Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf

Einspruch gegen Deponie der Fraport: PFC könnte ins Grundwasser gelangen 

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Die Fraport-Vertreter Sören Fornoff, Udo Peter Bauck und Christian Engel (von links) erklärten im Ortsbeirat den Sachverhalt aus ihrer Sicht. 

Gegen das umstrittene geplante Bodenlager der Fraport zum mit PFC belasteten Erdaushub wollen die Städte Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf gemeinsam vorgehen.

  • Deponie der Fraport mit Chemikalie PFC belastet
  • Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf erheben Einspruch gegen das geplante Bodenlager
  • Kontamination des Grundwassers wird befürchtet

Neu-Isenburg – Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf wollen Einspruch gegen ein geplantes Bodenlager der Fraport einlegen. In dem Erdaushub aus einem ehemaligen Flughafengelände der US-Armee ist die Chemikalie PFC nachgewiesen. Es wird die Kontamination des Grundwassers befürchtet. 

Die Stadtverwaltungen wollen eine Stellungnahme beim Regierungspräsidium Darmstadt einreichen, um ihre Kritik zu äußern. Zum Thema gab es am Mittwochabend eine Sondersitzung des Ortsbeirats Zeppelinheim.

Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf: Deponie der Fraport - Neue Grenzwerte für PFC

Der Erdaushub des Terminals drei beträgt an die 600 000 Kubikmeter und lagert derzeit neben der Baugrube. Was laut Fraport bis 2018 noch als ganz normaler Erdaushub galt, sei durch neue Grenzwerte des Regierungspräsidiums (RP) zum Problem geworden. Das vorwiegend sandige Aushubmaterial ist mit Poly- beziehungsweise Perfluorierten Chemikalien (PFCs) belastet, die aus dem verwendeten Feuerlöschschaum auf dem ehemaligen US-Airportgelände stammen und im Verdacht stehen, Krebs zu erregen.

Aufmerksam auf den Sachverhalt wurde die Stadt Mörfelden-Walldorf, die auf einen Antrag der Fraport für eine Deponie auf eigenem Gelände – für die Dauer von fünf Jahren – stieß. Neu-Isenburg, insbesondere Zeppelinheim, zeigten sich „alarmiert“ und forderten Aufklärung. Befürchtungen gibt es wegen einer möglichen Kontaminierung des Grundwassers mit PFC sowie einer Verbreitung des belasteten Sandes durch Winde. „Unser Hauptanliegen ist eine gefahrlose und schnellstmögliche Entsorgung des kontaminierten Erdaushubs“, so Bürgermeister Herbert Hunkel.

Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf: Umstrittene Deponie von Fraport - Neue PFC-Grenzwerte des Regierungspräsidiums

Da Einsprüche nur noch bis zum 6. März beim RP möglich sind, war Eile angesagt. So wurde mit Morten Mehler ein Fachanwalt für Baurecht beauftragt und die Sondersitzung des Ortsbeirats einberufen. Fraport war mit dem Leiter Infrastruktur, Udo Peter Bauck, sowie Sören Fornoff und Christian Engel von der Unternehmenskommunikation vertreten.

Herbert Hunkel kritisierte noch einmal die mangelnde Kommunikation seitens des Unternehmens. Die technischen Hintergründe erläuterte Dr. Markus Bucher, Leiter des städtischen Umweltamtes: „Insgesamt wurden dort im Erdreich 13 verschiedene PFC-Verbindungen gefunden, die meisten im unkritischen Bereich, einige wenige jedoch nahe oder über den Grenzwerten.“ Das geplante Zwischenlager im Süden des Flughafengeländes habe eine Ausdehnung von 470 mal 160 Metern und befinde sich zweieinhalb Kilometer von Zeppelinheim entfernt.

Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf: Mögliche PFC-Belastungen für Zeppelinheim durch Deponie von Fraport

Fachanwalt Mehler will gegen die Deponie Einspruch beim Regierungspräsidium und bei der Stadt Frankfurt als Baugenehmigungsbehörde einreichen. Ferner verwies er auf mögliche Belastungen für Zeppelinheim durch einen Abtransport. „Dafür sind über 92 000 LKW-Bewegungen notwendig, das kann nicht geräuschlos gehen“, so Mehler.

Die von der Stadt Mörfelden-Walldorf zur Verfügung gestellte Karte, zeigt die Stellen mit den PFC-Belastungen auf dem Gelände der ehemaligen Air-Base. ©Postl

Fraport-Vertreter Bauck berichtete von 33 Kernbohrungen bis in 40 Meter Tiefe vor Beginn der Arbeiten, die an wenigen Stellen eine mögliche problematische PFC-Konzentration aufgewiesen hätten. „Sicherheitshalber haben wir diesen Aushub auf eine wasserundurchlässige Folie gelagert, um das abfließende Wasser aufzufangen und zu reinigen“, so Bauck. Mit der neuen Grenzwertverordnung, für die es bundeseinheitlich noch keine Gesetzesgrundlage gebe, sei man mit Problemen konfrontiert worden, die so nicht absehbar gewesen seien. Derzeit sei man aber in guten Gesprächen mit Deponie-Betreibern im Ruhrgebiet und könne den Großteil dort entsorgen. In Frage käme auch eine „chemische Reinigung“ bei Ingolstadt, doch die Anlage warte noch auf die Betriebsgenehmigung.

Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf: Umstrittene Deponie der Fraport: bis zum 25. März sollen die Fragen geklärt sein

Hunkel forderte Fraport auf, bis zur Stadtverordnetenversammlung am 25. März alle offenen Fragen zu beantworten. Die Zeichen für eine baldige Lösung stehen zumindest gut – und Fraport sicherte eine bessere Kommunikation zu.  

lfp

Bereits imOktober 2019 hat die Stadt Mörfelden-Walldorf eine Umweltprüfung zum geplanten Fraport-Zwischenlager gefordert.

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