Stadt holt Erzieher aus Spanien

Neue Wege wider den Personalmangel in den Kitas

Neu-Isenburg - Für den Ausbau der Kinderbetreuung fehlt Personal. Um Erzieher ist in Deutschland ein regelrechter Konkurrenzkampf entbrannt, während in Spanien viele auf der Straße sitzen.

In Neu-Isenburg geht man daher nun neue Wege, um den Erziehermangel zu beheben: Elf junge Spanier treten bald ihren Dienst an. „Der Markt für Erzieher ist seit einem Jahr wie leer gefegt“, sagt Bürgermeister Herbert Hunkel. Da helfe es auch nicht, dass Neu-Isenburg zum Beispiel eine übertarifliche Bezahlung nach S8 biete – „wir können den Bedarf an qualifiziertem Personal nicht decken“. In den städtischen, kirchlichen und den Einrichtungen der freien Träger werden nach wie vor dringend Erzieher gebraucht. Deswegen sollen nun neue Wege beschritten werden: Auf Vermittlung des Personaldienstleisters „Health, Medical & Care“ hat die Stadt elf junge Männer und Frauen aus Spanien für den Erziehungsberuf gewinnen können. Die ersten sechs werden bereits im Februar erwartet, weitere fünf folgen im Juni.

Die Suche im Ausland sei deshalb erfolgreicher, weil wegen der Wirtschafts- und Finanzkrise viele Erzieher in Spanien keine Anstellung fänden, berichtet der Magistrat. Die Frauen und Männer, die nun in die Hugenottenstadt kommen, verfügten alle über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Und was ist mit Sprachproblemen? Der Rathauschef antwortet, dass alle Neuankömmlinge bereits einen Deutschkurs besucht haben. Wenn sie dann in Isenburg angekommen seien, werde die Sprachförderung vor Ort gleich ab Februar zudem weiter unterstützt.

Keine ganz neue Idee

Ganz neu ist die Idee, Erzieher aus Spanien zu holen, übrigens nicht mehr – auch nicht in Isenburg: Bereits seit Mitte November verstärken zwei junge Spanierinnen das Team der katholischen Kindertagesstätte St. Franziskus. Ein Schritt im Kampf gegen den Personalmangel, den Kita-Leiterin Claudia Sturm bisher nicht bereut hat: „Was die beiden Erzieherinnen anbelangt, kann ich wirklich nur positiv berichten“, sagt die freundliche Frau, wenn man sie auf das Thema anspricht. Alles laufe sehr gut, „beide passen gut ins Team“, ergänzt Sturm. Auch sei es dank der Mithilfe von Eltern, deren Kinder die Kita besuchen, schnell gelungen, für die beiden jungen Damen (beide sind um die 30) ein Dach über dem Kopf zu finden. Gemeindemitglieder spendeten Möbel und Co.

Auch die sprachlichen Hürden gelinge es immer besser zu nehmen. Ein wenig steinig sei allerdings momentan noch die Anerkennung, das laufe in anderen Bundesländern leichter. Aber Claudia Sturm betont: „Ich bin froh, dass wir diesen Weg gegangen sind.“ Denn auch die Kita-Leiterin hat erlebt, wie schwer es ist, Personal zu finden; an einem Nachmittag gibt es sogar nur eine Notgruppe, weil nicht genug Erzieher für den Vollbetrieb zu kriegen sind.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Auch bei der Stadt setzt man große Hoffnung ins neue Personal aus Spanien; zumal bald beispielsweise die Kita-Erweiterung am Dreiherrnsteinplatz in Gravenbruch in Betrieb geht. In einer Sache bittet Hunkel die Isenburger um Hilfe: „Die Stadt sucht für die elf spanischen Erzieher schnellstmöglich, bis Ende Februar, sechs möblierte Wohnungen in Neu-Isenburg.“ Hierzu wolle man auch private Zimmeranbieter direkt ansprechen. Fragen dazu beantwortet Marion Wagner, die Leiterin des Fachbereichs Personalwesen, unter 06102/241711.  (hov)

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