Gegen weltweite Konkurrenz

Bei „mt druck“ lassen sich die Umbrüche der Branche gut nachvollziehen

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Von der „Schwarzen Kunst“ zum Laserstrahl hat sich die Branche entwickelt. Natürlich verfügt das Unternehmen aber auch weiterhin über alte Bleisatzmaschinen. Der technische Betriebsleiter Bernhard Pries zeigt den Umgang damit.

Neu-Isenburg -  Vor 550 Jahren, am 3. Februar 1468, starb Johannes Gutenberg, der Erfinder des Buchdrucks. Diese weitreichende Erfindung veränderte das Leben und die mittelalterliche Gesellschaft. Nun sieht sich die Branche seit Jahren mit einem großen Umbruch konfrontiert. Von Leo F. Postl 

Das lässt sich beim Traditionsunternehmen „mt druck“ gut nachvollziehen.
Es rumst hin und wieder mächtig im Hause in der Carl-Friedrich-Gauß-Straße 6. „Da werden nicht schwere Druckplatten aufs Papier gepresst, sondern das ist die Schneidemaschine, die zum Nuten, Prägen und Perforieren genutzt wird – aber früher haben wir damit auch noch bedruckt“, erklärt Andreas Thiele. Der Geschäftsführer des Druckhauses „mt druck“ und des Verlags „momos“ hat die Arbeit in einem Druckereibetrieb nicht nur von der Pike auf durchlaufen, sondern den wohl größten Umbruch des Druckens in so kurzer Zeit miterlebt.

„Ich kann mir gut vorstellen, wie es in einer Druckereianstalt von Gutenberg zugegangen sein mag, denn auch ich habe selbst noch Klischees mit Hirschleder geputzt – da brauchte man keine Drogen mehr“, verweist Thiele auf Arbeitsweisen, die heute unvorstellbar wären.

Bis 1450 war die gängige Drucktechnik in Europa der Holztafeldruck. Bei dieser Technik musste man den Text oder das Bild mühsam spiegelverkehrt in einen Holzblock schneiden. Dann wurde das „geschnitzte Relief“ mit Farbe bedeckt und anschließend legte man ein Blatt Papier auf den Holzstock und „drückte“ die überstehenden Teile so ab. Die Bibel und andere wichtige Bücher wurden von Mönchen in einem aufwendigen Verfahren Zeichen für Zeichen eher gemalt als geschrieben.

Johannes Gutenberg (1428 - 1468) entwickelte erstmals in Europa ein Druckverfahren mit beweglichen Lettern. Der Text wurde dabei aus einzelnen Buchstaben, Satzzeichen und oft benutzten Kombinationen zusammengesetzt. Um identische Letter herzustellen, machte Gutenberg eine weitere wichtige Erfindung – das Handgießinstrument. Buchstaben und Zeichen wurden aus Blei hergestellt. Außerdem entwickelte er die Druckerpresse, die einen schnellen und gleichmäßigen Druck ermöglichte. Der erste Druck nach dem neuen Verfahren war ein Gedicht, welches Gutenberg selbst verfasst hatte. Sein größter Verdienst für die (europäische) Menschheit war der Druck der Bibel, die Martin Luther ins Deutsche übersetzt hatte. Man mutmaßt gar, ohne Gutenbergs „Massendruck“ wäre die Reformation gescheitert.

Zurück ins Haus „mt druck“ im Osten von Neu-Isenburg. Dort hat sich das Familienunternehmen Walter Thiele nach seinem Wegzug aus Frankfurt im Jahre 1994 auf 2 000 Quadratmetern eine neue Betriebsstätte geschaffen. 2003 war man Feldtest-Partner der weltberühmten Druckmaschinenherstellers Heidelberg. Nach zehn Jahren am neuen Standort hatte die Firma mehr als drei Millionen Euro in neue Technik investiert und mehr als zehn Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen ausgebildet. „Ein Jahr war der damalige Bundeswirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement bei uns und dankte uns für unser unternehmerisches Engagement“, zeigt Thiele auf ein Erinnerungsfoto, das ihn mit seinem Vater Walter neben dem Minister zeigt. „Auf dieser Bleisatzmaschine musste Clement seinen Namen erstellen“, schmunzelt er heute noch über die besondere Aufgabe, die Clement aber dennoch meisterte.

Bis 2004 investierte „mt druck“ weitere zwei Millionen Euro in modernste Technik zur Absicherung von Qualität und Geschwindigkeit – beides war vermehrt als „Überlebensgarantie“ gefragt. „Mit der modernen weltweiten Kommunikation war plötzlich ein gewaltiger Preis- und Konkurrenzkampf entstanden, dem wir uns stellen mussten“, beschreibt Thiele den Beginn einer schwierigen Zeit, die noch nicht überwunden ist. Nur im Team mit allen Mitarbeitern, davon ist der Geschäftsführer überzeugt, können die Herausforderungen gemeistert werden. „Alle wollen beste Qualität zu einem möglichst günstigen Preis, damit stehen wir einer weltweiten Konkurrenz gegenüber“, so Thiele. Ein wichtiger Schritt war deshalb auch 2016 die Modernisierung der Druckvorstufe mit einem umweltfreundlichen Druckplattenbelichter.

OP auf der Buchmesse in Frankfurt: Bilder

Aber auch das gesellschaftliche Engagement ist schon immer eine persönliche Verpflichtung gewesen. „Wir sind ein Unternehmen, das über den Tellerrand blickt und sich hier in verschiedenen Bereichen engagiert“, betont Thiele. Ein Beispiel hierfür war 2007 die Auszeichnung mit dem Umweltpreis der Stadt. Das Konsistorienbuch, das Neu-Isenburger Geschichtsbuch oder die Stadtillustrierte „Der Isenburger“ sind Beispiele besonderer Druckwerke aus dem Hause „mt druck“.

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