Fenster runter, Ärmel hoch

Corona-Impfung im Drive-in: Hausarzt mit überraschender Aktion

Durch die Terminvergabe blieben lange Schlangen am Neu-Isenburger Waldfriedhof am Samstagmorgen aus. Der Ablauf war strukturiert und die Ausgabe der Impfungen klappte dank des Praxisteams von Dr. Trepels hervorragend.
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Durch die Terminvergabe blieben lange Schlangen am Neu-Isenburger Waldfriedhof am Samstagmorgen aus. Der Ablauf war strukturiert und die Ausgabe der Impfungen klappte dank des Praxisteams von Dr. Trepels hervorragend.

In Neu-Isenburg eröffnet ein Hausarzt einen Impf-Drive-In. Möglichst viele Bürger sollen eine Impfung gegen das Coronavirus bekommen.

Neu-Isenburg - Dr. Thomas Trepels, der Doktor aus dem Buchenbusch, hat im Kampf gegen die Pandemie den nächsten Coup gelandet: Neu-Isenburg hat ab sofort einen Impf-Drive-In. Nach sechs Testzentren in der Kernstadt und den beiden Stadtteilen organisiert der Hausarzt jetzt auch, dass möglichst viele Menschen die Impfung gegen Corona bekommen.

Am Waldfriedhof wird das Drive-In-Testzentrum kurzfristig stundenweise umfunktioniert: Die Autofahrer kommen unter das Zeltdach gefahren und bekommen den begehrten Impfstoff in den Oberarm. Die Impfwilligen, die am Samstagmorgen geordnet auf dem Parkplatz vorfahren, haben sich zuvor online registriert. Die an diesem Tag zur Verfügung stehenden 70 Impfdosen waren nach 25 Minuten restlos ausgebucht, erzählt der Initiator.

Impf-Drive in in Neu Isenburg (Kreis Offenbach): Fünf Minuten pro Corona-Impfung

Dr. Trepels und sein Praxisteam impfen im Fünf-Minuten-Takt. Unter das Zelt fahren, Ärmel hochkrempeln, Spritze rein und der gelbe Impfpass bekommt den lang ersehnten Aufkleber. „Das alles passiert natürlich nicht ohne die notwendige ärztliche Aufklärung“, betont der Arzt. Der Impfstoff, den er bestellen konnte, ist AstraZeneca – die Impfung ist in Deutschland offiziell nur für Menschen über 60 Jahre zugelassen. Die Impflinge müssen unterschreiben, dass sie über die Risiken aufgeklärt werden – und das tut Dr. Trepels an diesem Vormittag auch ohne Unterbrechung: „Ich bin überzeugt von diesem Vector-Impfstoff, er hat leider in Deutschland ein Imageproblem. Die aufgetretenen Sinusvenen-Thrombosen bei jungen Frauen sind ohne Frage eine Katastrophe für die Betroffenen, aber wir reden von 67 Vorkommnissen auf 5,7 Millionen Impfdosen. Das Risiko ist sehr gering“, erläutert der Mediziner.

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Nach dem Erhalt der Spritze müssen sich die Patienten noch 15 Minuten in ihren Autos auf den Parkplatz stellen. Wenn es ihnen nicht gut gehen sollte, dann können sie hupen und es kommt sofort medizinisches Personal. „Ich finde es super, dass ich jetzt die Möglichkeit habe, mir diesen Schutz hier geben zu lassen. Ich freue mich darüber und hoffe, dass es uns damit bald wieder möglich sein wird, unseren Sport auszuüben und zu reisen“, sagt Detlev Rudante, der den „Impfpieks“ knapp unter seine Ironman-Tätowierung gesetzt bekommt. Der Sportler ist aus Mainz mit dem Rad angereist.

Der erste Pieks am Morgen: Ein junger Mann aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg war der erste Impf-Patient von Dr. Thomas Trepels.

Corona: Selbst aus Stuttgart kommen die Impfwilligen nach Neu Isenburg bei Offenbach

Der erste Impfprobant an diesem Morgen ist ein junger Mann aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg, es folgen Autos aus Bad-Homburg, Karlsruhe und dem Odenwald. Alle sagen das Gleiche: Sie sind froh, die Impfung zu bekommen. „Wir hatten sogar drei Studentinnen, die mit einem alten Corsa aus Stuttgart angereist kamen, weil sie sich die Impfung so sehnlichst gewünscht haben“, erzählt Trepels. Überhaupt begegnet ihm an diesem Morgen viel Dankbarkeit – Impfen ist ein emotionales Thema in diesen Pandemie-Tagen, verspricht der Wirkstoff doch wieder ein Stückchen Normalität und Freiheit.

Dr. Thomas Trepels hat in den vergangenen Wochen sehr um den Impf-Drive-In für Neu-Isenburg gekämpft. Den Löwenanteil der Impfstoffe bekommen noch immer die Impfzentren, den Hausärzten bleiben nur kleine Mengen von den derzeit für alle Bevölkerungsgruppen zugelassenen mRNA--Impfstoffen Biontech und Moderna. Hinter den Kulissen brenne ein Kampf um die Impfstoffe, berichtet Trepels.

Detlev Rudante (rechts) war dann der erste, der mit dem Fahrrad in das Drive-In einfuhr.

Mit der Unterstützung von Bürgermeister Herbert Hunkel und der Kassenärztlichen Vereinigung mit Frank Dastych und Dr. Eckhard Starke an der Spitze, sei das Impfen frei von jeglicher Priorisierung mit dem AstraZeneca Wirkstoff gelungen. „Ich trage dabei ein nicht ganz unerhebliches Risiko, denn ich muss persönlich für eventuelle Impfschäden haften – weil der Impfstoff eben eigentlich erst ab 60 zugelassen ist. Ich übernehme dieses Risiko, weil ich von dem Impfstoff überzeugt bin“, sagt Trepels.

Neu Isenburg (Kreis Offenbach): Montags kommt die Zusage, wie viel Impfstoff es gibt

Sehr gerne würde der Isenburger Mediziner so viel mehr Menschen impfen. Er kann noch nicht einmal genau sagen, wann der nächste Drive-In-Termin startet: „Ich bestelle natürlich immer möglichst viel Impfstoff, aber ich bekomme immer erst montags die Zusage, wie viele Impfdosen ich bekomme“, erklärt der Arzt, dass er aber zuversichtlich ist, schon ganz bald die nächsten Termine zur Online-Registrierung auf seiner Internetseite veröffentlichen zu können. (Nicole Jost)

Derzeit sinken die Fallzahlen in der Region. Die aktuellen Fallzahlen finden Sie in unserem Corona-Newsticker zur Region Offenbach.

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