Parkplätze als Knackpunkt

Sitzung zur Verlängerung der Straßenbahn verspricht Spannung

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Noch endet die Straßenbahnlinie 17 an der Stadtgrenze. Studenten der Hochschule Darmstadt halten eine Verlängerung bis nach Sprendlingen für machbar. Näheres soll eine Potenzialanalyse klären, über die die Stadtverordneten in der aktuellen Sitzungsrunde zu befinden haben. 

Streitpunkt sind die Parkplätze, der CDU gibt es zu viel Platz für Radfahrer. Aber auch bei den Finanzen herrscht Uneinigkeit.

Neu-Isenburg – Der Tagesordnungspunkt „Verlängerung der Straßenbahnlinie 17 bis nach Dreieich“ verspricht im Ausschuss für Bau, Planung, Umwelt und Verkehr am Mittwochabend einiges an Spannung. Die CDU-Fraktion hatte dazu bisher eine ablehnende Position – die FDP hatte sich ebenso deutlich „kritisch“ positioniert. So stellt sich die Frage, ob sich eine Mehrheit für die Potenzialanalyse finden. Eine Antwort gibt es noch nicht.

Nicht machbar, die Frankfurter Straße als Hauptverkehrsader werde verstopft, die zweijährigen Bauarbeiten würden viele Geschäftsinhaber in den Ruin treiben – und überhaupt: Wer soll das jetzt auch noch bezahlen? So die langjährigen Argumente der Kritiker. Jetzt erhält das Vorhaben plötzlich wieder Aufwind, denn mit der Stadt Frankfurt kommt ein Befürworter ins Spiel, der sich ebenfalls Vorteile von einer Verlängerung der Linie 17 durch die Hugenottenstadt nach Sprendlingen erhofft.

Frankfurts Verkehrsdezernent Klaus Oesterling nahm Kontakt mit den Bürgermeistern Herbert Hunkel und Martin Burlon auf, die sich prinzipiell aufgeschlossen zeigten. Eine Potenzialanalyse – mit Kosten pro Kommune von 17 000 Euro –, soll Aufschluss über die technische Machbarkeit und das Beförderungspotenzial bringen. Verkehrsexperte Prof. Dr. Jürgen Follmann hatte Absolventen des Masterstudiums Verkehrswesen an der Hochschule Darmstadt schon im Rahmen einer Vorstudie die Gegebenheiten untersuchen lassen. Die Präsentation stieß in den Dezernaten der drei Städte auf eine positive Resonanz. Nun müssen noch die Stadtverordneten zustimmen.

Follmann stellt im Ausschuss die Ergebnisse der Studenten vor. „Es wird sich ohnehin etwas ändern müssen, so kann es nicht weitergehen“, verweist der Verkehrsexperte auf eine unumgängliche Umgestaltung der Frankfurter Straße. „Die jungen Menschen haben das umgesetzt, was sie aus ihrer Perspektive für nötig halten, aber auch, was sie in anderen Städten in dieser Hinsicht gesehen haben – und was auch hier machbar wäre.“ Im Internet gebe es zahlreiche Beispiele, wie sich Straßen ganz neu – und vor allem von der Bevölkerung bestens akzeptiert – präsentierten, gibt Follmann den Ausschussmitgliedern noch auf den Weg.

Thilo Seipel (FDP) steht dem Projekt weiterhin recht kritisch gegenüber. „Es soll doch künftig mehr Verkehr aus der Stadt heraus und auf die Südumfahrung gebracht werden. Wie verträgt sich das, wenn dort auch noch eine Straßenbahn fährt?“, will er wissen. Zudem moniert Seipel die vielen wegfallenden Parkplätze. Da fehle eine Alternative für jene, die mit dem Auto in die Stadt kommen und diese beleben. Follmann wiederum hält es für machbar.

„Für uns ist es sehr erfreulich, dass dieses Thema nun wieder auf der Agenda steht, der vorliegende Entwurf gefällt uns recht gut“, spricht Markus Munari für die SPD-Fraktion. Er betont, dass die Frankfurter Straße auch ohne Straßenbahn eine Umgestaltung erfahren müsse – mit der Tram wäre es freilich noch sinnvoller. Die Parkhäuser seien längst nicht ausgelastet. Da verweist Bürgermeister Herbert Hunkel auf das Programm Stadtumbau, mit dem auch Alternativparkflächen etwa auf dem Wilhelmsplatz gesucht würden. Der Bauausschuss-Vorsitzende Oliver Gröll (CDU) bringt als Argument, dass die Finanzmittel noch nie so günstig wie derzeit zu generieren seien. Erster Stadtrat und Kämmerer Stefan Schmitt hakt aber gleich ein: „Über Geld kann man heute noch nicht seriös reden, da muss erst einmal eine Machbarkeitsstudie mit Nutzen-Kosten-Untersuchung her.“

Für Peter Leitermann (CDU) macht das alles zwar Sinn und geht auch in die richtige Richtung: „Aber da ist mir viel zu viel Radverkehr drin, der Parkverkehr ist per Federstrich weg.“ Bettina Blüchardt (CDU) aus Zeppelinheim schildert die Situation aus ihrer Sicht. „Wenn ich mal schnell in die Kernstadt fahre, um Kleinigkeiten zu erledigen, da will ich nicht erst in ein Parkhaus fahren müssen“, spricht sie auch für die Gravenbrucher. Dann kündigt sie einen Antrag der Koalitionsfraktionen zum Thema für den Haupt- und Finanzausschuss an. Darüber soll dann in der Stadtverordnetenversammlung abgestimmt werden. Über den Inhalt ist noch nichts bekannt. Es bleibt also spannend, wie es mit den Plänen zur Verlängerung der Straßenbahn weitergeht.

Der Haupt- und Finanzausschuss tagt am Mittwoch, 18. März, die Stadtverordneten kommen am Mittwoch, 25. März, zusammen.

VON LEO F. POSTL

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