Neue Werke im Projektraum KunstVoll

Große Kunst im kleinen Raum

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Kunstsammler und Galerist Robert Funcke mit seiner Lebensgefährtin Silvie Biewald am Kunstwerk aus der Serie „Capital Projekt“.

Neu-Isenburg - Robert Funcke, in Neu-Isenburg lebender Kunstsammler und Galerist, fühlt sich berufen, große Künstler in die Region, insbesondere die Hugenottenstadt zu holen. Freilich nicht immer persönlich, aber zumindest mittels ihrer Kunstwerke. Von Leo F. Postl 

Dafür hat Funcke in der Frankfurter Straße eigens einen Raum angemietet und so unter dem Namen KunstVoll so umgestaltet, dass er die jeweils gezeigten Werke richtig zur Geltung bringen kann. „Diese Räumlichkeiten haben zwar nicht die Idealmaße, doch für den Anfang sollte es reichen“, meint der Kunstsammler und zielt dabei auf sein großes, aber gescheitertes Vorhaben ab, unweit und ebenfalls in der Frankfurter Straße einen „richtigen“ Kunsttempel zu schaffen.

Eine Kunsthalle, in der er Werke aus seiner eigenen Sammlung entsprechend präsentieren kann und die auch Platz bietet für Wechselausstellungen, ein gehobenes Künstler-Café und eine Raucherlounge, sollte dort entstehen, wo sich einst „Volker’s Kramladen“ befand. Zwei Gebäude wollte Funcke dafür abreißen und etwas Einmaliges in Sachen Kunst außerhalb der benachbarten Metropole Frankfurt entstehen lassen. „Ich wollte etwas Besonderes auch für Neu-Isenburg schaffen“, so Funcke. Seine Betonung liegt dabei auf „wollte“, denn mittlerweile hat er diesen Lebenstraum aufgegeben.

Probleme mit den Mietern

Die Werke im Projektraum KunstVoll in der Frankfurter Straße 47 können montags bis freitags von 15 bis 19 Uhr, samstags von 11 bis 15 Uhr oder nach Vereinbarung (0172/7136537) betrachtet werden.

„Da gibt es so viele Probleme mit den Mietern, die nicht ausziehen wollen, und wenn es dann ein Zeitfenster für einen möglichen Abriss gäbe, fällt der bestimmt in die Schutzzeit der Fledermäuse, die dort hausen“, schildert der Galerist etwas enttäuscht nur einige der Hürden, die ihm begegnet seien. Er hat aber auch das Gefühl, dass sein Vorhaben nicht so im Sinne der Stadt war. „Die hatten vielleicht Befürchtungen, dass dort zu viele Partys stattfinden“, so Funcke. Es könne aber auch sein, dass man eine zu große Konkurrenz zur Stadtgalerie befürchtete. Dem Vernehmen nach soll sich an der Stelle im Stadtkern dennoch etwas verändern. Die Rede ist etwa von einem Objekt für betreute Wohnungen.

Wie groß die Resonanz auf anspruchsvolle Kunst in der Hugenottenstadt ist, zeigte sich bei der Eröffnung der neuen Ausstellung am Freitagabend. Im Projektraum „KunstVoll“ zeigt Robert Funcke jetzt die Werke von Peter P. Hopkins und Ian Davenport. „Die Kunstwerke stammen aus dem Fundus eines befreundeten Galeristen in Düsseldorf, ich konnte in die Vollen gehen und frei auswählen“, freut sich Funcke über den Coup.

Der US-Amerikaner Peter P. Hopkins, der 1955 in Massachusetts geboren wurde und heute in Brooklyn und Connecticut arbeitet, gilt als Meister des „Recyclings“ – freilich nicht im wirtschaftlichen, sondern vielmehr im künstlerischen Sinne. Hopkins hat auf seinen Streifzügen durch die Straßen immer wieder verwertbare Fundstücke wie Bleche, Plastikteile oder Folienreste eingesammelt und diese dann später zu eigenwilligen Kunstwerken verarbeitet. Da der Künstler nicht mehr öffentlich ausstellt (seine Homepage endet 2009), ist diese Schau etwas Besonderes.

Abfall ästhetisch dargestellt

„Der hat Sachen gesammelt, die hätte ich bestimmt stehen gelassen“, zielt Kuratorin Esther Erfert auf verschiedene Giftsubstanzen ab, die Hopkins in seinen Kunstwerken – freilich bestens versiegelt – mit verarbeitet hat. „Hopkins bringt den Abfall seiner Umgebung buchstäblich ans Licht und ästhetisiert in gar“, so Erfert.

Ian Davenport, geboren 1966 in Kent, Großbritannien, lebt und arbeitet heute in London. „Als er auf der Suche nach einer neuen künstlerischen Richtung das Fließen eines Farbtropfens beobachtete, war er fasziniert. Die Schwerkraft und die Zufälligkeit des Weges, den er sich bahnt, brachten ihn auf die Idee, in dieser Richtung zu experimentieren“, beschreibt Esther Erfert. Davenport verlangt aber eine intensive Beschäftigung mit seinen Kunstwerken, um die nahezu verborgenen Botschaften zu erkennen.

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