Mit dem Rollator sicher in den Bus

Spezielles Trainingsangebot der Stadtwerke kommt bei Senioren gut an

Sicher und wendig mit dem Rollator hantieren: Gerade beim Aussteigen passieren viele Unfälle, wenn die nicht per Feststellbremse gesicherte Gehhilfe davonrollt. Den richtigen Umgang trainierten die Senioren mit Referent Christian Andersch. 
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Sicher und wendig mit dem Rollator hantieren: Gerade beim Aussteigen passieren viele Unfälle, wenn die nicht per Feststellbremse gesicherte Gehhilfe davonrollt. Den richtigen Umgang trainierten die Senioren mit Referent Christian Andersch. 

Sie sind ein Segen für ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind. Rollatoren erhalten ihnen die Mobilität oder stellen sie wieder her – und tragen so ein Stück weit zur Unabhängigkeit bei.

Neu-Isenburg – Wie man die Gehhilfen in öffentlichen Verkehrsmitteln – speziell als Busfahrender – am besten handhabt, erfahren Interessierte bei einem speziellen Rollatorkurs, den die Stadtwerke nun wegen der großen Nachfrage schon zum zweiten Mal anboten – und beide Termine waren ausgebucht. „Wir wollen einerseits, dass sich ältere Menschen so lange als möglich selbstständig im öffentlichen Raum bewegen können, dann müssen wir auch andererseits dafür sorgen, dass die Voraussetzungen, gerade was die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel betrifft, ihren Bedürfnissen angepasst werden “, sagt Kirk Reinke, Geschäftsführer der Stadtwerke. „Wir wollen gerade jenen Nutzern, die auf Rollatoren angewiesen sind, zeigen, wie sie sicher mit unseren Bussen fahren können“, so Reineke. „Wir sehen es als unsere gesellschaftliche Verpflichtung an, solche hilfreichen Kurse anzubieten. “.

Der Seminartag beginnt in der mit einem Hütchen-Parcours zum speziellen Seminarraum umgestalteten Kantine der Stadtwerke. Bei Kaffee und Kuchen gibt Seminarleiter Christian Andersch zunächst eine theoretische Einführung ins Thema. Dann geht es auch schon zum Parcours. Wie mit einem Kinderspielzeug steuert Andersch den Rollator – geschickt mal links, dann wieder rechts leicht bremsend, durch die Hütchen-Reihe. Was so kinderleicht aussieht, entpuppt sich für die Kursteilnehmer teils als echte Herausforderung. „Nicht zu stark, nur leicht bremsen“, gibt Andersch immer wieder den Rat – und plötzlich klappt es auch. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich das auch mal kann“, meint eine ältere Dame ganz stolz und will noch besser werden.

Nach der Pflicht auf ebenem Parkett geht es zur Kür – zur Realität an einer richtigen Haltestelle. Busfahrer Georg Drugsch steuert den Bus millimetergenau an die Bordsteinkante, dennoch bleibt ein Spalt, den es beim Ein- und Aussteigen zu überwinden gilt. „Hier an dieser neu ausgebauten Bushaltestelle haben wir schon mal den Vorteil der nahezu gleichen Höhe von Bordstein und Busboden – nur der Spalt ist das Problem“, erläutert Andersch. Der Kursleiter macht es vor, wie man mit dem Rollator in den Bus einsteigen sollte. „An den Bus heranfahren, dann die vorderen Räder des Rollators leicht anheben, dann hineinfahren und – ganz wichtig – die Feststellbremsen anziehen“, so Andersch. „Viele machen den Fehler, möglichst schnell einsteigen zu wollen, dann rollt der Rollator davon und schon ist es passiert – der Rollatornutzer liegt auf der Nase“, weiß der Seminarleiter aus Erfahrung.

Noch problematischer ist die Situation bei noch nicht „barrierefrei“ ausgebauten Haltestellen. „Hier kommt noch eine größere Höhendifferenz dazu“, erklärt Andersch. Doch auch dies wird an einer weiteren Bushaltestelle geübt. Besonders das Aussteigen zeigt sich hier als größte Herausforderung. „Ganz wichtig ist, immer alles in Ruhe und mit Vorsicht anzugehen – wenn Sie hinfallen, dauert nicht nur alles noch viel länger, sondern sie haben ein viel größeres Problem“, so Andersch deutlich.

Vor allem für die praktischen Ein- und Aussteigeübungen sind viele Teilnehmer dankbar. „Ich habe wirklich viel gelernt, ich frage mich jetzt, wieso habe ich so lange gewartet – ich war einfach zu eitel, mit dem Rollator den Bus zu nutzen“, meint Hermann Lugner. Auch für Christiane Heinrich war der Kurs nicht nur rein technisch hilfreich: „Ich habe mich bisher kaum alleine mit dem Rollator auf die Straße getraut und mit dem Bus zu fahren erst recht nicht. Jetzt bin ich richtig mutig geworden.“ Die Seniorin möchte allen, die auf eine Gehhilfe angewiesen sind, Mut machen, sich mehr zuzutrauen.  lfp

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