Traum von der Tram

Neujahrsempfang der Grünen auch ein Forum für Visionen

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Um Grünen-Fraktionschefin Maria Sator-Marx (vorne, Sechste von rechts) scharen sich die Ehrengäste sowie die Hauptrednerin des Empfangs, Deborah Düring (Neunte von links), Sprecherin der Grünen Jugend Hessen.

Manchmal werden Träume doch wahr. Und es braucht Visionen, um Ziele zu erreichen. Dies sind die Erkenntnisse aus den Reden von Grünen-Fraktionschefin Maria Sator-Marx und Deborah Düring, Sprecherin der Grünen Jugend Hessen, beim Neujahrsempfang der Partei.

Neu-Isenburg – Sator-Marx gibt freudig zu, jetzt wieder öfters zu träumen: von einer Straßenbahn durch die Frankfurter Straße und auch weiter gen Sprendlingen. Und Düring will für die Vision einer gerechten Welt für alle kämpfen und fordert, nicht in Legislaturperioden, sondern in Generationen zu denken.

Auf den Tischen im Saal des Hauses der Vereine leuchten am Freitagabend naturgereifte Orangen, erworben direkt vor dem Vereinshaus bei einem Erzeuger aus Sizilien, der dort derzeit seinen Stand hat. „Wenn diese Früchte schon nicht bei uns wachsen, dann soll man sie aus Erzeugerstandorten so nah als möglich erwerben“, sagt Vorstandssprecher Günther Marx. Gut, es gebe nähere Orangenhaine, doch Sizilien sei näher als Chile oder Argentinien. Nach einem Musikblock, gestaltet von der Trommelgruppe der VHS, begrüßt Marx die Gäste, darunter viele Vertreter anderer Parteien, und betont: „Wir sind eine Partei mit recht offener politischer Ausrichtung, wir verfolgen keine bestimmte Ideologie“, sondern man orientiere sich an Zielen, die allen guttun. „Wir Grüne haben in letzter viel Zuspruch, vor allem durch die junge Generation. Deshalb wollten wir auch einer Vertreterin dieser jungen Gesellschaft, der die Zukunft gehört, hier die Gelegenheit geben, ihre Ansichten vorzutragen“, erläutert Marx.

Zunächst aber geht Maria Sator-Marx auf die gesellschaftliche Situation allgemein in Neu-Isenburg ein. Es sei schön zu sehen, „wie man so gut und so friedvoll hier in Neu-Isenburg miteinander leben kann“. Die Fraktionschefin der Grünen hinterfragt aber auch ihre mittlerweile 35 Jahre im Isenburger Parlament: „Wie war es damals, was habe ich da getrieben, und was ist heute?“ Sie verweist darauf, dass man vor rund 20 Jahren schon mal eine Flüchtlingskrise bewältigt habe, als viele ihre Heimat in Ex-Jugoslawien, aber auch Afrika verlassen hatten. Das sei mit der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Irak, Afghanistan und Syrien wieder gelungen. „Alle, die es wollten, haben hier bei uns eine vorbildliche Unterstützung erhalten“, betont Sator-Marx.

„Wir haben damals über die Einrichtung von Kinderbetreuungsstätten diskutiert, über eine mögliche U3-Betreuung und über Schülerbetreuung. Heute haben wir das alles und nicht nur wir Grünen sind stolz darauf“, sagt sie. Auch wenn es sie manchmal fuchst, dass so viele in der Hugenottenstadt erwirtschaftete Gelder wieder abgeführt werden müssen, könne man dennoch zufrieden sein, so die Grüne. „Noch sind wir nicht ganz zufrieden, denn wir brauchen eine Neustrukturierung des Individualverkehrs mit neuen Schwerpunkten“, so Sator-Marx mit Blick auf fehlende Radwege. „Wir haben einstimmig den Anschluss an die Regionaltangente West, sogar die Verlängerung ins Birkengewann, beschlossen und wir Grünen träumen immer noch von einer Straßenbahn durch unsere Stadt“, betont sie. Und gibt die Devise aus: Steter grüner Tropfen höhlt auch noch so harten (schwarzen) Granit.

Deborah Düring stellt sich dann erst einmal vor. „Ich bin die Debby, habe einen Master für Internationale Studien, Friedens- und Konfliktforschung“, berichtet die 24-Jährige. „Wir bekommen immer gesagt ,Ihr seid die Zukunft‘, da liegt ganz viel Last auf unseren Schultern – also müssen wir auch was tun.“ Ihre kurzfristigen Visionen reichten erst einmal bis 2030, denn auch in dieser kurzen Zeit gebe es viel zu tun. „Wir haben nur diese eine Welt, deshalb wollen wir, die junge Generation, dafür kämpfen, dass es weiter geht“, so Düring. Ihr Wunschweltbild zeichnet sie als eine Welt, in der jeder Mensch als solcher akzeptiert und respektiert wird, frei leben kann, ohne durch welche Grenzen auch immer beschränkt zu werden. „Ich will meinen Kindern nicht sagen müssen, dass ich nicht für alle Menschenrechte gekämpft habe.“

VON LEO F. POSTL

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