Herbert Hunkel spricht von seiner schwersten Entscheidung

Neu-Isenburger Bürgermeister verzichtet auf weitere Kandidatur

Mehr als ein Jahrzehnt im Amt, insgesamt 60 Jahre bei der Stadt tätig: Bürgermeister Herbert Hunkel hat Neu-Isenburg nicht nur dann im Blick, wenn er für den Fotografen auf der Rathausterrasse im sechsten Stock steht. Die Entscheidung, im Herbst nicht noch einmal zu kandidieren, hat der 76-Jährige sich nicht leicht gemacht.
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Mehr als ein Jahrzehnt im Amt, insgesamt 60 Jahre bei der Stadt tätig: Bürgermeister Herbert Hunkel hat Neu-Isenburg nicht nur dann im Blick, wenn er für den Fotografen auf der Rathausterrasse im sechsten Stock steht. Die Entscheidung, im Herbst nicht noch einmal zu kandidieren, hat der 76-Jährige sich nicht leicht gemacht.

Die Stadt Neu-Isenburg bekommt im kommenden Jahr definitiv einen neuen Bürgermeister. Gestern Abend bei der konstituierenden Sitzung der neuen Stadtverordnetenversammlung in der Hugenottenhalle hat Amtsinhaber Herbert Hunkel (parteilos) offiziell bekannt gemacht, dass er bei der Bürgermeister-Direktwahl im September nicht noch einmal für das Amt des Verwaltungschefs kandidiert.

Neu-Isenburg - Die vor allem bei den Parteien seit Längerem mit Spannung erwartete Antwort auf die Frage „Was macht Hunkel?“ gab der Rathauschef in seinem Grußwort zur Sitzungseröffnung: „Für mich ist es eine große Ehre, hier und heute letztmals eine konstituierende Stadtverordnetenversammlung eröffnen zu dürfen“, sagte Hunkel, dessen Amtszeit bis April 2022 geht.

Man kann nur erahnen, wie schwer dem 76-Jährigen diese Entscheidung gefallen sein muss: Seine besondere Vita ist bekannt, das Rathaus ist für Hunkel ein zweites Zuhause. Er fing 1961 als 16-jähriger Lehrling in der Stadtverwaltung an, seine Berufslaufbahn führte ihn dann stetig nach oben bis zum Magistratsdirektor. Von 1998 bis 2010 war er als Erster Stadtrat in der Verantwortung, dann schloss sich die Wahl zum Bürgermeister seiner Heimatstadt an.

Wenn er nun in einem knappen Jahr die Amtskette an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben wird, wird er unglaubliche 61 Jahre lang im Rathaus gearbeitet haben, zuletzt zwölf Jahre lang an der Spitze der Verwaltung.

Herr Hunkel, Sie hatten immer wieder durchblicken lassen, dass Sie sich eine erneute Kandidatur durchaus vorstellen könnten. Wann und wie fiel Ihre Entscheidung gegen weitere sechs Jahre?

Die Entscheidung fiel in der letzten Woche, da hatte ich ein paar Tage Urlaub und meine Frau und ich Zeit, um gründlich über dieses Thema zu sprechen. Die Entscheidung fiel mir sehr schwer, es war die bisher schwerste in meinem Leben.

Was waren die Beweggründe für diese Entscheidung?

Einerseits die Freude an der Arbeit, aber andererseits auch das Wissen, dass einmal Schluss sein muss. Es sollte dann sein, wenn es am schönsten ist und man die Gewissheit hat, das Feld ist gut bestellt. Schweren Herzens, aber guten Gewissens! Außerdem: Meine Frau hat es längst verdient, dass wir in den uns noch verbleibenden Lebensjahren deutlich mehr gemeinsame Zeit verbringen, als es in den bisher 27 Jahren der Fall war.

Wo steht Neu-Isenburg derzeit aus Ihrer Sicht, wie steht die Stadt da?

Noch nie stand Neu-Isenburg so gut da wie heute, nichts ist liegen geblieben! An erster Stelle nenne ich das respektvolle und wertschätzende Miteinander der Menschen dieser Stadt, das besondere ehrenamtliche Engagement, natürlich die hervorragende Infrastruktur, die Kinderfreundlichkeit, die Wohn- und Lebensqualität mit dem Bau von weiteren 700 Wohnungen einschließlich seniorengerechter Einrichtungen, die Wirtschaftskraft der Unternehmen mit 30 000 Arbeitsplätzen und die Rekordsteuereinnahmen. Ich denke, mit vielen Projekten, die in der vergangenen Legislaturperiode im Stadtparlament beschlossen wurden, sind die richtigen Weichen gestellt worden.

Noch ein knappes Jahr Herbert Hunkel als Bürgermeister, dann werden Sie die Amtskette an eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger übergeben. Auf was konzentrieren Sie sich in diesem Jahr besonders?

Natürlich auf das volle Programm: Das Kultur- und Bildungszentrum Hugenottenhalle weiter voranbringen, Entwicklung im Stadtquartier Süd gestalten, die Kita im ehrwürdigen Ziegelsteingebäude der Monopol planen. Das Förderprogramm Stadtumbau weiter entwickeln, Klimaschutz und umweltfreundliche Mobilität. Nicht zuletzt die Bürgerinnen und Bürger weiter bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie und den Folgen unterstützen.

Egal, wer Ihre Nachfolge antritt: Wenn Sie einen Rat geben sollten, dann welchen?

Keine Parteipolitik, sondern Stadtpolitik zu betreiben. Dabei wünsche ich eine glückliche Hand und ein offenes Ohr für die Menschen in dieser Stadt. Auch für die vermeintlich kleinen Dinge!

Und wie wird Herbert Hunkel ab Mai 2022 als Privatmann neu gewonnene Freizeit genießen?

Fragen Sie mich das im nächsten Jahr noch einmal. Im Moment habe ich jede Menge Aufgaben im Kopf. Mein Thema ist jetzt: Wie kannst du das alles am besten lösen für die Stadt.

Das Gespräch führte

Barbara Hoven

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