Mit dem „Laufbus“ zur Schule

Stadt geht neue Wege, um Elterntaxis zu reduzieren

Neu-Isenburg - Immer wieder kommt es zu Problemen, wenn Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule fahren. Um den Verkehr in den Griff zu bekommen, geht die Stadt mit dem Schulmobilitätsplan Buchenbusch neue Weg.

Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen. Mal fehlt der Laufpartner, mal ist es zu kalt oder zu dunkel. Um darauf zu reagieren, wurde mit der Verkehrsexpertin Katalin Saary der Mobilitätsplan entwickelt, der das Thema Verkehrssicherheit auffächert. „Die Infrastruktur zu schaffen und die Gewährleistung der Verkehrssicherheit sind nur eine Seite der Medaille. Die wesentliche größere Aufgabe ist die Mobilitätserziehung der Kinder“, erklärt Saary. Die Verkehrserziehung beschränke sich nicht nur auf die Vermittlung von Zeichen und Regeln, sondern stünde in Wechselwirkung mit vielen anderen pädagogischen Bereichen.

Die AG Schulmobilität unter der Leitung von Saary setzte sich aus Vertretern der Schulleitung und Elternbeiräten, der benachbarten Kita Eschenweg, den Anwohnern, den Mitarbeitern der Straßenverkehrsbehörde und der Stadtplanung sowie Bürgermeister Herbert Hunkel und Erstem Stadtrat Stefan Schmitt zusammen. Ausgangspunkt war eine Befragung von Eltern, Lehrern und Kindern. Eltern konnten den Schulweg ihrer Kinder in einem Plan eintragen und Hinweise zu den Gefahrenpunkten geben. Diese Wege wurden begangen und analysiert. Gemeinsam mit der AG entstand auf dieser Grundlage der neue Plan, der den sichersten Weg zur Schule zeigt. Aufmerksamkeitszeichen weisen auf besondere Orte hin, wo Kinder und alle anderen Verkehrsteilnehmer aufpassen sollten. Auch wichtige Treffpunkte sind vermerkt. Dort treffen sich schon heute Kinder, um gemeinsam zur Schule zu laufen.

Daneben wurden konkrete Veränderungen vorgenommen. Dazu zählen die Einbahnstraßenregelung zwischen dem Birkenweg und dem Pappelweg sowie die Hol-Bring-Zone in der Neuhöfer Straße. Drei Parkplätze werden von montags bis freitags, von 7.30 bis 8.30 Uhr für die Eltern reserviert. Nach der Schule wird der Hol- und Bring-Verkehr nur über den Eschenweg abgewickelt.

Schulleiterin Heike Scheible bestätigt: „Die Verkehrssituation hat sich dadurch in den Morgenstunden spürbar verbessert. Darüber hinaus haben wir die Verkehrserziehung und die Mobilitätsbildung im Unterricht verankert.“ Während es in den ersten beiden Klassen um das sichere Bewältigen von Alltagswegen zu Fuß geht, werden in der dritten und vierten Klasse das Nutzen eines Verkehrsmittels wie das Fahren mit Roller und Fahrrad, das Verhalten in Bussen und Bahnen sowie sowie ein Erste-Hilfe-Kurs behandelt.

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Weitere Ideen stecken noch in der „Schublade“. Dazu zählt der „Laufbus“, um Laufgemeinschaften zu fördern. Dabei handelt es sich um Schüler ab der ersten Klasse, die gemeinsam den Schulweg zurücklegen. Dabei werden sie von einem oder mehreren Erwachsenen begleitet, bis die Kinder sicher genug sind. Wie ein richtiger Schulbus bietet der „Laufbus“ Haltestellen beziehungsweise Treffpunkte und einen Fahrplan. Eltern und Lehrer legen die Linien und die Zeiten fest.

Die Aktion Verkehrsdetektive sensibilisiert Kinder für ihre alltäglichen Wege. Das Programm „Verkehrszähmer“ setzt sich zum Ziel, dass mehr Kinder zu Fuß gehen und die Elterntaxis im Umfeld reduziert werden. Nach der Vorbereitung im Unterricht sammelt die Klassengemeinschaft „Zaubersterne“ für alles, was die Straßen rund um die Schule sicherer und lebenswerter macht. Es gibt Zaubersterne für die ganze Klasse, wenn die Kinder zu Fuß in die Schule gehen, ihre Sicherheitswesten anziehen oder wenn die Eltern die Kinder (zu Fuß) begleiten.

Bürgermeister Herbert Hunkel: „Es reicht nicht, Verbote auszusprechen. Wir alle setzen auf eine Veränderung des Mobilitätsbewusstseins. Und damit kann man gar nicht früh genug anfangen.“ Sollte das Projekt im Buchenbusch Erfolg haben, könnte ein Schulmobilitätsplan auch für Gravenbruch entwickelt werden. (hok)

Rubriklistenbild: © dpa

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