Sabotageakte im Wald

Neu-Isenburg: Unbekannte zerstören mindestens 14 Hochsitze

Von den Tätern fehlt bisher jede Spur: Im Forstrevier Heegwald haben Unbekannte 14 Hochsitze beschädigt, diese wurden zum Teil umgesägt oder eingeschlagen. Für das Forstamt Langen entstand dadurch ein Schaden von einigen tausend Euro.
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Von den Tätern fehlt bisher jede Spur: Im Forstrevier Heegwald haben Unbekannte 14 Hochsitze beschädigt, diese wurden zum Teil umgesägt oder eingeschlagen. Für das Forstamt Langen entstand dadurch ein Schaden von einigen tausend Euro.

„Das war vorsätzlich. Da hat jemand ganz bewusst die Hochsitze umgeworfen und zersägt“, sagt Michael Löber, stellvertretender Leiter des Forstamts Langen. Unbekannte hatten über einen längeren Zeitraum von rund vier Wochen seit Mitte März mindestens 14 Ansitzleitern und Drückjagdböcke – letzteres sind rund 1,50 Meter hohe Stände – im Forstrevier Heegwald zwischen Sprendlingen und Zeppelinheim, dem Jagdbezirk Buchschlag, zum Teil stark beschädigt.

Neu-Isenburg – „Einige sind nicht mehr nutzbar“, erklärt Löber. Der Schaden beträgt mehrere tausend Euro. Beschädigungen an Hochsitzen in der Region kamen in der Vergangenheit immer wieder vor. Im vergangenen Jahr hatten die Vorfälle allerdings neue Dimensionen erreicht, als nahe Trebur im Kreis Groß-Gerau ein Hochsitz mit zwei angesägten Ständern entdeckt wurde und der Landesjagdverband Hessen daraufhin seine Mitglieder vor sabotierten Hochsitzen warnte.

„Das war aber nicht das typische militante Klientel“, sagt Löber über die Vorfälle im Heegwald, „die lassen einen erkennen, dass sie es waren“. In der Vergangenheit handelte es sich bei den Tätern oftmals allem Anschein nach um Sympathisanten der Animal Liberation Front (A.L.F.), das Zeichen der Tierbefreiungsbewegung war auf vielen beschädigten Hochsitzen zu finden. Im Heegwald war davon jedoch nichts zu sehen. „Wir können nur mutmaßen, wer die Täter waren und haben Anzeige erstattet. Viel passieren wird aber voraussichtlich nicht. Wenn man nicht jemanden auf frischer Tat ertappt oder sich ein Zeuge meldet, der etwas gesehen hat, sind die Chancen annähernd null“, meint Löber.

Auf Nachfrage berichtet Polizeisprecherin Andrea Ackermann vom Polizeipräsidium Südosthessen am Freitag, dass die Ermittlungen laufen, bisher aber keine Zeugenaussagen vorliegen. Auch die zuständigen Revierleiter und die Jäger hätten keine Beobachtungen gemacht. Ackermann bittet Spaziergänger generell, im Wald die Augen offen zu halten. Die Polizei in Neu-Isenburg (z 06102 29020) hofft weiterhin auf brauchbare Hinweise aus der Bevölkerung.

Größer als der finanzielle Schaden ist der Ärger, denn Arbeit gibt es im Revier schon genug. Der Jagdbezirk Buchschlag umfasst 420 Hektar, die komplette Fläche ist bejagbar. In diesem Gebiet befinden sich etwa 30 Hochsitze, ein größerer Wiesenzug und mehrere Wildäsungsflächen, sechs bis acht Salzleckstellen und unzählige Pirschwege. Sie alle müssen kontrolliert und instand gehalten werden.

Gejagt werde aus verschiedenen Gründen, erläutert Löber. Zum einen, um das Wild zu reduzieren, weil eine zu große Population dem Wald schadet. Gerade nach dem schweren Sturm im August 2019, in Folge dessen viele junge Bäume gepflanzt wurden. Und in einer Region wie dem Rhein-Main-Gebiet mit seinen vielen Verkehrswegen sind Wildunfälle schon an der Tagesordnung. Weiterhin sollen Schäden für die Landwirtschaft vermieden wären – Wildschweine, die zudem die afrikanische Schweinepest übertragen, graben auf der Nahrungssuche auch gerne mal eine Ackerfläche um. Und letztlich gilt Wild mittlerweile als hochwertiges, unbelastetes Lebensmittel und spielt in der gesunden Ernährung eine zunehmend größere Rolle.

Im Kreis Offenbach werden jährlich rund 1 200 Rehe und Hirsche erlegt, ähnlich hoch ist die Zahl beim Schwarzwild. Dennoch sei die Population gesund und stabil. Und die Waldtiere haben sich längst an den Menschen gewöhnt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass rund um die Anlage des TC Blau-Weiß Zeppelinheim oder den TuS-Sportplatz regelmäßig Damwild auftaucht. „Für Wölfe allerdings ist die Fläche im Kreis zu klein“, vermutet Löber. Im Taunus (dort leben bereits mindestens zwei Exemplare), Rheingau, Spessart und auch im Odenwald könnte er aber bald wieder heimisch werden. (Patrick Leonhardt)

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