins. Gemeinsam mit ihrem Vater bildet sie das Pferd aus: 2017 wird der junge Wallach Weltmeister im Einspänner mit ihr auf der Kutsche – und wiederholt diesen Sensationserfolg auch 2018 noch einmal. „Er ist ein Ausnahmepferd!“, schwärmt Tischer von dem hübschen Braunen. Gemeinsam mit ihm gelingt ihr der Sprung vom Perspektivkader in den Championatskader der Nationalmannschaft der Fahrer. Sechs Mitglieder hat das Team: „Drei von ihnen dürfen im Jahr 2020 auf die Weltmeisterschaft im französischen Pau. Mein Traum ist es schon, für Deutschland in dieser Mannschaft an den Start zu gehen. Ob das dieses Mal schon klappt, weiß ich allerdings nicht“, betont die junge Sportlerin, dass sie aber alles daransetzen wird. Bei den Sichtungsturnieren, unter anderem beim CHIO in Aachen und bei den Deutschen Meisterschaften, will sie auf jeden Fall dabei sein.

Auch wenn das Kutschefahren vielleicht ein bisschen bequem und romantisch klingt: Der Fahrsport ist ein echtes Abenteuer. Mit dem, was der Tourist vielleicht im Fiaker erlebt, ist die Sportart nicht zu vergleichen. Konzentration, Mut, sportliche Fitness – all diese braucht es, um in dieser anspruchsvollen Disziplin erfolgreich zu sein. Kutscher und Pferd kommunizieren über die Leinen, auch die Stimme kommt zum Einsatz. Zur Sicherheit ist immer ein Beifahrer mit auf der Kutsche. Auf dem Turnier muss das Team aus Menschen und Tier drei Teilprüfungen absolvieren: Zunächst steht eine Dressurprüfung an – die Paradedisziplin von Tischer und ihrem Fortino. Danach geht’s ins Gelände, über die Hügel, bergauf, bergab, in Wasser und in Schlamm und durch enge Hinderniskombinationen, wo Mut gefragt ist – bei Fahrer und Pferd. „Letztes Jahr bin ich im Training einmal von der Kutsche gefallen – zum Glück blieb Fortino brav stehen“, erzählt Tischer, dass ihr Sport auch nicht ganz ungefährlich ist. Beim abschließenden Kegelfahren auf Zeit müssen alle Bälle auf den Pylonen liegen bleiben. Das sind die Fähigkeiten, die sie mehrmals in der Woche trainiert.

Seit drei Semestern ist die Studentin in Gießen an der Uni. „Aber ich pendle schon oft hin und her. Das geht aber nur, weil ich hier im Stall ein gutes Team habe“, bedankt sich die Fahrerin. Ihr Vater fährt die insgesamt drei Turnierpferde auch schon mal, Pferdewirtschaftsmeisterin Alex Freimuth reitet Fortino, eine Praktikantin hilft regelmäßig. „Und auch meine Mutter hat einen großen Anteil an meinen Erfolgen. Sie macht mir nie Stress, hat immer Verständnis“, weiß Tischer, dass es nur im Team funktioniert. Die Zusammenarbeit mit ihrem Vater als Trainer beschreibt Marie Tischer übrigens als unproblematisch: „Das war nie schwierig zwischen uns. Mein Vater ist ein Typ, der kann schon mal hochgehen. Aber ich kann das Trainer-Schüler-Verhältnis gut zwischen der Vater-Tochter-Beziehung trennen. Inzwischen ist es ohnehin so, dass wir die Pferde gemeinsam ausbilden, das macht schon viel Spaß.“

Ihre beruflichen Ziele könnten auch im Pferdesport liegen: Nach dem Studium der Agrarwissenschaften will sie den Master in Pferdewissenschaften oben draufsetzen. Schon jetzt ist die Isenburgerin beim Bundesverband der Reiter und Fahrer, der FN, ehrenamtlich aktiv. Sie ist Bundesjugendleiterin im Ressort Fahren und aktiv im Fahrausschuss.

VON NICOLE JOST

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