Diskussionsrunde 

Welche Zukunft hat das Auto in der Innenstadt ?

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Keiner will Autokolonnen in den Wohnstraßen. Dominik Jurkovic Vorstandsmitglied der JU Autohändler Stefan Göbel (Zweiter von links) fährt schon klimaneutral im innerstädtischen Verkehr in  Neu-Isenburg mit seinem zweisitzigen E-Mobil, dessen Akku leicht ausbaubar und damit an der heimischen Steckdose zu laden ist. Das kleine Gefährt bringt es in der Spitze auf 65 Stundenkilometer. 

„Welche Zukunft hat das Auto in unserer Stadt?“ Dieser Frage stellt sich die CDU in einem lockeren Gespräch mit Bürgern und geladenen Fachleuten am Dienstagabend im Saal der TV-Gaststätte in der Waldstraße. 

Neu-Isenburg - Mit Stefan Göbel und Ralf Stegbauer sind zwei Automobilhändler aus Neu-Isenburg zu Gast in der Runde. Auch Vlado Lodzic, Sprecher der Taxifahrer in der Stadt, und Alexander Vey, Inhaber des Busunternehmens Vey Reisen, sind berufsbedingt eher Fürsprecher des Autoverkehrs; und mit Kirk Reineke, Geschäftsführer der Stadtwerke, ist ein Fachmann des ÖPNV in der Diskussionsrunde vertreten.

Die Zukunft der Frankfurter Straße und die Visionen für den Stadtumbau dieser zentralen Straße sind ein Schwerpunkt der Gespräche an diesem Abend. Die Meinung ist einhellig: Die Verdrängung des Autoverkehrs auf der Strecke zwischen dem Isenburg-Zentrum und der Straßenbahnhaltestelle ist nicht gewünscht. „Es gibt ja Zeiten, in denen die Frankfurter Straße für den Autoverkehr gesperrt ist. Während der Open Doors erleben wir, wie hoch die Verkehrsbelastung in den umliegenden Straßen wird“, sagt Stefan Göbel. Auch Ralf Stegbauer wünscht sich, dass „unser Business für den Autoverkehr erreichbar bleibt“.

Neu-Isenburg: Diskussion um Zukunft von Auto in Innenstadt 

CDU-Fraktionsmitglied Joachim Großpersky erinnert an die Diskussion am „Parking Day“ vor wenigen Wochen: „Da wurde intensiv davon geträumt, die Straße zu einer Flaniermeile umzuwandeln. Aber dem Einzelhandel, den wir dort noch haben, müssen wir die Möglichkeit geben, mit dem Auto erreichbar zu bleiben“, stellt er klar. Die CDU müsse sich klar für den Autoverkehr in der Frankfurter Straße positionieren.

Grundsätzlich stützt Fraktionskollege Oliver Hatzfeld diese Botschaft: „Aber wir müssen auch dem ÖPNV und dem Radverkehr Platz schaffen. Wir werden auf das Auto nicht komplett verzichten können. Es ist eine spannende Aufgabe, Lösungen zu finden. Denn schon heute sehen wir auf der Frankfurter Straße, dass wir mit den Bussen, den Lieferverkehren und den Staus schon am Ende der Kapazität sind. Es ist keine Alternative, gar nicht zu handeln – wir müssen eine bessere Lösung finden“, stellt Hatzfeld klar.

Dominik Jurkovic, Vorstandsmitglied der Jungen Union, gibt zu bedenken, dass es reizvolle Alternativen zum Auto geben und der ÖPNV besser aufgestellt werden müsse: „Wir müssen dazu kommen, dass wir eine Gleichstellung der Verkehrsteilnehmer erreichen, für die Radfahrer, die Fußgänger, die Busse und die Autofahrer.“ Eine komplett für den Autoverkehr gesperrte Hauptverkehrsader wünscht sich auch der Jungpolitiker nicht: „Keiner will Autokolonnen in den Wohnstraßen.“

Neu-Isenburg: Noch wenige Ladestationen für E-Auto

Zur Zukunft der E-Mobilität in der Stadt ist das Wissen vom Stadtwerke-Chef gefragt. Reineke antwortet auf die Frage einer Bürgerin, ob das Stromnetz der Stadt ausreiche, wenn jeder in Zukunft sein Auto an der privaten Ladestation vor der Haustür lädt, ganz interessant: „Wenn fünf E-Autobesitzer in der Goethestraße gleichzeitig an der heimischen Schnellladestation laden, dann bleibt es im West-end dunkel.“ Aber noch seien solche Stationen selten. Auch für den öffentlichen Busverkehr haben sich die Stadtwerke kürzlich gegen E-Busse entschieden: „Unsere Fahrzeuge sind 1,5 Millionen Kilometer im Jahr unterwegs. Die Strecken am Tag sind zu weit, um sie mit einer Batterieladung zu bewältigen“, erläutert Reineke. Es müsste auf den meisten Strecken ein zweiter, immens teurer Bus angeschafft werden – wirtschaftlich keine Option.

Auch die Wasserstofftechnologie scheide aus – die Einrichtung einer Tankstelle für das Gasgemisch würde 1,2 Millionen Euro kosten, die nächste Tankstelle in Frankfurt-Höchst anzufahren, mache für die Busfahrer aus Zeitgründen keinen Sinn.

Das Busunternehmen sei gerade Pilotprojekt für sechs neue MAN-Busse, die die Energie aus dem Bremsen und der Lichtmaschine über einen Kondensator auf dem Dach speisen. „So können wir leise mit E-Energie aus den Haltestellen herausfahren und irgendwann schaltet der Motor wieder auf Dieselbetrieb um. Wir werden diese derzeit emissionsärmste Variante für Verbrennungsmotoren in der Alltagsbelastung testen“, kündigt Reineke an.

Stefan Schmitt (CDU): Straßenbahn und Seilbahn prüfen 

CDU-Stadtverbandsvorsitzender und Erster Stadtrat Stefan Schmitt ist am Ende des Abends zufrieden mit dem Austausch. Er ist sich sicher, die Regionaltangente West (RTW) werde der Stadt eine weitere Entlastung bringen. Er sei ein Gegner der Verbotskultur – auch für die Frankfurter Straße – und Alternativen wie die Straßenbahn oder auch eine Seilbahnlösung müssten intensiv geprüft werden. 

Dass in diesen zweieinhalb Stunden keiner der Anwesenden die Vision einer lebendigen Fußgängerzone für die Straße zeichnet, ist angesichts der eingeladenen und so Auto-nahen Gäste kein Wunder. „Aber wir werden uns in der Frage der Mobilität bewegen und mehr Flexibilität an den Tag legen müssen“, sagt Reineke.  Von Nicole Jost

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