Gemeinsam für Cucerje

Heinrich Schmidt vom Verein „Kroatien“ bittet um Hilfe für Erdbeben-Opfer

Wer den Schaden hat, kann in Kroatien offenbar kaum auf schnelle Hilfe hoffen. Zwei Monate nach dem Erdbeben in der Region um Zagreb, bei dem ein Großteil der Wohnhäuser und auch die Kirche des kleinen Ortes Cucerje erheblich zerstört wurden, warten Betroffene vor allem in den ländlichen Regionen noch immer auf Unterstützung.
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Wer den Schaden hat, kann in Kroatien offenbar kaum auf schnelle Hilfe hoffen. Zwei Monate nach dem Erdbeben in der Region um Zagreb, bei dem ein Großteil der Wohnhäuser und auch die Kirche des kleinen Ortes Cucerje erheblich zerstört wurden, warten Betroffene vor allem in den ländlichen Regionen noch immer auf Unterstützung.

Derzeit gibt es viele Hilferufe aus aller Welt, meist wohl im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. Dabei werden oft andere Schicksale übersehen.

Neu-Isenburg – Heinrich Schmidt, Vorsitzender des Neu-Isenburger Vereins „Kroatien“, und seine Partnerin Tanja Dobsa fuhren Anfang März wieder einmal nach Zagreb, wo Tanjas Mutter lebt. Dann, am Morgen des 22. März, erlebte die Region um Zagreb ein heftiges Erdbeben, das an manchen Orten große Schäden angerichtet hat. Schmidt und Dobsa durchlebten die „zehn schrecklichsten Sekunden unseres Lebens“ in Zagreb.

„Als das Erdbeben kam, sind Tanja und ich wie die Hasen aus der Wohnung im dritten Stock geflüchtet, hielten uns an den Händen und dachten, jetzt sind wir in Sicherheit, hoffentlich muss niemand sterben“, schildert Schmidt. Und die Angst ist auch jetzt, zwei Monate später, immer noch da, geben beide offen zu. Schlimmer getroffen hat es jedoch ihre Freunde, die im kleinen Ort Cucerje – 20 Autominuten von Zagreb entfernt – leben. „Auch heute noch sind die Zerstörungen dort deutlich sichtbar. Ein Großteil der Häuser liegt in Trümmern“, beschreibt Schmidt die vorgefundene Situation bei einem Besuch am vergangenen Donnerstag. „Unsere Hilfe wird dringend gebraucht“, richtet er deshalb einen Hilferuf an alle Freunde in Neu-Isenburg.

Das stärkste Beben am 22. März um 6.24 Uhr lag bei 5,5 auf der Richterskala, ein weiteres bei 5,0, so die Angaben des kroatischen seismologischen Instituts. Zahlreiche Wohngebäude in Zagreb stürzten ein, eine der Spitzen der berühmten Kathedrale fiel rund 100 Meter in die Tiefe. Autos wurden verschüttet.

Die Zentren der beiden Beben lagen aber sieben beziehungsweise zehn Kilometer nördlich von Zagreb, genau bei dem von einigen Mitgliedern von Isenburgs kroatischer Gemeinschaft gut bekannten Ort Cucerje. Es war das schwerste Beben, das das EU-Land Kroatien seit 140 Jahren heimsuchte.

„Einige unserer Mitglieder waren bereits in Cucerje, haben an den Festlichkeiten in diesem sehr schönen Ort mit der Folkloregruppe Kristali teilgenommen und dabei viele nette Leute kennengelernt, Freundschaften geschlossen und am Gottesdienst in der wunderschönen Kirche teilgenommen“, schreiben Schmidt und Dobsa.

Über Mail und Telefon habe ihr langjähriger Freund Alen Suskovic aus Cucerje nun um Hilfe gebeten. „Zehn Sekunden Erdbeben, die alles zerstört haben, aber wir lassen uns nicht unterkriegen. Weitermachen, nur Mut. Wir liegen auf dem Boden, aber geschlagen geben wir uns nicht“, beschreibt Schmidt das Motto der kroatischen Freunde.

Die mitgelieferten Fotos geben zwar einen Eindruck von den materiellen Zerstörungen, sie können aber nicht die Lebensumstände, in denen sich die Menschen befinden, wiedergeben. Während in Kroatiens Hauptstadt Zagreb bereits einen Monat nach dem schweren Erdbeben die meisten Straßen wieder für Fußgänger freigegeben werden konnten – und dies während der Corona-Pandemie – ist es um den Ort und die Menschen in Cucerje still geworden, so die Schilderung von Schmidt. Kamine in Zagreb seien mittels großer Autokräne abgetragen und wieder aufgebaut, die Nord-Kuppel der Kathedrale sei aufwendig gesichert und entfernt worden. Fassaden und Kuppeln wurden abgestützt, Hauseingänge vom Schutt befreit und zum Teil mit Holzbalken verstärkt. Das werde alles durch das Bauamt der Stadt Zagreb organisiert – im Einsatz sind Feuerwehr, Katastrophenschutz und einzelnen Trupps von Bauarbeitern, die vom Bauamt angefordert, bestellt und bezahlt wurden, berichten Schmidt und Dobsa.

Wer den Schaden hat, kann in Kroatien offenbar kaum auf schnelle Hilfe hoffen. Zwei Monate nach dem Erdbeben in der Region um Zagreb, bei dem ein Großteil der Wohnhäuser und auch die Kirche des kleinen Ortes Cucerje erheblich zerstört wurden, warten Betroffene vor allem in den ländlichen Regionen noch immer auf Unterstützung.

In Orten außerhalb der Hauptstadt sei die Bevölkerung hingegen zum großen Teil auf sich gestellt, so auch in Cucerje. Viele Wohnhäuser dort seien mit einem roten oder gelben Punkt markiert – das bedeutet, dass diese Gebäude entweder nicht mehr bewohnbar sind oder erst durch Statiker überprüft und repariert werden müssen.

Viele der Bewohner, vorwiegend ältere Alleinstehende und kinderreiche Familien, sind bei Verwandten untergekommen oder in einem Behelfsheim untergebracht. „Das war unser einziger Laden im Ort“, zitiert Schmidt einen Begleiter, der beim Gang durch Cucerje auf dunkle, halb eingestürzte Räume zeigte. Gott sei Dank, niemand von der Bevölkerung im Ort fiel dem Erdbeben zum Opfer, aber deren Existenzen sind stark gefährdet. „Meinem Begleiter zittert noch heute die Stimme, wenn er über den Sonntagmorgen, das Beben und von seinem Haus spricht“, ist auch Schmidt ergriffen.

Deshalb hat er nun die Aktion „Gemeinsam für Cucerje“ initiiert. „So möchten wir den Bürgern das Zeichen geben, dass sie auch in dieser schwierigen Zeit nicht alleine sind.“ Schmidt und die stellvertretende Vorsitzende der kroatischen Gemeinschaft „Kroatien“, Suzana Pavic, verweisen auf das satzungskonforme Vereinsziel, die Hilfe von bedürftigen und mittellosen Personen in Kroatien. „Dies wird den Spendern versprochen, und die Glaubwürdigkeit unseres Vereins hängt entscheidend davon ab, ob die Spenden auch ausschließlich dafür und ohne Abzüge und Umwege den Erdbebenopfern in Cucerje zur Verfügung stehen.“

Kontakt & Infos

Wer helfen will, kann sich direkt mit Heinrich Schmidt in Verbindung setzen – am besten per Mail (heinrich.schmidt@kro-ni.de). Eine Spendenquittung zur Vorlage beim Finanzamt stellt der Verein aus.

VON LEO F. POSTL

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