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Ärger bei Mietern: Immobiliengesellschaft repariert Wasserschaden monatelang nicht

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Von: Joel Schmidt

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Hans Willy Clausen, Bewohner im Schönbornring 1 in Gravenbruch
Hans Willy Clausen ist selber mal Hausmeister im Schönbornring 1 gewesen, kennt das Hochhaus und die darin verbaute Technik gut. © Schmidt

In Neu-Isenburg wird monatelang ein Wasserschaden nicht repariert. Während die Mieter über Schimmel klagen, betont die Hausverwaltung ihr umsichtiges Handeln.

Neu-Isenburg – Die Wandschränke in ihrer Küche können Hans Willy und Waltraud Clausen nur noch auf den Sperrmüll bringen. Zu stark sind diese vom Schimmel befallen, der sich mittlerweile vom Badezimmer bis zur angrenzenden Küchenwand vorangekämpft hat. „Es wird immer schlimmer“, sagt der 74-Jährige und meint damit den modrigen Geruch in der Küche – die Folge eines verschleppten Wasserschadens, den er bereits vor vier Monaten der Hausverwaltung gemeldet hat. Diese machte damals einen Großschaden an der Kaltwasserleitung des Gebäudes als Ursprung aus, veranlasste die Reparatur, hielt die Angelegenheit damit für erledigt.

Doch für das Ehepaar fing damit der Ärger erst so richtig an. Hans Willy Clausen war schnell klar, dass es einen weiteren Wasserschaden in der Wohnung über ihnen geben muss, der nicht Teil besagter Reparaturen gewesen sei. Er selber ist fünf Jahre lang Hausmeister in dem Gebäude gewesen, kennt daher das Hochhaus mit seinen 44 Wohnungen und die darin verbaute Technik.

Aber alle Versuche, mit der Hausverwaltung in Kontakt zu treten, um sie über den Schaden zu informieren und die Folgekosten so gering wie möglich zu halten, verlaufen seinen Angaben nach im Sande. „Die haben einfach nicht mehr auf meine Nachfragen reagiert“, erinnert sich der Rentner. Als die Schimmelsporen sich immer weiter ausbreiten, die Küchenschränke längst nicht mehr zu benutzen sind, beschließt er, die Miete um 30 Prozent zu mindern. Jedoch ohne Erfolg: Obwohl er die Einzugsberechtigung widerruft, bucht die Grand City Properties (GCP), der das Hochhaus im Schönbornring 1 gehört, weiterhin den gesamten Betrag von seinem Konto ab. „Das geht so nicht mehr“, ärgert sich auch die zehn Jahre jüngere Waltraud Clausen.

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Folgen des Wasserschadens: Bad und Küche in Neu-Isenburg kaum mehr nutzbar

Irgendwann reicht es dem Ehepaar. Mit Hilfe des Mietervereins Dreieich und Umgebung lassen sie ein anwaltliches Schreiben aufsetzen, konfrontieren das Unternehmen mit den festgestellten Mängeln – und stoßen wieder nur auf taube Ohren. „Es ist wirklich eine Schweinerei, dass in einem Haushalt von Rentnern diese Mängel bestehen, Bad und Küche kaum nutzbar sind und auf Beschwerden einfach nicht reagiert wird“, sagt der vom Mieterverein beauftragte Anwalt Christian Bertozzi.

Auf Nachfrage unserer Zeitung heißt es seitens der GCP, eine Fachfirma sei bereits mit den Reparaturarbeiten beauftragt und werde sie ab dieser Woche ausführen. Des Weiteren habe man über den gesamten Zeitraum im Austausch mit Herrn Clausen gestanden, stets „schnell und umsichtig“ gehandelt, wie es „unserem Verständnis einer guten und ordentlichen Hausverwaltung entspricht“. Auch „zum Sachverhalt der Mietminderung“ stehe man miteinander in Kontakt. Generell sei das Unternehmen „rund um die Uhr, auch an Wochenenden und Feiertagen auf zahlreichen Kanälen für unsere Mieterinnen und Mieter ansprechbar“.

Es ist eine Schweinerei, dass in einem Haushalt von Rentnern diese Mängel bestehen und auf Beschwerden einfach nicht reagiert wird.

Christian Bertozzi, Anwalt

Neu-Isenburger sind verunsichert: Wohnungsunternehmen weist alle Schuld von sich

Dass eine Firma angekündigt habe, sich in den kommenden Tagen um den Schaden zu kümmern, kann Hans Willy Clausen bestätigen. Zum gegenseitigen Austausch sagt er indes: „Das stimmt nicht, keiner hat sich mit mir in Verbindung gesetzt.“ Das letzte, was er zur Mietminderung gehört habe, sei zudem eine Mahnung gewesen.

Aktuell befinden sich in Neu-Isenburg etwas mehr als 200 Wohnungen im Besitz des börsennotierten Unternehmens GCP, das seinen Firmensitz in Luxemburg hat. Bundesweit sind es über 63. 000 – der Großteil davon in dicht besiedelten Gebieten, etwa in Berlin, Nordrhein-Westfalen oder dem Rhein-Main-Gebiet.

Schimmel und Überschwemmungen: Nach Wasserschaden in Neu-Isenburg leiden die Mieter

Auf der Homepage wird das Geschäftsmodell als „Neupositionierung und Optimierung von Wohnimmobilien“ beschrieben, Aktionäre haben in den vergangenen Jahren eine Dividende von rund 140 Millionen Euro ausgezahlt bekommen. Die Frage nach weiteren bekannten Mängeln in dem Haus lässt das Unternehmen unbeantwortet, betont stattdessen, dass man zur Steigerung der Wohnqualität „kontinuierlich in die Wohnungen und Gebäude“ investiere.

Hochhaus im Schönbornring 1 in Gravenbruch
Etwas mehr als 200 Wohnungen in Neu-Isenburg gehören dem Immobilienunternehmen Grand City Properties (GCP). © Schmidt

Obwohl Hans Willy Clausen schon lange kein Hausmeister mehr ist, teilen ihm noch immer viele der Bewohner ihre zahlreichen Beschwerden mit. Sie erzählen dem Rentner von „kaputtem Laminat, Schimmel und Wasserschäden“. Ein Blick in den Fahrradabstellraum neben dem Hauseingang untermauert seine Schilderungen: Die Hälfte des Bodens steht unter Wasser. Wo keine Flüssigkeit mehr zu sehen ist, hat sich längst pelziger Schimmel breitgemacht. „Das ist schon seit mindestens sechs Wochen so“, sagt Hans Willy Clausen mit verbitterter Stimme und zeigt auf an der Decke verlaufende Rohre, die er als Ursache vermutet. (Joel Schmidt)

Um neuen Wohnraum für mehr Menschen zu schaffen, wird in Neu-Isenburg gerade ein Gebäudekomplex mit Wohnungen und einem Supermarkt gebaut. 126 Mietwohnungen sind in dem Neubau geplant.

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