Neue Chance für alte Idee

Verlängerung der Straßenbahn: Städte wollen Untersuchung auf den Weg bringen

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Die Darmstädter Studenten haben die räumlichen Möglichkeiten und die eventuellen Haltestellen unter die Lupe genommen. 

Es ist eine alte Idee, die Straßenbahn von der Stadtgrenze Neu-Isenburg nach Dreieich zu verlängern. Nun kommt neuer Schwung in die Sache – angesichts des Klimawandels, des geänderten Mobilitätsverhaltens und neuer gesetzlicher Rahmenbedingungen.

Neu-Isenburg/Dreieich – Deshalb wollen die Städte Frankfurt, Neu-Isenburg und Dreieich eine Untersuchung zur Verlängerung der Linie 17 auf den Weg bringen. Eine Basis bilden Arbeiten von Darmstädter Studenten.

Dreieichs Bürgermeister Martin Burlon war gestern ins Neu-Isenburger Rathaus gekommen, um mit seinem Amtskollegen Herbert Hunkel den Entwurf der Kooperationsvereinbarung mit der Stadt Frankfurt zu einer sogenannten Potenzialanalyse vorzustellen. Ein Angebot dazu hat die Mainmetropole im Januar gemacht. Entsprechende Anträge liegen den Stadtverordneten in beiden Städten vor. Die Untersuchung soll belastbare Einschätzungen zur technischen, verkehrlichen und städtebaulichen Machbarkeit, dem Fahrgastpotenzial und den Auswirkungen liefern. Jede Stadt müsste für die Studie 17 000 Euro zahlen.

„Das ist eine Chance, die nicht wiederkommt“, meint Hunkel und verweist darauf, dass der Verkehr im Ballungsraum nur gemeinsam bewältigt werden könnte. „In Zeiten des Klimawandels und des drohenden Verkehrskollapses im Rhein-Main-Gebiet führt an dem Ausbau des ÖPNV kein Weg vorbei“, betonen er und Burlon. Die Straßenbahn biete die Möglichkeit, Leute zum Umsteigen zu bewegen und den Autoverkehr zu begrenzen.

In Form einer Vorstudie haben Studenten von Prof. Dr. Jürgen Follmann an der Hochschule Darmstadt die räumliche Machbarkeit einer Verlängerung um vier Kilometer bis zur Ulmenstraße in Sprendlingen untersucht. Und sie kommen zu einem positiven Ergebnis. Demnach bieten die jeweiligen Frankfurter Straßen in Neu-Isenburg und Sprendlingen die Voraussetzungen, eine zweigleisige Schienenverbindung aufzunehmen. Auf einem kurzen Teilstück zwischen den beiden Kommunen könnte sie wegen des dortigen Bannwaldes eingleisig verlaufen. Auf der Frankfurter Straße in Neu-Isenburg ist laut Follmann an einen Mischverkehr mit Autos und Radfahrstreifen gedacht. Für die wegfallenden Parkplätze sieht der Experte genügend Ausweichmöglichkeiten in den nahe gelegenen Parkhäusern des Isenburg-Zentrums. Detailliert haben die Studenten die Situation unter die Lupe genommen und Vorschläge für Haltestellen vom bisherigen Endpunkt an der Stadtgrenze bis zur Ulmenstraße in Sprendlingen erarbeitet. An der Haltestelle am IZ käme es zur Kreuzung mit der Regionaltangente West. Follmann regt an, da beide Projekte zusammen anzugehen, da es nicht vertretbar sei, in dem Bereich kurz nach dem Abschluss des einen Vorhabens mit den Bauarbeiten für das andere zu beginnen. Deshalb sollte es einen Grundsatzbeschluss bis Mitte 2021 geben.

Foto: Open Street Map /Hochschule Darmstadt

Follmann schlägt auch vor, in einem zweiten Abschnitt die Tram bis zum Sprendlinger Bahnhof zu verlängern, wo ein Umsteigen auf die Dreieichbahn möglich wäre. Damit sollen sich Studenten im Sommersemester beschäftigen. Allerdings warten auf dem etwa zwei Kilometer langen Abschnitt knifflige Aufgaben, da die Hauptstraße in Sprendlingen sehr eng sei. Alternativ könnte auch der Weg über die Eisenbahnstraße im Dreieicher Stadtteil geprüft werden.

Der Professor weist auf die geänderten günstigeren Rahmenbedingungen hin. So will der Bund mehr Geld für Investitionen in den ÖPNV bereitstellen – statt 60 bis zu 75 Prozent, sofern eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung erfolgt. Zudem sollen künftig Vorhaben ab einer Größenordnung von 30 Millionen Euro gefördert werden. Einbezogen seien auch Streckenabschnitte ohne besonderen Bahnkörper, wie bei der Straßenbahn angedacht.

Zudem gelte das frühere Argument nicht mehr, das die Straßenbahn eine Konkurrenz zur S-Bahn sei, die am Rande des beiden Kommunen fährt. Sie habe vielmehr lokalen Nutzen für die beteiligten Städte, betonen die Bürgermeister. So fahren Dreieicher nach Neu-Isenburg zum Einkaufen ins IZ, Neu-Isenburger dafür in den Sprendlinger Norden. Die Straßenbahn sei auch für Arbeitnehmer interessant, die bislang mit dem Auto zur bisherigen Endhaltestelle fuhren, um dort umzusteigen.

Genaue Erkenntnisse soll die Potenzialanalyse bringen. Die zuständigen Ausschüsse in den beiden Städten werden sich in ihren nächsten Sitzungen mit den Vorlagen zur Studie beschäftigen.

VON HOLGER KLEMM

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