Der Bürgermeister zieht wieder ein

Verein Pour l’Yseboursch erinnert an die früheren Amtsträger

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Am Marktplatz 6 soll dieses Plakat des Vereins Pour l’Yseboursch an Pierre Claude Gravillon erinnern, der 1735 Bürgermeister in der Hugenottensiedlung war und in der Mitte der Gemeinde wohnte.

An längst vergessene Geschichte erinnern und diese wieder lebendig machen – das hat sich der Verein Pour l’Yseboursch auf die Fahne geschrieben.  

Neu-Isenburg – Am Samstag steht in diesem Sinne eine Aktion an, natürlich stilecht in historischen Kostümen. Das Motto lautet „Der Bürgermeister zieht wieder ein“.

Denn die Mitglieder haben sich in den vergangenen Wochen auf die Spuren der Menschen begeben, die seit der Gründung im Jahr 1699 die Geschicke der Hugenottenstadt gelenkt haben. Und da sind sie auf einige interessante Dinge gestoßen.

Bis zum heutigen Tag sind mehr als 40 Namen an der Spitze von Neu-Isenburg nachgewiesen. Der Verein für belebte Geschichte im Alten Ort um den Vorsitzenden Werner Alfons Stahl hat recherchiert und 27 Bürgermeister im Zeitraum von 1700 bis 1876 namentlich identifiziert und herausgefunden, an welchen Adressen sie gewohnt haben. Das war der Ausgangspunkt für die Aktion: Am Samstag, 23. Mai, in den Abendstunden gegen 20 Uhr wollen die Mitglieder vor den Gebäuden, die heute an der Stelle der Wohnhäuser der ehemaligen Amtsträger stehen, kleine Plakate befestigen. Darauf stehen neben den Berufen auch die Amtszeiten der alten hugenottischen Bürgermeister. Historische Kostüme dürfen beim Zug durch den Alten Ort natürlich ebenfalls nicht fehlen. Das Vorhaben ist nach Angaben des Vereins durch das Ordnungsamt der Stadt genehmigt.

„Die meisten von uns kennen den aktuellen Bürgermeister Herbert Hunkel und wissen, wie sehr er in den zurückliegenden Jahren diese Stadt geprägt hat“, schreibt Stahl in der Ankündigung. Wer weiß aber schon, wie der Metzgermeister Jean George Passet die Gemeinde geprägt hat, der von 1800 bis 1830 mit Unterbrechungen Maire war? So war dieser Wirt der Gaststätte zum „Weißen Ross“, einem Vorläufer des heutigen Apfelwein-Föhl auf den Marktplatz. Damals war Französisch noch die offizielle Amtssprache.

Jean Roustan Delrieux war sogar mehr als 30 Jahre im Amt von 1765 bis 1795 und dann noch mal von 1805 bis 1808. „Jean George Passet und Jean Roustan Delrieux waren aber nicht die einzigen historischen Bürgermeister die die Geschicke der tapferen Gemeinde Neu-Isenburg gelenkt haben“, führt Stahl weiter aus. So kann man sich überraschen lassen, welche Namen, welche Berufe und welche Amtszeiten da plötzlich zu welchen Gebäuden auftauchen werden.

Insgesamt wird es am Samstag um mehr als 25 Namen und Häuser gehen, von denen aus im Laufe der Geschichte die Geschicke der Gemeinde gelenkt wurden. „Durch diese Aktion soll ein Stück der verschollenen Neu-Isenburger Geschichte in den Köpfen der Bürger wieder belebt werden“, hofft Stahl.

Der Kontakt zum Verein ist möglich per E-Mail über w.a.stahl@pour-l-yseboursch.de.

VON HOLGER KLEMM

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